20 Tipps, wie Internet & Co. im Corona-Lockdown helfen

Bad Sachsa.  Der Bad Sachsaer IT-Experte Dr. Rainer Hattenhauer hat 20 Tipps zum digitalen Leben in Corona-Zeiten parat.

Selfie von Dr. Rainer Hattenhauer, Lehrer und Buchautor, beim Skypen. Er gibt hier Tipps zum digitalen Leben in Corona-Zeiten.

Selfie von Dr. Rainer Hattenhauer, Lehrer und Buchautor, beim Skypen. Er gibt hier Tipps zum digitalen Leben in Corona-Zeiten.

Foto: Rainer Hattenhauer / Privat

Geschlossene Geschäfte, Homeoffice, Kinderbetreuung – aufgrund der Corona-Krise ist das eigene Zuhause mehr denn je der Lebensmittelpunkt der Menschen geworden. Wie aber die Zwangspause sinnvoll nutzen, seine sozialen Kontakte pflegen oder aber schlicht und einfach eine Beschäftigung finden. Dr. Rainer Hattenhauer, Lehrer am Gymnasium Pädagogium in Bad Sachsa, IT-Experte und einer von Deutschlands beliebtesten Fachbuchautoren (Das Computerlexikon für Einsteiger, Informatik für Schule und Ausbildung, Computerspiele für Senioren) hat einige Tipps und Tricks zusammengestellt, um den Menschen insbesondere digital durch die Corona-Krise zu helfen.

Seine wichtigste Botschaft zuerst: „Die Lage ist ernst, das heißt die verordneten Regeln (Quarantäne, keine sozialen Kontakte) sind unbedingt einzuhalten. Wer es nicht glaubt, möge sich die Bilder aus der norditalienischen Region anschauen.“ Sein Appell geht daher insbesondere auch an die junge Generation. „Wie formulierte es @sham_jaf so schön auf Twitter: „Ich bin jung, deswegen juckt mich das Coronavirus nicht“ ist der Zwillingsbruder von „Ich bin alt, deswegen ist mir der Klimawandel egal“. Wir müssen zusammenhalten“, betont Dr. Rainer Hattenhauer ausdrücklich.

Warum es so wichtig ist, den sozialen Kontakt auf das absolute Minimum zu reduzieren zeigt seiner Ansicht eine Simulation, die unter folgendem Link zu finden ist (ganz unten auf der Seite): https://bit.ly/3a7cFdb.

Nicht verrückt machen lassen

Weiterhin sollten sich die Menschen nicht durch falsche Meldungen aus den sozialen Medien (WhatsApp, Facebook und Co.) nicht verrückt machen lassen mit Worten wie „harmlose, normale Grippe“. „Dort wird zum Teil gezielt Desinformation betrieben.“ Insofern rät er zu einem digitalen Faktencheck: https://bit.ly/2vHfP8Q.

Besser als sich durch Falschmeldungen ins Bockshorn jagen lassen: „Ab und zu mal beim Robert Koch Institut vorbeischauen für topaktuelle neue Meldungen @rki_de auf Twitter folgen.“ Die aktuellen Zahlen zur Infektion liefert die WHO per WhatsApp-Bot. Einfach die Nummer +41 798931892 in das Kontaktverzeichnis des Smartphones eintragen, per WhatsApp den Kontakt suchen, antippen und für einer ersten Kontaktaufnahme Hi eingeben.

Generell empfiehlt er in diesem Zusammenhang für empfindsame Menschen ein Nachrichten-Detoxing: Nicht rund um die Uhr den Fernseher laufen lassen und sich aufregen, sondern nur gezielt zwei- bis dreimal am Tag eine Nachrichtensendung schauen.

Lernplattform für Kinder

Für schulpflichtige, wissbegierige und gelangweilte Kinder hat er auch einen klaren Tipp: Lernplattformen nutzen. Die bekannte Plattform SimpleClub (https://simpleclub.com/de/) bietet aktuell im Zuge der Schulschließungen einen kostenlosen Zugang zu ihrer beliebten Lern-App (läuft auf allen wichtigen Plattformen) an.

Darüber hinaus stehen eine Vielzahl von SimpleClub-Videos auf YouTube kostenlos zur Verfügung. Auch Sofatutor (https://www.sofatutor.com/) springt in die Bresche und bietet einen 30-tägigen kostenlosen Zugang an. Viele Schulbuchverlage bieten aktuell ebenfalls kostenfreien Zugang zu ihren ansonsten kostenpflichtigen Onlinematerialien an.

Auch eine klare Meinung vertritt der IT-Experte zur Frage, ob Kinder in dieser Zeit Computerspiele spielen sollten: „Ja, falls diese mit pädagogischem Augenmaß ausgewählt werden.“ Auch einen Lesetipp herzu hat er parat: https://bit.ly/2J3qpKs.

Aber nicht nur Kinder, auch Erwachsene können die Corona-Krise nutzen, um die freie Zeit zur digitalen Fortbildung nutzen (z.B. Udemy, https://www.udemy.com). „Die Kurse unterliegen in der Regel meist Ausverkaufsbedingungen, das heißt, werden (bei geschicktem Timing des Kaufs) für etwa 10 Euro pro Kurs angeboten.

IT-Interessierte könnten sich zudem mit dem Thema Neuronale Netze/Künstliche Intelligenz beschäftigen. „Diese Techniken helfen momentan dabei, einen Corona- Impfstoff zu entwickeln.

Rechnerkapazität spenden

Auch das SETI@home-Projekt sucht nicht mehr Signale von Außerirdischen, sondern stellt seine Rechenkapazitäten in den Dienst der Virologen, die auf der Jagd nach dem Impfstoff sind. Wer selbst überflüssige Rechenkapazität zu Hause besitzt, darf sich gern anschließen: https://bit.ly/3dfHvm7.

