IT-Experte: So funktioniert die Corona-Warn-App

Bad Sachsa.  Dr. Rainer Hattenhauer aus Bad Sachsa hat die Corona-Warn-App und ihre technische Wirkungsweise analysiert. Das ist sein Fazit.

Mithilfe der App werden Bürger benachrichtigt, sollten sie sich in der Nähe eines am Coronavirus Erkrankten aufgehalten haben.

Mithilfe der App werden Bürger benachrichtigt, sollten sie sich in der Nähe eines am Coronavirus Erkrankten aufgehalten haben.

Foto: Michael Kappeler / dpa

Die einen begrüßen sie, die anderen verfluchen sie: Die neue Corona-Warn-App für Smartphones des Robert-Koch-Institutes polarisiert. Dr. Rainer Hattenhauer aus Bad Sachsa, IT-Experte, Autor zahlreicher Fachbücher rund um Computer und Technik, sowie Lehrer am Pädagogium Bad Sachsa hat für unsere Zeitung die App analysiert und versucht ihre Funktionsweise so zugänglich wie möglich zu erklären. Sein Fazit: Niemand müsse Angst haben um seine Daten, aber möglichst alle Smartphone-Besitzer sollten die Technik nutzen, um die Corona-Pandemie zu bekämpfen.

„Gehen wir vereinfachend davon aus, dass sich zwei Personen – nachfolgend Anton und Berta genannt - begegnen, die jeweils ein Handy mit aktivierter Corona-App mit sich führen. Erstes Ziel der App ist es, festzustellen, ob sich Anton und Berta für einen längeren Zeitraum (mindestens 15 Minuten) zu nahe gekommen sind (näher als 2 Meter) und somit zwischen den beiden ein erhöhtes Infektionsrisiko bestehen kann“, erläutert Dr. Rainer Hattenhauer.

Bluetooth-Technik erkennt andere Nutzer in der Nähe

Zur Ermittlung des Abstands zwischen den beiden werde die Bluetooth-Funktechnik eingesetzt, die in jedem aktuellen Handy verbaut sei. „Sie kennen den Effekt sicher aus der Erfahrung, dass der Kontakt zu einem per Bluetooth angebundenen Lautsprecher oder Kopfhörer abreißt, wenn man sich zu weit von diesem entfernt.“

Während der Zeitspanne der Annäherung tauschen die beiden Smartphones von Anton und Berta eine verschlüsselte Zahlenkombination – die so genannte ID – aus. Diese wird permanent geändert. Die getauschten IDs werden wechselseitig auf den Geräten gespeichert. „Man spricht in diesem Fall von einer dezentralen Lösung, weil an dieser Stelle noch kein zentraler Server zur Speicherung der Daten einbezogen wird.“

Positive Tests per App melden

Insgesamt entsteht durch unterschiedliche Begegnungen eine Ansammlung von IDs, die anonym via App zu einem anderen Zeitpunkt an ein zentrales Register übermittelt wird. „Wird nun beispielsweise Anton positiv getestet, so meldet er dies per Corona-App an das Zentralregister. Das Register schickt seinerseits eine Warnung an alle Kontakte, die sich für einen längeren Zeitraum in kritischer Entfernung zum positiven Probanden befanden. Für die benachrichtigten Personen empfiehlt es sich, ebenfalls einen Test auf SARS-CoV-2 durchführen zu lassen, um sich im Falle eines positiven Befundes sofort in Quarantäne zu begeben und die Infektionskette dadurch zu unterbrechen.“

Das beschriebene Verfahren mache es unmöglich, eine Lokalisierung beziehungsweise Zuordnung der an der Meldung beteiligten Personen vorzunehmen. „Es funktioniert wesentlich schneller als der bisherige Weg zur Meldung und Prüfung einer Infektionskette“, lautet das Fazit des Bad Sachsaers.

Weiterführende Informationen erhalten Interessierte hier: https://bit.ly/2YehwFZ. Die Corona-Warn-App ist für Iphones und Android-Smartphones kostenlos herunterladbar.

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