Esperantisten feierten den Zamenhof-Tag

Herzberg  Im Herzberger Esperanto-Centro gab es eine internationale Skype-Konferenz und weitere Aktionen.

Der Initiator der Sprache Esperanto, Dr. Ludwig Zamenhof, wurde am 15. Dezember 1859 in Bialystok im heutigen Polen geboren. Zu jener Zeit gehörte die Stadt zu Russland. Dieser „Geburtstag“ wurde vor einigen Jahren vom Esperanto-Weltverband mit Sitz in Rotterdam zum Anlass genommen, um mit einem „Esperanto-Tag“ auf diese neutrale Zweitsprache sowie auf Probleme in der weltweiten Kommunikation in den jeweiligen Muttersprachen aufmerksam zu machen.

Um den Zamenhof-Tag herum gab es in Herzberg, der Esperanto-Stadt, einige besondere Aktionen. Das traditionelle Zamenhof-Fest anlässlich des Geburtstags des Esperanto-Begründers wurde im Hotel Jägerhof gefeiert. Es wurden Geschichten erzählt, gemeinsam bekannte Weihnachtslieder in Esperanto gesungen. Viele dieser Liederübersetzungen stammen von Joachim Gießner, dem ehemaligen Esperanto-Pionier aus Herzberg. Zum Beispiel gab es eine bunte Bescherung mit zwei Engeln, die aus einem großen Weihnachtssack Präsente verteilten.

Am vergangenen Wochenende nahm eine Delegation aus Herzberg auch an den entsprechenden Feierstunden in Den Haag und Amsterdam teil. In Vorträgen wurden dort die esperantospezifischen Angebote in Herzberg vorgestellt. Es wurde auch berichtet, dass zurzeit viele gebührenfreie Esperanto-Sprachkurse im Internet sehr gefragt sind, z.B. bei Lingolia, Duolingo, lernu.net.

Internationale Skype-Konferenz

Am 15. Dezember gab es im Herzberger Esperanto-Centro eine internationale Skype-Konferenz. Von Herzberg aus wurden auch Informationen über Dr. Zamenhof, die Sprache Esperanto und über „Herzberg am Harz - die Esperanto-Stadt“ per Internet weltweit verschickt.

In Infovitrinen einiger Herzberger Schulen und in der Stadtbücherei wurde mit Plakaten, Texten, Büchern und Ähnliches auf Esperanto und den 156. Geburtstag des Sprachbegründers hingewiesen. Ferner wurde die Esperanto-Bücherecke in der Stadtbücherei mit weiteren Büchern, darunter befindet sich auch bekannte Jugendliteratur, bereichert.

Das Esperanto-Centro hat sich zur Aufgabe gemacht, eine große Fachbibliothek inklusive Werke zur und über Minderheitensprachen vorzuhalten sowie ein Archiv mit Zeitschriften aus aller Welt, historische Tourismusprospekte, Filmsammlung, Sammlung mit Musik-Tonträgern, Ansichtskarten und vielem mehr zu pflegen. Außerdem betreibt das Centro Städtepartnerschaftsarbeit mit Góra in Polen, insbesondere in Form von gemeinsamen Schülerferienwochen.

Darüber hinaus werden regelmäßig Seminare, Konferenzen, Kongresse sowie regelmäßige Sonderausstellungen auf der oberen Plattform im Herzberger Schlossmuseum, zur Zeit über „Historische Tourismusbroschüren“, organisiert.

Esperanto-Unterricht

Es gibt einen Klub, interkulturelle Begegnungen, Esperanto-Unterricht in Schul-AGs und eine Bücherecke „Esperanto und andere Sprachen“ in der Stadtbücherei.

LUDWIG LEJZER ZAMENHOF

Der Begründer der internationale Sprache Esperanto, Ludwig Lejzer Zamenhof kam am 15. Dezember 1859 in Bialystok zur Welt und starb im April 1917 in Warschau. Er war ein polnisch-jüdischer Augenarzt und Philologe.

Unter dem Pseudonym Doktoro Esperanto begründete er die neue Sprache. Da Zamenhof um seinen Ruf als Arzt fürchtete, gab er die Broschüre mit dem Entwurf der Sprache unter dem Decknamen heraus. Esperanto heißt „ein Hoffender“.

Bereits als Kind interessierte sich Zamenhof für Fremdsprachen. Sein Vater Markus hatte als Sprachlehrer für Französisch und Deutsch gearbeitet. Die bevorzugte Sprache des Vaters war Russisch, die der Mutter Jiddisch, auf der Straße dürfte er Polnisch gelernt haben. Wohl früh lernte er Deutsch und Französisch kennen, in der Schule dann Griechisch, Latein und Englisch. Außerdem muss er Hebräisch gut beherrscht haben, aus dem er später das Alte Testament ins Esperanto übersetzte. Er träumte schon früh von einer neuen, leicht zu erlernenden Sprache, die der zerstrittenen Menschheit ein neutrales Instrument liefern könnte.

Sein erster Versuch war die heute nur fragmentarisch überlieferte Lingwe Uniwersale. Gegen 1885 war Zamenhof mit seinem endgültigen Entwurf fertig, den er 1887 in verschiedenen Sprachen veröffentlichte. Der deutsche Titel lautete: „Internationale Sprache“, und so hieß zunächst auch die Sprache. Bald jedoch setzte sich jedoch sein Pseudonym als Synonym für die Sprache selbst durch. In der Folge gelang es ihm eine Zeitschriftherauszugeben.

Um 1900 fasste Esperanto auch in Westeuropa Fuß. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden Ortsgruppen und Landesverbände von Esperantisten auf allen bewohnten Kontinenten gegründet.

Die Betreuung von ausländischen Gästen und Reisegruppen, bereits aus ca. 70 Ländern, gehört ebenso zur Arbeit der Herzberger Esperantisten wie die Ausbildung von Sprachlehrern. Das Centro ist Prüfungsstelle des Deutschen Esperanto-Instituts und organisiert europäische Sprachprüfungen (KER).

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