Wie Rückverweiser und Verbeller Leben retten

Bad Grund.  Die DRK-Rettungshundestaffel Hannover trainierte die Flächensuche von vermissten Personen im Harz. Schauplätze waren in Bad Lauterberg und Bad Grund.

Am Samstag ging es für die Mensch-Hund-Teams durch die Schachtanlage Knesebeck in Bad Grund. Hier warteten neue Eindrücke, wie Enge, Licht und Dunkel und das Laufen über Roste, sowohl auf die Herrchen und Frauchen als auch auf ihre vierbeinigen Freunde.

Am Samstag ging es für die Mensch-Hund-Teams durch die Schachtanlage Knesebeck in Bad Grund. Hier warteten neue Eindrücke, wie Enge, Licht und Dunkel und das Laufen über Roste, sowohl auf die Herrchen und Frauchen als auch auf ihre vierbeinigen Freunde.

Foto: Herma Niemann

Aufregung liegt in der Luft: Die Hunde bellen, trippeln ungeduldig mit den Pfoten, manche bellen oder quietschen. Dann kommt das Kommando: Los! Such! Und es gibt kein Halten mehr. Die Hunde mehrerer Staffeln unterschiedlicher DRK-Kreisverbände sowie des Rettungshundevereins Bad Lauterberg können endlich ihren Job machen – vermisste Menschen suchen. Ein Wochenende lang war die Staffel zu Gast in Bad Grund und trainierte in Bad Grund und Bad Lauterberg den Ernstfall.

Die Vierbeiner haben trotz der schon am Morgen hohen Temperaturen an diesem Wochenende freudig auf ihren Einsatz in einem Waldgebiet in Bad Lauterberg gewartet. So aber auch ihre Besitzer, die Mitglieder der Rettungshundestaffeln des DRK Region Hannover, des DRK-Kreisverbands Einbeck und des Rettungshundevereins Bad Lauterberg, die am Samstag in Bad Lauterberg und am Sonntag in Bad Grund die Flächensuche trainierten. 17 Herrchen und Frauchen und 17 Hunde. Aufgeteilt in zwei Gruppen wurden die Übungen jeweils nach den individuellen Stärken des Hundes geprobt.

Unterschiedliche Vorgehensweisen

Zu den Übungen am Samstag gehörten unter anderem das Anzeigen in Sichtweite mit einer Person, und in der Fläche, wo bis zu zwei Personen in weiterer Entfernung aufgespürt werden mussten. Das Anzeigen von vermissten Personen kann auf zwei unterschiedliche Weisen erfolgen. „Es gibt die Verbeller und die Rückverweiser“, erklärt die Vorsitzende des Rettungshundevereins Bad Lauterberg, Beate Rippa. Der Verein wird sich demnächst der Rettungshundestaffel des DRK-Kreisverbands Einbeck anschließen.

Gebührender Abstand

Der „Verbeller“ bleibt in gebührendem Abstand vor Ort bei der gefundenen Person und bellt solange, bis der Hundehalter kommt. Der „Rückverweiser“ läuft stattdessen zurück zu seinem Besitzer und deutet ihm durch sein Verhalten an, dass er etwas Wichtiges gefunden hat.

Wichtig beim Training ist, jeden Hund als individuellen Charakter anzusehen, erklärt der Staffelleiter des DRK Einbeck, Tobias Nolte-Pagel. „Jeder Hund ist unterschiedlich und für das Training, wie auch im Notfall, ist es wichtig, die Eigenarten zu kennen.“ Manche stünden noch ganz am Anfang, andere seien schon „alte Hasen“, wie er es nennt, die bald ihre erste oder erneute Prüfung ablegen werden.

