Von Preiss’ Anzeiger bis zum HarzKurier

Herzberg  HGV-Vorsitzender Eberhard Bruns hielt Vortrag über das Zeitungswesen in Herzberg und im Kreis Osterode.

Einen weiten historischen Bogen spannte Eberhard Bruns, der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Herzberg, in seinem Vortrag über das Zeitungswesen in Herzberg und im Kreis Osterode. Er begann seinen Vortrag mit sogenannten Einblattdrucken im ausgehenden 16. Jahrhundert, die schon zeitungsähnliche Veröffentlichungen waren, und schloss im Jahr 2008, als die Herstellung des HarzKurier nach Braunschweig verlagert wurde. Der Referent hatte sehr viele Daten und Material zusammengetragen.

„Von den Nazis wurde die Einstellung der meisten Lokalzeitungen erzwungen.“
Eberhard Bruns, HGV-Vorsitzender, in seinem Vortrag

Hintergrund und Ursprung der Zeitung seien mündliche oder schriftliche Berichte gewesen. Für eine rasche Verteilung von Informationen und Nachrichten sorgte dann die Erfindung des Buchdruckes, erläuterte Bruns. Die erste Zeitung im heutigen Sinne habe der Konstanzer Buchdrucker Nikolaus Kalt im Jahr 1599 herausgegeben, sie erschien einmal wöchentlich. In den Jahren nach der Revolution von 1848 kam es in Folge der erstmals gewährten Pressefreiheit zu viele Zeitungsgründungen in Deutschland. Im Jahre 1848 begann auch die Geschichte des Zeitungswesens in Herzberg.

„Anzeiger für den Flecken Herzberg“

Im Alter von 23 Jahren begann Gustav Friedrich Preiss am 1. April 1848 mit seiner Steindruckerei. Sie war ansässig in der heutigen Hauptstraße 12. Der „Anzeiger für den Flecken Herzberg“ wurde dort herausgegeben. Schon vier Jahre später wurde das Verbreitungsgebiet vergrößert, dann mit dem Titel: „Anzeiger für das Fürstentum Grubenhagen“.

Im Jahr 1888 verstarb der Zeitungsgründer Preiss. Seine Söhne Karl und Alfred führten das Unternehmen weiter. Die Zeitung erschien dann unter der Bezeichnung „Kreis-Zeitung, Anzeiger für das Fürstentum Grubenhagen“. Nach dem Tod von Karl und Alfred Preiss übernahm die Enkelin die Druckerei, welche nun als „Herzberger Kreis-Zeitung“ herausgegeben wurde.

Im Jahr 1938 trat Erwin Jungfer seine Stellung als Schriftleiter bei der Herzberger Kreis-Zeitung der Familie Preiss/Antrup an. Schon kurz nach Kriegsbeginn im September 1939 erlitt Jungfer eine Kriegsverletztung und wurde für dienstuntauglich erklärt. Er kehrte wieder in die Heimat zurück.

Von den Nazis wurde die Einstellung der meisten Lokalzeitungen in Deutschland erzwungen, im Landkreis Osterode waren mehrere Blätter davon betroffen: Das Bad Lauterberger Tageblatt, die Herzberger Kreiszeitung sowie die Osteroder Kreiszeitung. Die 1931 gegründete und im Kreisgebiet vertriebene „Südhannoversche Zeitung“ war dagegen ein reines Propaganda-Blatt der NSDAP und hielt ihre Leser bis April 1945 mit Durchhalteparolen bei der Stange.

Bereits unmittelbar nach Kriegsende im Spätsommer 1945 war der Ruf nach den alten Heimatzeitungen in ganz Deutschland zu hören. Auch die Zeitungsverlegerfamilie Antrup-Preiss wollte dem Wunsch der Herzberger Bevölkerung nachkommen und wieder eine Zeitung auf den Markt bringen.

Erwin Jungfer pachtete die Druckerei der Familie Antrup

Schriftsetzermeister Wilhelm Voß machte sich allein an die Arbeit. Er erhielt aber bald Unterstützung von Schriftleiter Hanns Keller. Wegen der Kriegsfolgen und des fehlenden Materials war dies nicht einfach. Aufgrund der familiären Situation entschloss sich die Familie Antrup die Druckerei und den Verlag zu verpachten. Davon erfuhr Erwin Jungfer. Er führte Verhandlungen mit Elly Antrup. Das Ergebnis: Erwin Jungfer pachtete ab dem 1. Februar 1950 Druckerei und Verlag der Herzberger Kreis-Zeitung. Mit einer Stammmannschaft gab Jungfer am 1.Februar 1950 die erste Ausgabe der „Herzberger Kreis-Zeitung – Herzberger Tageblatt“ heraus.

