37 Tafeln erläutern die Geschichte alter Häuser

Tettenborn.  Mit Hilfe von Tafeln wird in Tettenborn die Historie alter Gebäude erläutert. Für September ist ein Rundgang geplant.

Eine der Häuserchronik-Tafeln, die gut sichtbar in Tettenborn hängen. Sie klären über die Geschichte der Gebäude auf.

Eine der Häuserchronik-Tafeln, die gut sichtbar in Tettenborn hängen. Sie klären über die Geschichte der Gebäude auf.

Foto: Thorsten Berthold / HK

Wer aufmerksam durch Tettenborn geht, dem fallen sie auf: Schilder mit Fotos und Text an verschiedenen Gebäuden. „Häuser erzählen Geschichte“ heißt das Projekt, für das sich Ortschronist Burkhard Schmidt eingesetzt hat. Er hat unter anderem die Hintergründe zu den einzelnen Häusern recherchiert. Das Projekt der historischen Gebäudetafeln wird finanziell aus dem „Dorfbudget“ des Landkreises Göttingen unterstützt.

„Bereits 2016 kam unser Ortsbürgermeister Olaf Levin mit einer Idee auf mich zu. Er hätte im Urlaub Tafeln an Häusern gesehen, auf denen die Geschichte der Häuser wiedergegeben wurde. Auch ich hatte diese Idee bereits verfolgt und konnte ein Konzept mit weiteren Informationen über die darin wohnenden Menschengenerationen aus der Schublade ziehen“, berichtet Burkhard Schmidt vom Beginn des Vorhabens. Als Ortschronist und Ortsheimatpfleger stellte er eine Liste der in Frage kommenden Häuser zusammen und stimmte diese mit dem Ortsbürgermeister ab.

„Historische Bauwerke – in welcher Form auch immer – sind ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes eines Dorfes“, sagt Schmidt. Ein sensibler und verantwortungsbewusster Umgang damit sollte daher im öffentlichen Interesse der Gemeinde liegen.

Viele Akten wurden vernichtet

Nun ging es an die Recherche von sehr alten Gebäude-Unterlagen. Schmidt: „Leider wurden bei der Eingemeindung der Sachsaer Dörfer, unter anderem auch von Tettenborn, fast der gesamte Bestand der Gemeindeakten vernichtet, und somit gab es kaum Zugriff auf Bauunterlagen, ehemalige Steuerlisten oder Einwohnermeldelisten und Ähnlichem vom Dorf und Tettenborn-Kolonie beziehungsweise Bahnhof. Vereinzelt konnte ich noch Unterlagen in den Thüringer Staatsarchiven finden.“

Doch es gab noch Hoffnungen: „Dank eines Zufalls konnte ich, zumindest für das ehemalige Rittergut Tettenborn, das Gutsarchiv vor der Vernichtung durch Jugendliche, welche sich in dem leerstehenden Haus des letzten Gutsbesitzer aufhielten, retten.“ Und vielleicht verfügten die Bewohner der geschichtsträchtigen Häuser noch über alte Unterlagen und Fotos?

Burkhard Schmidt berichtet weiter: „Gemeinsam setzte ich mich dann mit den Bewohnern über die Aktenordner und suchte nach Hinweisen auf die früheren Hausbewohner, deren Berufe, des Kaufs und Verkaufs des Grundstücks. Die wichtigen Hinweise wurden herausgeschrieben oder man stellte mir die Unterlagen zum Einscannen zur Verfügung, teilweise bekam ich die alten Unterlagen auch für immer überlassen.“

Und dann sollten die Tafeln mit den Häuserchroniken mit Fotos versehen werden. „Hier wurden dann teilweise die ,berüchtigten’ Schuhkartons hervorgeholt und nach alten Fotos von Familien oder der Häuser gesucht.“ Zusätzlich konnte der Ortschronist auf sein eigenes, umfangreiches Fotoarchiv zurückgreifen. Dieses beinhaltet mehr als 5.000 Bilder aus den zurückliegenden 120 Jahren, die er in den letzten 25 Jahren gesammelt hatte. „Mit dem nötigen Grundgerüst von Fakten und Fotos konnte nun mit der grafischen Darstellung der Tafeln begonnen werden.“

„Mancher Hausbesitzer war dann auch überrascht, was bei den Recherchen herauskam. So gibt es ein ehemaliges bäuerliches Anwesen, welches einmal dem Grafen zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein gehörte“, gibt Schmidt ein Beispiel. „Ebenfalls konnte man den oft in Chroniken genannten südlichen Hof des Rittergutes lokalisieren – ein weiteres Anwesen der ehemaligen Tettenborner Adelsfamilie, welches nur als die Finkenburg bekannt war.“

Handwerker und Bewohner helfen

Das Projekt war inzwischen auf 37 Tafeln herangewachsenen, ehe es ans Praktische ging: „Wir wurden von örtlichen Handwerkern unterstützt, welche die Holztafeln zuschnitten. Andere wiederum schnitten und bogen Regenwinkel. Die Stadt stellte Lochsteine für Rohre zur Verfügung, an welche die Tafeln später befestigt werden sollten. Zwischenzeitlich verwandelte sich meine Garage zur Lackierwerkstatt, in der die Holztafeln gestrichen wurden, und in der Holzwerkstatt wurden die Tafeln zusammengebaut, vorgebohrt und teilweise mit Haltern befestigt“, berichtet Burkhard Schmidt. Beim Anbringen der Tafeln gab es häufig Unterstützung der Hausbewohner.

Zusätzlich wurden zwei Schaukästen im Dorf aufgebaut, in dem die Ortspläne mit den Historischen Häusern aufgehangen wurden. „Zwischenzeitlich ist die Nachfrage im Dorf so groß, dass viele Einwohner eine solche Tafel am Haus haben möchte“, bemerkt der Ortsheimatpfleger. „Das Problem sind letztlich die Zeitdaten und die alten Fotos, die das Ensemble auf der Tafel darstellen sollen.“

Abschließend sagt Burkhard Schmidt: „Mit dem Anbringen der Tafeln soll nicht ein Schlussstrich unter das Projekt gesetzt werden. Der nächste Schritt ist ein Ortsspaziergang durch das Dorf, um noch das eine oder andere erklärende Wort zu den Tafeln abzugeben und als weiteren Schritt einen Flyer oder eine kleine Broschüre über die Häuser abzugeben.“ Der Rundgang durch Tettenborn zu allen 37 Tafeln soll vermutlich im September diesen Jahres stattfinden. son

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder