Kurhaus Wieda: Verkauf gestoppt, Förderung wird geprüft

Wieda.  Bis Ende 2020 muss eine Unbedenklichkeitserklärung zur Elektrik vorliegen – sonst darf das Kurhaus nicht mehr als Versammlungsstätte genutzt werden.

Das Kurhaus in Wieda muss dringend saniert werden, damit es weiter für die Öffentlichkeit genutzt werden kann. 

Das Kurhaus in Wieda muss dringend saniert werden, damit es weiter für die Öffentlichkeit genutzt werden kann. 

Foto: Thorsten Berthold / HK

Die Verkaufsbemühungen bzw. Diskussionen für das Kurhaus in Wieda sind vorerst gestoppt – allerdings nur, bis seitens der Verwaltung mögliche Förderoptionen für die Sanierung des Gebäudes geprüft wurden. So hat es der Gemeinderat Walkenried in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich beschlossen. Ausgangspunkt war dabei ein Antrag des Ortsrates Wieda, den Verkauf sofort und generell zu beenden . Nach kurzer Diskussion wurde dieser aber noch einmal modifiziert, eben um den Zusatz, dass mögliche Förderoptionen noch einmal beleuchtet werden sollten.

Doch auch wenn der Verkauf vorerst gestoppt ist, die Nutzung des Gebäudes als Versammlungsstätte läuft am 31. Dezember dieses Jahres aus – es sei denn, die notwendigen Sanierungsarbeiten im Bereich der Elektrik in Höhe von 150.000 Euro werden erledigt.

Ortsrat ist mehrheitlich gegen den Verkauf

Ratsherr Klaus-Erwin Gröger , der zugleich auch Mitglied des Ortsrates Wieda ist, stellte den einstimmigen Antrag – von dem sich später, wie unserer Zeitung zwischenzeitlich bekannt ist, ein Ortsratmitglied distanzierte – zunächst bei der Sitzung vor. Der Verkauf von Gemeinde-Eigentum – in diesem Fall des Kurhauses in Wieda – sei möglich, wenn es etwa wirtschaftliche Gründe gebe. Diese seien bislang weder über einen Plan oder eine Analyse ausgeführt worden. Zudem habe sich der Ortsrat selbst mehrfach in diesem und dem Vorjahr klar gegen einen Verkauf ausgesprochen .

In dem Antrag wird auch thematisiert, dass eine wirtschaftliche Entwicklung der Kommune nur im touristischen Bereich erfolgen könne, dort aber bislang keine Initiative ergriffen wurde. In Wieda könnte dies konkret über die Ferienwohnanlage am Kuckuck erfolgen, deren Planung bereits im Jahr 2016 auf den Weg gebracht worden sei.

Im Antrag betont der Ortsrat aber auch, dass die im Januar dieses Jahres beschlossene Werbung für dieses Feriendorf bislang noch nicht erfolgt sei – es aber trotzdem bereits Interessenten gebe. „Genau zu diesem Zeitpunkt wäre es nicht nachvollziehbar, örtliche Infrastruktur weiter abzubauen“, heißt es in dem Schreiben.

Pandemie ist weiteres Thema

Aber auch aufgrund der Corona-Pandemie sei es wichtiger denn je, Versammlungsstätten in einer gewissen Größe vorzuhalten. In Wieda gebe es neben dem Kurhaus keine andere Räumlichkeit für Versammlungen mit 10 bis 15 Personen unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln . „Da nicht absehbar ist, dass die Pandemie mittelbar beherrschbar sein wird, ist die Gemeinde auch aus diesem Grund gut beraten, in den Ortsteilen entsprechende Einrichtungen vorzuhalten“, heißt es abschließend in dem Antrag, der auf der Sitzung des Gemeinderates vorgestellt wurde.

Neben diesen Forderungen verwies Gröger darauf, dass der Ortsrat Chancen sieht, das Kurhaus „trotz der hohen Betriebskosten wieder aufleben lassen zu können“.

Wirtschaftlichkeit prüfen

Vor allem hätten sie Kenntnis über Fördermittel , die in Kombination mit dem Einbringen der Vereine und Eigenleistungen dafür sorgen könnten, dass damit das Gebäude saniert werden könne.

Er forderte die Verwaltung daher dazu auf, dass erst diese Optionen geprüft werden müssten. Zudem gelte es, die Wirtschaftlichkeit des Hauses zu prüfen und einzubeziehen, dass in den vergangenen Jahren eine halbe Million Euro für Sanierungen (Dach, Heizung) aufgebracht worden sei.

Christopher Wagne r, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters , erklärte bereits am Abend der Sitzung, dass alle Ratsmitglieder die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde kennen würden, mehr gebe es über die Wirtschaftlichkeit nicht zu wissen. Im Nachgang verweist er darauf, dass der Ortsrat der Verwaltung die möglichen Förderoptionen weder im Vorfeld noch am Tag der Sitzung genannt habe. „Ich kann mir zwar denken, in welche Richtung es gehen kann, doch diese erscheint uns als Verwaltung unrealistisch.“

Zeit läuft langsam ab

Losgelöst von allen Planungen läuft die Zeit für das Kurhaus Wieda als Versammlungsstätte langsam aber sicher ab. Bis zum 31. Dezember 2020 muss eine Unbedenklichkeitserklärung eines Sachverständigen vorliegen – und damit einhergehend auch die ebenfalls seit vielen Monaten diskutieren Sanierung der maroden Elektrik, deren Kosten mit 150.000 Euro beziffert werden , erfolgt sein.

Geschieht dies nicht, „wäre der Betrieb des Kurhauses als Versammlungsstätte vorläufig nicht mehr möglich“, erklärt Ulrich Lottmann, Pressesprecher des Landkreises Göttingen , auf Nachfrage unserer Zeitung.

Mängel müssen beseitigt werden

Die Nutzungserlaubnis wäre damit aber nur ausgesetzt, nicht erloschen. „Sie lebt jederzeit, unverzüglich und ohne erneuten Antrag auf, sobald die Unbedenklichkeitserklärung eines Sachverständigen vorliegt. Dies bedarf jedoch der vollständigen Beseitigung der bekannten Mängel ; eine erneute Begutachtung durch die Untere Bauaufsichtsbehörde ist nicht erforderlich. Diese überprüft nach Wiederaufnahme des Betriebes die Versammlungsstätte weiterhin in regelmäßigen Abständen von etwa drei Jahren“, verdeutlicht Lottmann.

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