Für die Trainingstage, aber auch für die akute Suche in einem Notfall gilt: Die entsprechenden Waldbesitzer oder -pächter sowie Jagdpächter, Förster oder andere Besitzer des betreffenden Suchortes werden über den Einsatz der Rettungshunde informiert, damit es nicht zu Missverständnissen kommt und die Hunde nicht irrtümlich der Wilderei verdächtigt werden. Aus diesem Grund tragen alle Vierbeiner im Einsatz die Kenndecke mit einem Glöckchen und zusätzlich die Marke über die abgelegte Prüfung.

Am Sonntag ist das Region-Hannover-Team unter sich. Es geht nach Bad Grund zur Schachtanlage Knesebeck, die noch Jahre vor der Schließung im Jahr 1992 zur Grube Hilfe Gottes und inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Nach einem kurzen Rückblick über Tage in die Jahrhunderte lange Montan-Geschichte, die Museumsführerin Regina Keinert den Gästen erklärte, ging es dann ausgestattet mit Schutzhelmen unter Tage weiter.

Mit den Hunden unter Tage

Den Einblick in die Geschichte hautnah in den engen, niedrigen und teils feuchten Stollen der Schachtanlage zu erleben, war für die Rotkreuzler ein spannender Ausflug. Aber auch für ihre vierbeinigen Freunde sei die Tour ein weiterer wichtiger Schritt ihrer Laufbahn als Rettungshunde gewesen, so Peter Grummbach, Landesbeauftragter, Ausbilder und Prüfer des DRK-Landesverbandes Niedersachsen, abschließend.

Die Hunde mussten nicht nur mit ihren Herrchen, sondern auch mit ihren Hunde-Kollegen auf engstem Raum auskommen, dazu kam noch der Wechsel zwischen Licht und Schatten, ganz andere Gerüche und die unterschiedlichen Untergründe, denn ein Teil der Strecke bestand aus ausgelegten Rosten. „Das hat sehr gut funktioniert, da können wir stolz auf unsere Hunde sein.“ Generell habe man sich extra mal für ein Training im Harz entschieden, da man den Tieren unterschiedliche Landschaften bieten wolle. Es dürfe kein Gewöhnungseffekt einsetzen.

In Niedersachsen gibt es insgesamt acht DRK-Rettungshundestaffeln mit 33 geprüften Teams (ein Hund und ein Besitzer sind das Team). „Regelmäßiges Training ist natürlich wichtig für die Hunde, aber auch für ihre Besitzer“, betont Grummbach. Grundsätzlich werde zweimal die Woche trainiert, vorrangig das Anzeigen, das Gehorsam- und das Geräte-Training. Am Ende der Ausbildung, nach ungefähr zwei Jahren, steht dann die Prüfung an, die nach den Richtlinien des GemPPO, der Gemeinschaftlichen Prüfer- und Prüfungsordnung, abgenommen wird, damit alle auf demselben Stand sind.

Ausbildung für Mensch und Hund

Die Ausbildung müssen Mensch und Hund ablegen. Dazu gehört, dass der Hundehalter eine Sanitätsausbildung im Fachbereich Hund ablegt sowie in den Bereichen Karte und Kompass, was in Waldgebieten enorm wichtig ist.

Die Hunde müssen mittelgroß und gesund sein. Und sie müssen Spaß am Suchen und Finden haben, egal ob es sich dabei um einen Großpudel, einen Schäferhund oder um einen Boxer handelt. Entscheidend ist der Spiel- und Beutetrieb des Tieres.

Alle Hunde sind Privathunde und die Rettungshundehalter machen diese Aufgabe ehrenamtlich. „Wir bieten unsere Dienste kostenlos an“, betont der Landesbeauftragte. „Das werden wohl die meisten Menschen nicht wissen.“ Ob verwirrte Personen, Wanderer, Spaziergänger oder ein Mensch, der Suizid begehen will – die Hunde sind darauf trainiert, Menschen in abnormalen Haltungen zu orten und dem Hundeführer anzuzeigen. Unverhofft kommt oft, und ein Unfall in unwegsamen Gelände ist schnell passiert. Und dann braucht es Menschen und die dazugehörigen sensiblen Hunde, die solche Personen aus Not- und Gefahrensituationen retten.