Zum gemeinsamen Arbeiten böten sich laut dem Experten auch Kooperationen über Google Docs Plattformen an. „Google bietet direkt im eigenen Google Konto die Möglichkeit an, Dokumente gemeinsam zu bearbeiten Anlaufpunkt ist hier Google Drive bzw. Google Texte und Tabellen. Jeder, der ein Android Smartphone besitzt, verfügt bereits über ein solches Google Konto“, beschreibt er das Vorgehen.

Um den sozialen Kontakt beruflich wie privat in kontaktloser Zeit zu behalten, empfiehlt er Whats App und Skype. „Mittlerweile gehen Videotelefonate auch problemlos über WhatsApp, falls man das Enkelkind länger nicht mehr sehen sollte“, rät er beispielsweise technikaffinen Großeltern.

Digitaler Feierabend

Aber auch Tipps für den digitalen Feierabend hat er parat. Dabei kann er zu der bei den Streamingdiensten wie Netflix, YouTube, Amazon Prime & Co prognostizierten Bandbreitenproblematik aus seiner Einschätzung heraus Entwarnung geben. Vielmehr würde es wohl zu einer Datenreduzierung kommen.

Das wird auch deutlich, wenn man sich die Zahlen der Nutzer anschaut: Netflix verzeichne aktuell zehn Prozent mehr Traffic, durch Videokonferenzen erzeugen aktuell 50 Prozent mehr Traffic seit Beginn der Corona-Krise. Die Netzknoten seien aber dadurch bei weitem noch nicht überlastet.

Gegenüber dem Streaming deutlich krisensicher ist auf jeden Fall die DVD. „Warum nicht mal die alte DVD-Sammlung, die im Regal oder auf dem Dachboden verstaubt, von vorne bis hinten durchschauen?“, lautet eine Empfehlung von Dr. Rainer Hattenhauer.

Mit Apps fit bleiben

Im Falle einer Ausgangssperre sollten die Menschen versuchen Fit zu bleiben – und das auch mit Fitness-Apps oder Online-Kursen (Yoga etc.) auf YouTube bzw. in den App-Stores. „Auch Udemy hat etliche Sportkurse für Indoor-Sport und Fitness im Angebot.“

Das Thema Apps kann aber auch andere Verwendung finden. „So gruselig es klingen mag: Tracking-Apps werden wohl demnächst die Smartphone-Szene betreten, in denen Bewegungsmuster veröffentlicht werden. Was wie ein schlechter Horrorfilm klingt, ist heute schon in Litauen Realität. Ich denke, es ist eine Frage der Zeit, bis Google die ersten Bewegungsdaten von (infizierten) Menschen ähnlich der Stauprognose in Google Maps (diese wird auch anhand der Bewegungsdaten der an Google Maps angebundenen Smartphones erstellt) anonymisiert ins Netz stellen wird. Dadurch sieht man, wo Menschenansammlungen zu finden sind, die man natürlich tunlichst vermeiden sollte.“

Virtuelle Gaststätte

Helfen kann man online hingegen der Gastronomie beim Überleben. „Momentan findet man im Internet viele wertvolle Tipps zur Solidarität, die sozialen Medien werden endlich mal ihrem Namen gerecht. So gab jemand den Tipp, man könne ja dem Stammlokal/ der Stammkneipe jeweils den Betrag einer Rechnung zukommen lassen, die man sonst ohne die Krise dort hinterlassen hat.“

Am einfachsten wäre so etwas, wenn die Lokale auf der Homepage einen PayPal Spendenknopf einbauen würden. Für Gastwirte hat der IT-Experte auch gleich den passenden Link zu einer Anleitung gefunden: https://bit.ly/3bt2AIb.

Beim Thema Nahrung sollte seiner Ansicht nach zudem der Buy Local-Gedanke im Vordergrund stehen. „Bitte nicht über die üblichen Riesen im Internet Lebensmittel bestellen, sondern bewusst mit den Geschäften vor Ort in Kontakt treten, ob diese einen Lieferservice anbieten, ob Bestellung per E-Mail, WhatsApp und Co auf Rechnung, Abholung der Lebensmittel, für ältere Menschen Lieferung möglich ist.“

Etliche Gastronomiebetriebe denken aktuell auch über einen Liefer-/Abholservice nach (wir berichteten). Hier bleibe allerdings abzuwarten, wie man das dann in der drohenden Zeit der Ausgangssperre handhaben könne.

Sollte die Ausgangssperre nicht kommen, könnten sich Interessierte auch selbst bei der Lebensmittelproduktion einbringen. „Bauern, die nun dringend bei bevorstehenden Ernten Hilfe brauchen, rekrutieren aufgrund der geschlossenen Grenzen potenzielle Erntehelfer in der lokalen Umgebung bereits via Facebook. Selbstverständlich müssen dabei die Hygienevorschriften streng eingehalten werden“, beschreibt Rainer Hattenhauer die Entwicklung.

Maker-Apocalypse

Einen besonderen Tipp hat der Bad Sachsaer noch für hartgesottene Bastlernaturen: „Es gibt folgendes nette Büchlein, um sich mit MakerProjekten recht zeitgemäß die Freizeit zu vertreiben: Der Zombie Guide für die Maker-Apokalypse.“

Abschließend hat der Lehrer und Buchautor vor allem einen Hinweis: „Positiv denken! Schaut euch eure Bildersammlungen der letztjährigen Urlaube auf dem Tablet, Smartphone oder PC mal wieder an, sortiert endlich die Bilder und macht Pläne für die Zukunft! Auch diese Krise werden wir überstehen!“, ist er sich sicher.

Corona in Osterode- Ein Überblick über die Situation vor Ort

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