Südharz: Harter Lockdown wird klar befürwortet

Bad Sachsa.  Unsere Redaktion hat einige Einwohner in Bad Sachsa und Walkenried zur Lage in der Corona-Krise befragt.

Ab dem 16. Dezember gelten die neuen verschärften Regeln zur Eindämmung des Coronavirus in ganz Deutschland.

Ab dem 16. Dezember gelten die neuen verschärften Regeln zur Eindämmung des Coronavirus in ganz Deutschland.

Foto: Swen Pförtner / dpa

Es ist beschlossen: ab dem 16. Dezember 2020 tritt deutschlandweit erneut ein harter Lockdown in Kraft, der wie bereits im Frühjahr diesen Jahres das öffentliche Leben und vor allem die Kontakte auf ein Minimum reduzieren soll. Unsere Redaktion hat sich bei einigen Einwohnern im Stadtgebiet von Bad Sachsa und in der Gemeinde Walkenried umgehört, wie sie aktuell durch die Krise kommen. Die Fragen lauten: 1. Wie geht es Ihnen derzeit? 2. Wie empfanden Sie den Teil-Lockdown? 3. Sind Sie für härtere Maßnahmen?

Rainer Hattenhauer, Lehrer und Fachbuchautor, Bad Sachsa:

1. Den Umständen entsprechend gut, obwohl es schon ein mulmiges Gefühl ist, tagtäglich mit dutzenden von potenziellen Virenschleudern in mehr oder weniger engen Räumen zu sitzen. Aber wir haben recht gut vorgesorgt: Die Räumlichkeiten lassen sich prima lüften, und unsere Fachgruppe hat für den Fachraum Physik einen Luftreiniger angeschafft, der auch jenseits der Stoßlüftungsphasen die Aerosole – so gut es geht – herausfiltert. Masken im Unterricht sind mittlerweile obligatorisch.

2. Teil-Lockdown? War da was? Nein, ernsthaft: Er hätte funktionieren können, wenn einige wenige Menschen nicht auf Biegen und Brechen die gesetzten Grenzen ausgetestet und teilweise überschritten hätten – frei nach dem Motto: „Das ist ja wohl mein gutes Recht!“ Die so genannten Querdenker, die sich mittlerweile sogar zu Widerstandskämpfern hochstilisieren, leisten der Gesellschaft einen gewaltigen Bärendienst. Unvergesslich für mich sind die Bilder aus Hildburghausen von Menschenmassen, die singend dicht an dicht gedrängt und ohne Maske gegen die Maßnahmen protestierten – in einem Kreis mit einem damaligen Inzidenzwert von über 400!

3. Ja. Für mich ist es beängstigend zu sehen, wie viele Menschen entgegen der Ermahnungen und Warnungen der Experten sehenden Auges ins Unheil rennen und stattdessen zwielichtigen, selbsternannten Gurus auf YouTube oder in Telegram-Gruppen blind Glauben schenken. Diesbezüglich erhellend ist ein Beitrag der Satiresendung „heute Show“ über Prof. Dr. Christian Drosten. Der Virologe hatte bereits im April des Jahres in einem Interview nahezu exakt den Verlauf des Pandemiegeschehens im Herbst/Winter vorhergesagt hat (Link: https://youtu.be/eTB39Gc4v_I?t=213). So traurig es ist: Offenbar müssen die Menschen in unserem Land zu ihrem Glück gezwungen werden, um weiteren großen Schaden abzuwenden – wenn es dafür nicht schon zu spät ist. Die Freiheit des Einzelnen muss in diesem Fall dem Wohl der Gemeinschaft untergeordnet werden.

Wolfgang Buckmann, Rentner, Bad Sachsa:

1. Ich fühle mich zwar sehr eingeschränkt durch die allgemeinen Maßnahmen, habe aber in meiner Frau eine sehr gute Partnerin, mit der diese Zeit hoffentlich gut überstanden wird.

2. Es wird ein Weihnachtsfest und einen Rutsch ins neue Jahr mit bisher nicht gekannter Einsamkeit geben.

3. Ja, man hat nur ein Leben und da sollte man schon von seinen Mitmenschen etwas Verständnis für die Schutzmaßnahmen erwarten. Wer die Maßnahmen absolut nicht achten will, der sollte schon zu spüren bekommen, dass in einer Gemeinschaft nicht nur genommen werden kann.

Nicko Kratzin, Ortsbrandmeister, Neuhof:

1. Mir geht es gesundheitlich gut. Die anhaltende Situation und die ständigen Maßnahmenänderungen schlagen mir jedoch langsam aufs Gemüt. Das schlechte Wetter und die dunkle Jahreszeit tragen auch dazu bei.

