Über Toleranz und vorurteilsfreie Sprache

Bad Lauterberg  Jugendpfarramt und Stadtjugendpflege veranstalteten Themenabend für Jugendliche mit Filmvorführung.

Viele Jugendliche waren in die Kirche gekommen.

Viele Jugendliche waren in die Kirche gekommen.

Foto: Christian Dolle / Kirchenkreis

Geht die Bezeichnung „Negerkuss“ für die Süßigkeit Schokokuss noch als altmodischer Ausdruck aus Kindheitstagen durch oder ist er schon eine Form rassistischer Diskriminierung? Um solche Fragen ging es beim Themenabend Toleranz des Jugendpfarramtes im Kirchenkreis Harzer Land gemeinsam mit der Stadtjugendpflege Bad Lauterberg.

Zuerst wurden die überwiegend jugendlichen Teilnehmer für angemessenen Sprachgebrauch sensibilisiert, anschließend gab es einen Kinofilm und zum Abschluss eine spannende Diskussionsrunde.

Ja, wie ist das denn nun mit dem Schokokuss? Die meisten, so wurde deutlich, verwenden den früheren Begriff manchmal noch aus Gewohnheit, ohne sich darüber Gedanken zu machen.

Im direkten Kontakt wird vieles oft mit Humor genommen

„Es kommt eben auf den Kontext an“, stellte Janka Eckhard vom Kinderschutzbund fest, die auch Flüchtlingen in der Stadt Hilfe beim Start in die neue Heimat bot und dabei feststellte, dass im direkten Kontakt vieles oft mit Humor genommen wird. Diese Erfahrung hat auch Michael Quendler gemacht, der sich ebenfalls in der Bad Lauterberger Flüchtlingshilfe engagierte und als Notfallseelsorger durchaus gewohnt ist, sensibel mit Menschen zu sprechen und umzugehen.

„Aber Sprache beeinflusst eben auch Gedanken“, warf Ronja-Larissa Wiegand von der Initiative „Respekt für Vielfalt“ des Landkreises Göttingen ein. Dem stimmten ihre Diskussionspartner zu und so war erst einmal sicher, dass eine Wortwahl mindestens dann genau überlegt sein sollte, wenn andere sich verletzt fühlen könnten. Insgesamt ist das aktuell viel diskutierte Thema korrekter und nicht diskriminierender Sprache jedenfalls gar nicht so leicht auf einen Punkt zu bringen. Bei vielen Sätzen, so zeigte sich bei einer Übung am Anfang, wissen aber schon Jugendliche intuitiv sehr genau, was okay ist und was sie eher nicht sagen sollten. Auch eine Wandzeitung zur Frage, was überhaupt unter Toleranz zu verstehen ist, machte deutlich, dass das Gespür dafür auf jeden Fall gegeben ist, nur es sprachlich umzusetzen, fällt dem einen nun mal leichter als dem anderen.

Das Thema spielte dann auch in dem gezeigten Kinofilm „Monsieur Claude und seine Töchter“ eine Rolle, in dem die vier Töchter Männer heiraten, die die ohnehin nicht sonderlich ausgeprägte Toleranz der Titelfigur auf eine harte Probe stellen: Ein algerischstämmiger Muslim, ein jüdischer und ein chinesischer Schwiegersohn komplettieren plötzlich die Familie. So richtig perfekt wird das Chaos, als die jüngste Tochter ihren von der Elfenbeinküste stammenden Freund heiraten will und nicht weiß, wie sie ihren Eltern beibringen soll, dass er nun mal schwarz ist.

Trotz des eigentlich ernsten Themas durfte an diesem Abend also viel gelacht werden, Schokoküsse gab es zwar nicht, dafür aber frisches Popcorn und das sorgte für einen ebenso lustigen wie nachdenklichen Kinoabend in der Pauluskirche. „Ich hoffe sehr, dass wir diese Kooperation mit der Jugendpflege fortsetzen können“, sagte Jugendpastor Simon Burger abschließend und traf damit eigentlich nur die Hoffnungen aller, die teilgenommen haben.

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