KreLaS aus Barbis übernimmt Tischlerei im Eichsfeld

Barbis.  Der Betrieb aus dem Altkreis ist auf Möbel- und Innenausbau spezialisiert, Paul Otto aus Duderstadt hingegen auf Außensanierung und Denkmalschutz.

Sie leiten die Geschicke der beiden Betriebe nach der Übernahme: Klaus Ballhausen (von links), Achim Riechel, Udo Nickel, Martin Ballhausen und Renè Weber.

Sie leiten die Geschicke der beiden Betriebe nach der Übernahme: Klaus Ballhausen (von links), Achim Riechel, Udo Nickel, Martin Ballhausen und Renè Weber.

Foto: KreLaS & i GmbH

Ihre Möbel stehen in Büros, Fluren, Küchen und Kantinen von zig Unternehmen, in Universitäten und Krankenhäusern – in ganz Deutschland nutzen Menschen täglich die Produkte der „KreLaS & i GmbH“. Das steht für Kreative Ladensysteme und Innenausbau. Das Unternehmen aus Barbis übernimmt zum 1. April die Paul Otto GmbH, Tischlerei und Elementebau in Duderstadt.

Es handele sich um eine Übernahme aus Altersgründen. Der bisherige Paul-Otto-Chef verabschiedet sich nach 49 Berufsjahren, davon 23 Jahre als Geschäftsführer, in den Ruhestand, erläutert Achim Riechel, Teilhaber von KreLaS. Ein anderes Unternehmen wollte den Duderstädter Betrieb übernehmen, sagte aber kurzfristig im November vergangenen Jahres ab.

„Die Entscheidung kam dann Knall auf Fall“, so Riechel. Mitte Dezember begannen die vielen Gespräche, mit Banken, Wirtschaftsförderern, Steuerberater und anderen. „Wir sind jetzt auf der letzten Biege: Diese Tage wird noch unterschrieben, man ist sich handelseinig.“ Der Betrieb im Eichsfeld wird mit allen Mitarbeitern und Anlagen fortgeführt, die Stilllegung ist verhindert.

KreLaS-Geschäftsführer Martin Ballhausen übernimmt gemeinsam mit Renè Weber nun auch die Geschäftsführung in Duderstadt. Weber wird die Geschicke in Barbis führen – die Fertigung und die

komplette Montage überblicken und Kontakte zu Architekten pflegen. Das Duo wiederum kann auf Udo Nickel setzen, der seit 22 Jahren bei Paul Otto arbeitet und viele Projekte wie beispielsweise die Renovierung der Außenfassade des Tabalugahauses in Duderstadt begleitet hat. Paul Otto agierte aber auch als Möbelkunde bei KreLaS, als Mittler etwa zu einem großen Kunden in Duderstadt. Bei diesem wurden unter anderem Cafeterien möbliert. Die Zusammenarbeit von Paul Otto und KreLaS habe vom ersten Tag perfekt funktioniert, so Riechel.

In der Übergangsphase wird das Team einige Monate vom ehemaligen Eigner Klaus Ballhausen unterstützt – die Namensgleichheit der Ballhausens ist reiner Zufall. Die Tischlerei Paul Otto hat seit Jahrzehnten in Langenhagen ihren Firmensitz. Klaus Ballhausen übernahm den Betrieb mit 2.000 Quadratmetern Fertigungsfläche von seinem Schwiegervater Paul Otto in der dritten Generation.

Paul Otto spezialisierte sich auf Holzfenster und Haustüren, Altbausanierung und Denkmalschutz. Dabei realisierte das Unternehmen bis zur Jahrtausendwende mit etwa 27 Mitarbeitern Projekte bis nach Berlin: In den Stadtteilen Prenzlauer Berg und Luckenwalde wurden Wohnblöcke mit mehreren tausend Fenstern pro Jahr verwirklicht. Nach dem 11. September 2001 ging es in vielen Branchen erstmal rückwärts, so auch bei dem Fensterbauer, der sich jedoch behaupten konnte.

Anfänge in Barbis

„Das neue Produktportfolio ist ein weiterer Vorteil: Sie überschneiden sich nicht“, bemerkt Riechel. Während die Eichsfelder zum Beispiel Fenster herstellen, sind die Barbiser auch im Innenausbau tätig. Und das seit mittlerweile elf Jahren auf einer Grundfläche von 3.500 Quadratmetern. Das sei zwar zu groß, hat aber mit der Vorgeschichte zu tun.

Riechel war zuvor in der Möbelzuliefer-Branche bundesweit tätig, im industriellen Stil. Die einstige Produktionsstätte in Scharzfeld wurde zu klein, darum ließ er einen neuen Komplex in Barbis errichten, in dem Holzteile für die Möbelindustrie hergestellt wurden. Zum Beispiel Spanplatten für Polstermöbel. In der Spitze beschäftigte er 43 Mitarbeiter, ehe weltweite Krisen den Absatz einbrechen ließen. Die Immobilien und Maschinen in Barbis waren aber noch da.

Davor, im Jahr 2005, traf er Martin Ballhausen als einen Kunden wieder – 30 Jahre nachdem sie Berufsschulkameraden waren. In Ballhausen fand er einen erfahrenen Partner, der zuvor eine Möbeltischlerei in Brochthausen führte, nachdem seine Beschäftigung als Holztechniker bei einem Betrieb in Göttingen durch Insolvenz endete.

Das Duo wollte aus der Not eine Tugend machen und gründete vor gut elf Jahren KreLaS. Mit der Neugründung ging auch eine Umstellung der Produktpalette einher, weg von der Massenproduktion und hin zur Fertigung individueller und hochwertiger Produkte.

Renè Weber – der nun Teil der Geschäftsführung sein wird – ist erst seit etwa 18 Monate Mitglied des KreLaS-Teams. Er wurde eingestellt, um einen Auftrag der Heinz-Sielmann-Stiftung auf Gut Herbigshagen

zu bewältigen – und hat dabei überzeugt. Genaugenommen handelte es sich um drei Teilaufträge, für die sich KreLaS beworben und in allen Fällen den Zuschlag bekommen hat: Gastro-Empfangsbereich, Wildwechselspiel und Ausstellungsbereich wurden in Barbis geplant und gefertigt. „Die 3D-Planungssoftware und die verbundene Fünf-Achs-CNC-Fräsmaschine verrichteten dabei perfekte Dienste.“

Weitere Kunden sind beispielsweise Kliniken, in denen Büros eingerichtet und Flure vertäfelt wurden; Universitäten, die etwa Spinde brauchten; ganze Hotels und Non-Food-Bereiche in Supermärkten. „Das ist oft schon eine große Menge von Produkten, da fahren manchmal zwei bis vier komplett volle Lkw mit den Möbeln los“, beschreibt Achim Riechel. Es gibt aber auch einige private Kunden.

Seit Jahren ist das Unternehmen aus Barbis bei Tischlereien bis in den Raum Kassel, Hildesheim und Braunschweig als „verlängerte Werkbank“ bekannt: Viele Kunden wissen nicht, dass ihre Treppe und ihre Garderobe eigentlich im Südharz gefertigt wurden, so Riechel.

KreLaS und Paul Otto beschäftigen zusammen rund 20 Mitarbeiter, darunter auch zwei weibliche Auszubildende. Nicht ausgeschlossen ist eine künftige Standortzusammenlegung, am Standort in Duderstadt. Aber das sei noch Zukunftsmusik, sagt Riechel.

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