2. Der Teillockdown schränkt mich nur bedingt ein. Jedoch fehlen mir die sozialen Kontakte sehr.

3. Die Antwort auf diese Frage hat uns die Bundesregierung bereits vorweggenommen. Angesichts der steigenden Fallzahlen wird der anstehende Lockdown wohl die richtige Entscheidung sein. Ich persönlich hoffe, dass der daraus resultierende volkswirtschaftliche Schaden nicht allzu groß ausfallen wird. Der Erfolg dieser Maßnahme wird sich nur zeigen, wenn alle mitmachen. Hoffentlich bleibt uns dann ein weiterer Lockdown erspart.

Thomas Mähnert, Bundesvorsitzender Johanniter-Unfall-Hilfe, Bad Sachsa

1. Es geht mir gut und ich bin sehr dankbar, dass meine Familie und ich bislang gut und gesund durch die Pandemie gekommen sind.

2. Natürlich müssen wir alle mit den aktuellen Einschränkungen und Besonderheiten leben lernen und mir tun diejenigen ganz besonders leid, die derzeit berechtigte Angst um ihre Existenz haben. Aber ich sehe keine Alternativen wenn es uns darum geht, Menschenleben zu schützen. Insofern kann es für mich überhaupt keinen Zweifel daran geben, dass diese Einschränkungen für unser aller Wohl und insbesondere für die Menschen, die uns am Herzen liegen, gut und notwendig sind.

3. Das haben wir alle komplett selbst in der Hand, das muss uns klar sein. Wenn wir uns alle vernünftig verhalten würden, müsste niemand über härtere Maßnahmen nachdenken. Aber leider verhalten sich Menschen ganz oft nicht vernünftig und das Problem dabei ist, dass sie dadurch Risiken ganz bewusst in Kauf nehmen, die nicht nur sie selbst, sondern leider andere Menschen betreffen, die dann überhaupt keine Chance haben, sich dagegen zu schützen. Und daher sind solche Maßnahmen im Zweifel notwendig, um diese Menschen zu schützen. Und ich habe jeden Tag sehr großen Respekt vor den Menschen, die solche Entscheidung treffen müssen, ohne in dem Augenblick, in dem sie dieses tun, die Zukunft vorhersehen zu können. Hinterher ist es immer leicht ein Urteil zu fällen, was man im Nachhinein hätte besser machen können. Ich sage dabei immer gerne, samstagabends kenne ich auch die Lottozahlen, aber leider habe ich es noch nie geschafft, sechs Richtige anzukreuzen.

Isabelle Ehrhardt, Sozialpädagogin, Wieda:

1. Gut, aber ich habe auch Angst, da die Infektionszahlen bei uns in der Gemeinde so stark ansteigen.

2. Die Politik hat versucht, durch geringere Einschränkungen, die Infektionszahlen zu reduzieren. Leider hat dies nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Ich habe mir davon mehr versprochen, hätte aber auch nicht gedacht, dass die Zahlen bundesweit soweit in die Höhe gehen.

3. Auf jeden Fall, ansonsten werden wir noch viele Monate mit den starken Einschränkungen leben müssen.

Heiko Pollmeier, Vorsitzender TV Friesen, Walkenried:

1. Mir geht es recht gut, trotz einer 2. Tumor-OP im Juni diesen Jahres. Ich kann und will mich nicht beklagen, da es Menschen gibt, denen es wesentlich schlechter geht als mir. Vermutlich war ich auch Anfang des Jahres selber an Corona erkrankt.

2. Ich halte den Lockdown für unbedingt notwendig; auch, wenn ich als Vorsitzender eines Sportvereins natürlich gewisse Probleme sehe. Wir haben nach dem ersten Lockdown keine Ausgaben und Mühen gescheut, um Maßnahmen zu ergreifen, die unseren Mitgliedern den Sport wieder ermöglichen können. Gerade die Kinder brauchen die Bewegung und die sozialen Kontakte mehr als alle anderen. Momentan sind uns leider die Hände gebunden, da nur Individualsport erlaubt ist und wir keinerlei öffentlichen Vereinsangebote anbieten dürfen. Zudem sind die Sporthallen gesperrt. Trotzdem halten unsere Übungsleiter den Kontakt zu den Mitgliedern aufrecht. Dazu bieten wir bereits seit längerem Fitnessübungen per Videokonferenz an. Interessierte wenden sich dazu bitte an den Verein.

3. Ich kann nicht sagen, ob noch härtere Maßnahmen notwendig sind; dazu fehlt mir die Sachkenntnis. Zudem wird man durch die vollkommen unterschiedliche Berichterstattung, vor allem in den sozialen Medien, immer mehr verunsichert. Hier muss man ganz genau hinsehen, wer was aus welchem Grund berichtet. Meiner Meinung nach müsste es allerdings bundesweit eine einheitliche Handlungsweise geben.