Staffeln lernen sich kennen

Das regelmäßige Training sei jedoch nicht mit einer unliebsamen Pflicht, sondern eher mit einem Freizeitvergnügen gleichzusetzen, wie die Rettungshundestaffel-Führerin des DRK Region Hannover, Michaela Komoll, erzählt. Deshalb stand das Trainings-Wochenende auch eigentlich eher unter dem Zeichen eines Kurzurlaubes im Harz für Hund und Besitzer. „Wir Hundeführer lernen uns dadurch auch besser kennen, was ungemein nützlich ist, wenn wir einmal bei einem Einsatz zusammenarbeiten müssen.“

Im Gegensatz zu den Mantrailer-Hunden, die auf Individualgeruch gehen und in Straßenzügen und Gebäuden zum Einsatz kommen, können die Flächensuchhunde, die vorwiegend nach Lebendgeruch durch die ausgeschütteten Hormone des Vermissten vorgehen, ein größeres Gebiet abdecken. Ein Hund könne dabei bis zu 30.000 Quadratmeter in weniger als zehn Minuten erfassen.

Fast einmalig in Deutschland sei auch in der Region Hannover die eigene Wasserwacht mit Spezialbooten, auf denen die Hunde, mit der Nase ganz dicht an der Wasseroberfläche, ertrunkene Menschen aufspüren können. Damit werde die Arbeit der Polizeitaucher erleichtert, denn in einem Radius von zehn bis 15 Metern können die Vierbeiner die aufsteigenden Hautschuppen des Toten orten. „Einen vermissten Menschen tot aufzufinden, ist keine schöne Sache“, wie Komoll aus eigener Erfahrung berichtet, dennoch erlöse man damit die Angehörigen von der quälenden Ungewissheit. „Schon oft im Einsatz habe ich gedacht: Lieber finde ich den Toten, als eine spazieren gehende Familie mit Kindern.“

Notfallseelsorger sind zur Stelle

Für ganz schlimme Unglücke, bei denen bei Angehörigen und Rettungskräften mit Traumata zu rechnen ist, steht die Psychosoziale Notfallseelsorge bereit.

Aber Peter Grummbach fasst die Hingabe des Hunderettungsstaffel-Teams zu ihrem Ehrenamt passend zusammen: „Eine Person lebend zu finden, die dann auch noch sichtlich dankbar dafür ist, dass Hilfe kommt, ist unser größter Lohn“.

Info: Die Hannoveraner Staffel

Die DRK-Rettungshundestaffel gehört zum 4. Einsatzzug des DRK Region Hannover. Sie besteht seit 1992 und ist in Empelde stationiert.

Die Ausbildung zum Rettungshund dauert etwa zwei Jahre. Beim Training lernt der Hund systematisch, die verschiedensten möglichen Gefahren zu erkennen und diese souverän zu bewältigen.

Doch auch ein angehender Hundeführer muss eine Ausbildung durchlaufen und die Bereitschaft mitbringen, immer wieder Neues zu lernen. Viel Engagement und Idealismus sind notwendig, um ein gutes Rettungshundeteam zu werden. Denn sowohl an den Vier- als auch an den Zweibeiner werden hohe Anforderungen gestellt.

Alle Rettungshundeführer arbeiten ehrenamtlich mit ihrem eigenen privaten Hund. Die Hundeführer werden zusammen mit ihren Vierbeinern bei der Flächen-, Trümmer- und Wassersuche eingesetzt.

Nach Anforderung von Polizei oder Feuerwehr ist das Team innerhalb einer halben Stunde einsatzbereit.

Durch ihre erfolgreiche Arbeit hat sich die Rettungshundestaffel in den vergangenen Jahren weit über die Region Hannover hinaus einen Namen gemacht.

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