Das steckt hinter dem bunten Haus in Bad Grund

Bad Grund.  Farbenfroher Blickfang in der Bergstadt: Mit Aufwand und Herzblut erhält die Familie Lüthje ihr historisches Haus in Bad Grund.

Das Haus der Familie Lüthje im Hübichweg ist in Ocker, Blau und Ziegelrot gehalten.

Das Haus der Familie Lüthje im Hübichweg ist in Ocker, Blau und Ziegelrot gehalten.

Foto: Herma Niemann

Immer wieder wird sich vielerorts aufgrund des demografischen Wandels über leerstehende Häuser beklagt, die zusehends verfallen und zum Schandfleck werden. Da ist es mal eine gute Nachricht, dass es noch Eigenheimbesitzer gibt, die sich Gedanken über das Erscheinungsbild ihres Hauses machen und handeln. Wie Brigitte und Hans-Joachim Lüthje aus Bad Grund.

Das Ehepaar bewies viel Geschmack und Kreativität bei der Sanierung der Fassade ihres Hauses im Hübichweg. Mit den Farben Ocker, Blau und Rot ist es zu einem wahren Schmuckstück in der Bergstadt geworden. Das Haus stammt aus dem Jahr 1822 und hat sich im wahrsten Sinne des Wortes gut gehalten. Dank seiner Eigentümer, die viele alte Eigenheiten des Gebäudes erhalten haben.

Haus mit mehreren Hundert Jahren Geschichte

Das Haus war früher die Obermühle/Wassermühle in Bad Grund und wurde erstmals urkundlich erwähnt im Jahr 1657. 1822 brannte das Wohnhaus nieder und wurde nur kurz darauf wieder aufgebaut. Im Jahr 1944 wurde auf Elektro-Antrieb umgestellt und 1962 wurde der Betrieb ganz eingestellt. Ein historischer Mühlstein erinnert an den alten Beruf und liegt noch im Garten, auch der Seilzug für die Säcke seitlich am Haus ist heute noch vorhanden.

Genauso wie der goldfarbene Türklopfer, der ebenfalls schon so lange am Haus sei, wie Hans-Joachim Lüthje zurückdenken könne. Das Wasserrad habe schon weichen müssen, als er ein kleines Kind gewesen sei, dort befindet sich heute die Garage. Kardanwelle und Antrieb sind allerdings noch auf dem Dachboden vorhanden.

Und der Dachboden entpuppte sich dann auch als eine wahre Schatzkiste für Antiquitäten-Liebhaber. Zahlreiche antike Möbel lagerten 30 oder 40 Jahre dort oben, wie Brigitte Lüthje berichtet, bis sich das Ehepaar ihrer annahm und die Stücke hingebungsvoll restaurierte. Das Ergebnis ist jetzt in den liebevoll gestalteten Wohnräumen zu sehen. Dort oben haben die zwei auch viele alte Bilder gefunden, außerdem Bücher, die noch gut erhalten waren. Die Bilder hängen jetzt an der Wand und sind Zeitzeugen vergangener Jahrhunderte. „Wir wissen nicht, wer darauf abgebildet ist“, so Brigitte, „wir waren aber der Meinung, dass wir sie unbedingt erhalten müssen“.

Gefunden haben sie auch ein Poesiealbum aus dem Jahr 1902, das liebevoll gestaltet wurde mit einem Einband, auf dem Blumen zu sehen sind. Genauso wie eine gebundene Kurzeitung aus dem Jahr 1874. Sämtliche Namen der Kurgäste können darin nachgelesen werden.

Das Haus hat Charme. Wegen seiner Fassadengestaltung und seiner Einrichtung mit den antiken Möbeln, die schon früher Teil des Hauses gewesen waren. Aber auch, weil die Besitzer die alten Fotografien an ihren Wänden aufbewahren, von Menschen, die in vergangenen Zeiten mit dem Haus eng verbunden waren.

Leider oft zum „Verhängnis“ sei dieses Haus mit Charme den drei Kindern geworden, als diese im jugendlichen Alter waren. „In der ersten Etage knarzt jede einzelne Diele. Das macht das Haus sympathisch. Verriet aber aber unsere Kinder, wenn sie mal zu spät von einer Party nach Hause kamen“, erzählt Brigitte augenzwinkernd.

Das Haus ist schon seit ewigen Zeiten im Familienbesitz, der irgendwann an das Ehepaar Lüthje überging. Vor gut zwei Jahren haben sie sich für die Sanierung der Fassade entschieden, vieles in Eigenarbeit gemacht, aber auch einiges einer Firma überlassen. Die Farbgebung sei eine gemeinsame Entscheidung gewesen, wie beide sagen. Schon immer war das Ehepaar Fan der bunten Häuser in Skandinavien oder der Karibik. „Es ist schade, dass hier überwiegend in Elfenbein oder Grau saniert wird“, so Hans-Joachim Lüthje.

Ein beliebtes Fotomotiv sei außerdem die Haustür. Diese ist noch die originale aus dem Jahr 1822. Neben der Haustür angebracht ist ein Schild, das über die Historie aufklärt und ein Briefkasten, den man wohl auch nur selten sieht. Gemäß der Bergbau-Tradition in der Bergstadt hat die Familie einen schwarzen Briefkasten in Form einer alten Bergarbeiter-Tasche angebracht.

Für viele wohlwollende Lacher sorge im Bekanntenkreis auch immer wieder der Haustürschlüssel. Denn die Tür hat noch ein Kastenschloss. Der dazu gehörige Schlüssel könnte mit seinen rund 18 Zentimetern Länge auch für eine Burg oder ein Schloss gemacht sein.

Und ein Schloss im übertragenen Sinne ist das Haus für die Lüthjes, die selbstverständlich auch die alten Initialen an der Haustür erhalten haben: HLT 1822. Das steht eigentlich für die Initialen des Müllermeisters Thomas, der in früheren Zeiten die Mühle betrieb, und für das Baujahr. Die Lüthjes haben die Bedeutung der Initialen kurzerhand für sich umgedichtet in: „Hier Lüthjes Traumvilla“. Und das ist es auch, ein Schmuckstück in Ocker, Blau und Rot. hn

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