Wolfgang Balogh, Malermeister, Neuhof:

1. Mir geht es zurzeit noch sehr gut. 2. Der Teil-Lockdown ist meiner Meinung nach nicht ausreichend, es sollte so schnell wie möglich ein Total-Lockdown eingeführt werden. Dieser sollte so lange dauern, bis die Zahlen wirklich wesentlich runter gegangen sind. Wir können auch einmal einen Winter auf Skifahren und auf die Weihnachtsbesuche verzichten und dieses nach der Pandemie nachholen.

Rüdiger Henze, Projektmanager für medizinische Großgeräte, Steina:

1. Mir geht es im Augenblick gut. Natürlich fehlen mir, wie allen anderen Menschen auch, die sozialen Kontakte. Persönlich bin ich aber traurig, dass die Dorfstube Steina, die durch sehr viel ehrenamtliches Engagement entstanden, ist im Moment nicht als „kommunikativer Treffpunkt für Menschen“ genutzt werden kann. Ich freue mich allerdings auf die Zeit nach Corona, auch wenn das sicherlich noch einige Monate dauern dürfte. Beruflich musste ich mich unter Corona nicht groß umstellen, da ich bereits seit 1999 aus dem Homeoffice heraus arbeite, wenngleich sich das Arbeitsumfeld natürlich verändert hat.

2. Ich habe mich mit den dadurch verbundenen Einschränkungen ganz gut arrangiert. Allerdings stehe ich einzelnen Beschränkungen sehr kritisch gegenüber, weil diese teilweise sehr widersprüchlich zueinander sind. Insgesamt sehe ich aber eine Notwendigkeit dafür, um die Infektionszahlen zu kontrollieren.

3. Die Maßnahmen des Teil-Lockdown haben es geschafft die Infektionszahlen auf einem (zu hohen) Plateau zu halten. Allerdings konnte das Infektionsgeschehen nicht, wie eigentlich gedacht, reduziert werden. Ich halte es leider für unabdingbar, den Lockdown auszuweiten, um von den hohen Infektionszahlen herunter zu kommen. Meiner Meinung nach sind wir gesellschaftlich insbesondere dem Schutz unserer älteren Mitmenschen und anderer Risikogruppen gegenüber verpflichtet! Ich würde mir wünschen, dass das regionale Infektionsgeschehen dabei so weit wie möglich Berücksichtigung finden wird, ohne dabei in einen „Flickenteppich der Maßnahmen“ zu verfallen. Den Entscheidungsträgern wünsche ich dabei ein glückliches Händchen, den Spagat zwischen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Interessen hinzubekommen. Und ich wünsche mir, dass ein Weihnachtsfest im Kreise der Familie möglich sein wird.

Günter Dingfeld, Leiter Dokumentation und Werbung, Bad Sachsa:

1. Mir und meiner Familie geht es gut. Wir sind aber in den ländlichen Regionen sicher auch privilegiert und können gut ausweichen. Alles was aktuell ist, kommt nicht überraschend, so können und konnten wir uns auf manches vorbereiten. Ich habe mir z.B. einige längst fällige Arbeiten im und am Haus vorgenommen, die helfen Zeiträume zu überbrücken.

2./3. Ich halte den Lockdown für richtig und kann damit Leben. Wir müssen halt Verzicht leisten und können das sicher vielfach auch. Ich finde das einfacher, als sich mit dem Verlust von Angehörigen oder deren schwerer Erkrankung auseinandersetzen zu müssen. Verantwortung zu übernehmen bedeutet auch für jeden Einzelnen, das auch zu tun. Nicht davon zu reden, wer alles was machen müsste und wer welche Fehler macht. Ich habe großen Respekt vor Menschen, die zum Wohle der Menschen, für die sie verantwortlich sind, kluge Entscheidungen treffen. Das ist nicht immer einfach und verbietet eine vorschnelle Verurteilung aus der Ferne ohne für Konsequenzen verantwortlich zu sein. Ich erlebe das beispielsweise im positiven Sinne bei meinem Arbeitgeber, was verantwortliches Handeln bedeutet. So also halte ich die harten Maßnahmen für verantwortungsvoll und notwendig. Dabei bin ich mir im Klaren darüber, dass es nicht für alle einfach ist und ganz bestimmt echt harte Situationen gibt. Unsere vorausgegangene Generation hat sowas in anderer Form erlebt und ganz bestimmt unter noch schwierigeren Bedingungen weitergemacht.

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