Vor 75 Jahren: Wie Bad Sachsa in den Westen kam

Bad Sachsa.  Das Grenzlandmuseum Bad Sachsa hat neue Erkenntnisse zum Gebietstausch gewonnen und wird diese erstmals aufzeigen.

Symbolische Karte für den Gebietstausch im Jahr 1945, in der Bad Sachsa vom Osten in den Westen kam.

Symbolische Karte für den Gebietstausch im Jahr 1945, in der Bad Sachsa vom Osten in den Westen kam.

Foto: Uwe Oberdiek / Grenzlandmuseum Bad Sachsa

Vor 75 Jahren, genau am 23. Juli 1945, ereignete sich ein Gebietsaustausch zwischen der damaligen Britischen und Sowjetischen Besatzungszone, der ganz wesentlich in die Geschicke und Geschichte der davon betroffenen Gemeinden, Städte und Gebietskörperschaften eingriff. Wie genau Bad Sachsa von diesem Deal betroffen konnte Uwe Oberdiek, Vorsitzender des Fördervereins Grenzlandmuseum Bad Sachsa bei einem Besuch im Nationalarchiv in London herausfinden. Die neuen Erkenntnisse lassen einen Schluss zu, der 23. Juli ist so etwas wie ein zweiter Geburtstag für Bad Sachsa.

Zur Historie: Der größere, östliche Teil des ehemals braunschweigischen Landkreises Blankenburg wurde durch den Tausch vor 75 Jahren aus der Britischen Zone in die Sowjetische abgetreten und die zum ehemaligen Landkreis Hohenstein/Nordhausen zugehörende Stadt Bad Sachsa sowie die Landgemeinde Tettenborn aus der Sowjetischen in die Britische Zone übergeben.

23.000 Menschen vom Tausch betroffen

Mit dem Tag des Gebietsaustauschs begann für die betroffenen Gebiete, vor allen Dingen aber für die davon betroffenen rund 23.000 Menschen, die Geschichtsschreibung von neuem. Quasi über Nacht waren Verwaltungszugehörigkeiten, Versorgungswege, das bekannte Miteinander und zahlreiche Familienbanden gekappt und eine vollständige, alle Bereiche umfassende Neuorientierung erforderlich.

„In unserer nationalen Geschichte gibt es nur wenige vergleichbare Ereignisse, in denen dermaßen Betroffene vor solchen Herausforderungen standen. Zur damaligen Zeit gab es für die Menschen in den für den Austausch vorgesehenen Gebieten keine Möglichkeit, den Prozess zu beeinflussen oder ihn gar zu verhindern, ganz anders als vor 30 Jahren, als Menschen in Deutschland auf die Straßen gingen und die Wiedervereinigung mit friedlichen Mitteln erzwangen“, erläutert Uwe Oberdiek.

National-Archiv in London vor dem Lockdown besucht

1945 war Deutschland eine besiegte Nation und die Besatzungsmächte übten die Oberste Regierungsgewalt aus. Ihren Anordnungen war aufgrund des Kriegsrechtes Folge zu leisten und so mancher Akt hatte willkürliche Züge.

Maßgeblich waren in diesen Zusammenhängen oftmals die Intentionen der Besatzungsmächte. Bezüglich des Gebietsaustauschs im Harz gibt es dazu neue Erkenntnisse, die Oberdiek bei seinem Besuch in London im März diesen Jahres kurz vor dem weltweiten Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie gewinnen konnte, die ein anderes Licht auf die Vorgänge werfen als bislang bekannt. „Viele der Dokumente, die ich sichten und fotografieren konnte, dürften in Deutschland völlig unbekannt sein“, beschreibt der Vereinsvorsitzende seine Erkenntnisse.

Diese Erkenntnisse will man seitens des Grenzlandmuseums am Donnerstag, den 23. Juli, ab 19 Uhr im Kursaal Bad Sachsa im Rahmen einer Veranstaltung unter dem Titel „Wie Bad Sachsa in den Westen kam“ aufzeigen. Auch die gewonnen Schriftstücke und Dokumente aus dem National Archive London werden an diesem Abend den Teilnehmerinnen und Teilnehmern präsentiert. Unterstützt wird die Veranstaltung von der Bad Sachsa Holding.

Interessierte werden gebeten, sich für die Teilnahme bis zum 10. Juli beim Grenzlandmuseum anzumelden. Die Veranstaltung findet als „Sitzveranstaltung“ unter den aktuellen Hygiene- und Schutzbestimmungen statt.

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