Plötzlicher Herztod – und überlebt

Bad Lauterberg.  Rolf Behre sprach in der Kirchberg-Klinik darüber, wie sein Herz aufhörte zu schlagen. Er überlebte.

Im Rahmen des Vortrags an der Kichrberg-Klinik führte Notfallsanitäter Daniel Schwarz die Herzdruckmassage an einem Modell vor.

Im Rahmen des Vortrags an der Kichrberg-Klinik führte Notfallsanitäter Daniel Schwarz die Herzdruckmassage an einem Modell vor.

Foto: Felix Gräber / HK

„Ich erinnere mich an die gesamte Trauerfeier und an meine Rede in der Kapelle“, beginnt Rolf Behre zu erzählen, wie er seinen plötzlichen Herztod erlebt und überlebt hat. Als Redner und Trauergast war er zu einer Beerdigung geladen, als er auf dem Friedhof auf einmal zusammenbrach. Seine Ehefrau Helga Behre berichtet, er habe noch zu ihr gesagt: „Mir wird ja so komisch.“

Mit der Hand habe er sich noch an ihrer Schulter festhalten wollen, doch die sei ganz kraftlos gewesen, erzählt Helga Behre. Im nächsten Moment ist ihr Mann zusammengebrochen, war sofort bewusstlos. „Es war ein Schock“, sagt sie.

Was die Behres beschreiben sind typische Anzeichen des plötzlichen Herztods. Die Betroffenen seien genau „die Menschen, von denen man sagt, er ist plötzlich umgefallen“, erklärt Dr. Ernst Knoglinger, Ärztlicher Direktor der Kirchberg-Klink in Bad Lauterberg, während des Info-Abends am Dienstag.

An all das, was seine Frau berichtet, könne er selbst sich nicht erinnern, so Behre. „Ich habe keinerlei Warnhinweise verspürt. Ich weiß, was passiert ist, nur vom Hörensagen.“ Erinnern kann er sich erst wieder ab dem Moment, als er im Rettungswagen erwachte, auf dem Weg ins Krankenhaus nach Göttingen. Die entscheidende Zeit dazwischen hat er verpasst.

Nur innerhalb der ersten Minute nach dem Herzstillstand bestehe noch eine Chance auf erfolgreiche Wiederbelebung, so Knoglinger. Dr. Barbara Bialucha-Nebel, Oberärztin, führt aus: „Ersthelfer sind die wichtigsten Menschen überhaupt.“ Und auch Daniel Schwarz, Rettungssanitäter beim ASB in Barbis, weiß aus Erfahrung: „In der Zeit, in der der Rettungswagen kommt, nimmt das Gehirn Schaden, wenn niemand etwas tut.“

Was zu tun ist, sei dabei recht einfach. „Prüfen, Alarmieren und Drücken – das ist alles, was Sie behalten müssen“, so Bialucha-Nebel an die Zuhörer in der Kirchberg-Klinik. Geprüft werden müsse als erstes, ob der Betroffene noch bei Bewusstsein ist, und wenn nicht, müsse die Atmung kontrolliert werden. Der nächste Schritt: Um Hilfe rufen, sowohl über die Notrufnummer 112 als auch laut vor Ort. Zum Notruf mahnt die Oberärztin eindringlich: „Die Zentrale beendet das Gespräch, legen Sie nicht auf.“

Schritt Drei ist die Herzdruckmassage. Hier sei die richtige Technik, nämlich mit beiden Händen auf dem Brustkorb des Patienten, entscheidend. Etwa fünf Zentimeter tief müsse in Richtung Wirbelsäule gedrückt werden. Für die Geschwindigkeit empfehle sich etwa der Takt des Lieds „Stayin’ Alive“ von den Bee Gees. Sind mehrere Helfer zur Stelle, solle einer bereits mit der Herzdruckmassage beginnen, während ein anderer den Notruf absetzt.

„Die Druckmassage sollte möglichst nicht unterbrochen werden“, empfiehlt Knoglinger. Und weiter: „Falsch machen kann man nur etwas, wenn man nichts macht.“ Mehrere Helfer sollten sich außerdem abwechseln, wenn einer erschöpft ist. Schwarz wiederholt noch einmal: „Wichtig ist, dass die Herzdruckmassage sofort beginnt.“

Damit ein Herzstillstand wie der von Behre so glücklich ausgeht, muss vieles genau richtig laufen. Besonderes Glück hatte er, da unter den Trauergästen auch der Enkel des Verstorbenen, selbst Arzt, war, der die Wiederbelebung sofort professionell einleiten konnte.

Letztlich seien diese Erste-Hilfe-Maßnahmen entscheidend, meint Schwarz. Was selbst ein unausgebildeter Ersthelfer bei sofortigem Eingreifen leisten kann, könne auch der Notarzt nicht mehr aufholen, wenn bereits einige Minuten vergangen sind.

Der Plötzliche Herztod gelte als die häufigste kardiale Todesursache in Deutschland mit etwa 65.000 Betroffenen jedes Jahr, informiert Knoglinger. Nur ein geringer Teil der Patienten überlebt den Herzstillstand, der in vielen Fällen von einem Kammerflimmern verursacht wird – bei ihnen sprechen die Mediziner vom überlebten plötzlichen Herztod. Seltener könne auch eine Entzündung des Herzens oder eine bestehende Herzschwäche Grund für den Stillstand sein. Unabhängig von der Ursache, sei jedoch die Nothilfemaßnahme immer die Herzdruckmassage.

Die Besonderheit dabei sei, dass durch das Zusammenpressen des Brustkorbs nicht nur ein minimaler Blutkreislauf aufrecht erhalten wird, durch die Bewegung von außen strömt auch Luft aus der Lunge heraus und wieder hinein. Allein mit der Herzdruckmassage könne somit ein Laie die Funktion der beiden für das Überleben entscheidenden Systeme sichern, wenn auch minimal.

Dr. Karsten Gericke, Leitender Arzt am MVZ Kirchberg, informierte über Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten, wie etwa Schrittmacher und Defibrillatoren, und klärte grundlegend über allgemeine Risiken auf. Über die jeweils angemessene Therapieform müsse immer im Einzelfall entschieden werden.

„Ich wünsche Ihnen, dass Sie nicht in die Lage kommen, ihr Wissen anwenden zu müssen. Aber wenn, wünsche ich, dass es Ihnen gelingt“, sagte Knoglinger zum Abschluss.

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