In dieser Schachtanlage finden sich verborgene Schätze

Bad Grund.  Seit 1980 ist der Knesebeck in Bad Grund ein Museum und einziger zugänglicher Teil des letzten deutschen Erzbergwerks. Hier gibt es so manchen Schatz.

Der „feurige Elias“, eine ehemalige Oberleitungs-Elektrolokomotive mit Blitz-Signal.

Der „feurige Elias“, eine ehemalige Oberleitungs-Elektrolokomotive mit Blitz-Signal.

Foto: Förderverein

Die Schachtanlage Knesebeck in Bad Grund gehört zur erst 1992 stillgelegten Grube „Hilfe Gottes“ – dem letzten Erzbergwerk des Oberharzes und Deutschlands. Es steht heute unter Denkmalschutz und ist Teil des Unesco-Weltkulturerbes Oberharzer Wasserwirtschaft.

Der Knesebeck war von den vier Schachtanlagen des Erzbergwerks Hilfe Gottes eine der kleineren. Es diente vorrangig der Bewetterung – also dem Abziehen der sauerstoffverbrauchten Atmosphäre als Wetterschacht – und der Erzeugung von Druckluft.

Ursprünglich war es ein Zugangs-Schacht, ein sogenanntes Lichtloch, für den längsten Wasserlösungsstollen im Harz – den Ernst-August-Stollen. Diesen ließ der Berghauptmann von dem Knesebeck auffahren, um die Bergwerke in Clausthal und Zellerfeld, in Hahnenklee und Lautenthal vom ständig in sie eindringenden Wasser zu befreien. Der Name wurde zu Ehren des Berghauptmanns gewählt, der den letzten Durchschlag nicht mehr erlebte.

1855 wurde die Abteufung des Schachtes begonnen, 1859 das Niveau des Ernst-August-Stollens erreicht. Um 1900 wurde der Schacht zum Fahr- und Förderschacht bis auf 499 Meter Teufe ausgebaut. Ab 1974 war er Wetterschacht, seit 1980 Besucherbergwerk. Die heutigen obertägigen Gebäude stehen überwiegend auf einer aufgeschütteten Halde, da aus dem tiefen Stollen, den Strecken und dem Schacht selbst Gestein entfernt werden musste.

Bedeutung der Druckluft

Sehr schnell erkannte man zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Bedeutung der Druckluft für den Bergbau. So konnten die in Frankreich (Mont-Cenis-Eisenbahn-Tunnel) 1857 erfundenen Druckluft-Bohrgeräte für den Abbau des Erzes und die Auffahrung der Stollen und Strecken eingesetzt werden. Die Arbeit der Bergleute wurde wesentlich erleichtert, obwohl die schweren Maschinen auch noch manche Kraftanstrengung notwendig machten. Brauchte ein Hauer mit Schlägel und Eisen zwei Stunden für ein Bohrloch, schaffte er es mit Druckluft in 30 Minuten.

Viele weitere Maschinen konnten mit Druckluft betrieben werden: Wurfschaufellader, weitere Ladegeräte, Haspel (Seilwinden), Verladesysteme, ja sogar Lampen für die Beleuchtung. Nachdem die Fördermaschine auf elektrischen Antrieb umgebaut war, konnten die noch verbliebenen Wasserkraftanlagen für die Drucklufterzeugung genutzt werden.

47 Meter in die Höhe

Aus dem oberen Becken am Eichelberg floss das Wasser nicht mehr zu Kunst- und Kehrrad, sondern zum Fuß des stählernen Hydro-Kompressoren-Turms. Aufgrund seiner Energie – nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren – schoss es in die Turmspitze hinauf und riss dort in 47 Meter Höhe die umgebende Luft wieder mit in die Tiefe.

64 Meter unter der Erdoberfläche trennten sich Wasser und Luft. Das Wasser strömte wieder zutage, die Luft blieb und stand mit einem Druck von 6,4 bar zur Verfügung. Über Rohrleitungen und Schläuche vor Ort gelangte sie zu den Arbeitsplätzen.

Als man stärkere Maschinen benötigte, wurde die Drucklufterzeugung auf elektrische Kompressoren umgestellt. Was blieb war der Turm als stilles Wahrzeichen einer „bahnbrechenden Technik“.

Der Hydro-Kompressoren-Turm (HKT) am Knesebeck ist der letzte Zeuge seiner Art und einmalig in Deutschland. Das Verfahren selbst wurde auch in vielen anderen Bergwerken praktiziert.

Bis in die letzten Tage im Gebrauch

Als einzige Einrichtung des großen Erz-Bergwerks Grund, die sich Besuchern öffnet, verfügt das Museum über Gerätschaften, die bis in die letzten Tage des Erzbergwerks Grund im Gebrauch standen: Schaufellader, Muldenkipper, Akku-Lokomotiven und Förderfahrzeuge verschiedener Art. Ein besonderes Exemplar ist der „Feurige Elias“ – eine Oberleitungs-Elektro-Lokomotive des frühen 20. Jahrhunderts. Die Bergleute erkannten den „Drachen“ von Ferne, da die Stromabnahme immer mit großer Funkenbildung geschah. Ähnlich wie beim Auto-Scooter blitzte es über der Lok.

So bietet das Museum am Knesebeck die eine oder andere Besonderheit, die es andernorts nicht gibt. Es ist ein gemütliches Museum, das Führungen individuell gestaltet. Kinder können hier ihre Geburtstage feiern und mit Förderwagen und Feldbahnlok transportiert werden. Erwachsene können in Gruppen ein „Tscherper-Mahl“ buchen. Hunde dürfen nach Absprache und Info über die Örtlichkeiten mitgebracht werden.

Öffentliche Führungen gibt es im Sommer-Halbjahr täglich außer montags um 11 und um 14 Uhr. Sie dauern etwa eine Stunde. Bei großem Interesse und vielen Fragen können es auch schon mal zwei Stunden werden.

Verein kümmert sich ehrenamtlich

Das Bergbaumuseum gehört der Gemeinde Bad Grund und wird weitgehend ehrenamtlich vom Förderverein Knesebeck-Schacht betrieben. Zur Welterbe-Stiftung bestehen gute Kontakte. Viele erforderliche Reparaturen übernehmen die Mitglieder des Fördervereins in Eigenleistung. Die Gemeinde hilft finanziell und organisatorisch, etwa bei der Grünpflege, im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Aus den gemeinsam erarbeiteten Vorschlägen im Rahmen des Trafo-Projekts wird über eine Werbeagentur eine neue Beschilderung, Modellgestaltung und Besucherlenkung erfolgen. Das Trafo-Programm ist eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes, die 2023 Regionen dabei unterstützt, ihre Kulturorte und ihr Kulturangebot dauerhaft zu stärken und sie bei den ersten Schritten in Richtung Zukunft begleitet.

Weitere Infos über das Museum sind online unter www.knesebeckschacht.de zu finden.

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