Kreis-Zeitung mit einer Auflage von 1500 Exemplaren

Die Herzberger Kreis-Zeitung erschien trotz widriger Umstände regelmäßig, zunächst mit acht Seiten – zwei Lokalseiten und einem überregionalen Teil – in einer Auflage von 1 500 Exemplaren. Der Bezugspreis war 2,50 DM, zuzüglich 40 Pfennig Trägerlohn. Neben Herzberg fand das Blatt weitere Verbreitung in den Nachbarorten Lonau, Sieber, Pöhlde, Scharzfeld, Hattorf, Elbingerode, und Hörden. In diese Orte wurde die Zeitung mit Bahn, Bus oder Milchwagen ausgeliefert.

Der Sohn von Marianne und Erwin Jungfer, Siegfried Jungfer, begann sein Wirken bei der Zeitung im Sommer 1954 als Anzeigenberater, Abonnentenwerber, Drucksachenverkäufer und an der Druckmaschine – je nachdem wie und wo Arbeit anfiel.

Leistungsstärkere Druckmaschine

Die Auflage der Zeitung stieg stetig an, mit ihr auch die Anzeigen aus Handel und Gewerbe. Siegfried Jungfer drängte seinen Vater, eine leistungsstärkere Druckmaschine zu kaufen, und der willigte schließlich ein. Von einem Northeimer Zeitungsverleger erwarb man eine gebrauchte Buchdruck-Rotationsdruckmaschine.

Siegfried Jungfer demontierte mit einem Monteur die Maschine und brachte sie nach Herzberg. Er musste sie aber selbst montieren und in Betrieb nehmen.

Am 15. März 1957 trat ein weiterer Mitarbeiter in den Dienst der Familie Jungfer ein, Adolf Bischof, auch bekannt unter dem Pseudonym „Adolar“. Er sollte einen nicht geringen Anteil an der Akzeptanz der Zeitung haben, mit flotter Feder, handwerklichem Geschick, großer Loyalität verbunden mit Ausdauer. Ab dem 1. Januar 1959 wurde die Zeitung umbenannt in „Herzberger Zeitung“ und erschien erstmals im Vierfarbdruck. Im Jahr 1961 kaufte Erwin Jungfer die Zeitung von Witwe Elly Antrup. Das Druck- und Verlagshaus ging mit der Zeit, die Druckmaschinen wurden immer leistungsfähiger und schneller. Das Unternehmen entwickelte sich von einer kleinen Zeitungs- und Akzidenzdruckerei zu einer der führenden Rollenoffsetdruckereien des Landes.

Der „Harz Kurier“ erschien erstmals am 2. Februar 1970

Am 2. Februar 1970 wurde ein neues Zeitungskind aus der Taufe gehoben: Der „HarzKurier“. 1972 bzw. 1974 wurde der Ausbau des Harz Kurier zur Kreiszeitung mit der Herausgabe der Bad Lauterberger Zeitung und der Übernahme der Bad Sachsaer Nachrichten fortgeführt. Seit 1997 ist er alleinige Tageszeitung im Landkreis Osterode. Osteroder Kreisanzeiger und Bad Lauterberger Tagesblatt stellten ihr Erscheinen ein.

Ab 1997 konnte der Harz Kurier auf den ersten Seiten farbige Bilder und farbige Anzeigen veröffentlichen.

GUSTAV F. PREISS

Der Herzberger Zeitungspionier Gustav Friedrich Preiss wurde am 19. Mai 1825 geboren. Er war bei der Gründung seiner Druckerei erst knapp 23 Jahre alt.

Dank des Ansehens, dass die Familie des jungen Mannes beim Herzberger Fleckensrat genoss, erhielt er eine Konzession für eine Steindruckerei und zur Herausgabe eines Lokalblattes, des „Anzeiger“.

Im April 1998 feierte der Harz Kurier die Pressetradition im Landkreis: 150 Jahre Heimatzeitung – ein Drittel dieser Zeit unter der Regie der Familie Jungfer. ey

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder