20 Prozent weniger Blaumeisen gezählt

Göttingen.  Der Nabu verzeichnet einen Teilnehmerrekord bei der diesjährigen Zählung zur „Stunde der Gartenvögel“.

Bei der „Stunde der Gartenvögel“ stand die Blaumeise in diesem Jahr besonders im Fokus.

Bei der „Stunde der Gartenvögel“ stand die Blaumeise in diesem Jahr besonders im Fokus.

Foto: Roland Wittenberg / HK-Leserfoto-Archiv

Bei der diesjährigen „Stunde der Gartenvögel“, die vom 8. bis 10. Mai stattfand, wurde der bisherige Teilnehmerrekord der Aktion aus dem Vorjahr in der Region Südost-Niedersachsen verdoppelt. „Über 2.300 Menschen haben Zählergebnisse von mehr als 1.500 Gärten, Parks oder von Balkonen und Fenstern übermittelt. 2019 hatten gut 1.100 Leute mitgemacht“, erklärt Josefine Beims aus der Nabu-Regionalgeschäftsstelle Südost-Niedersachsen.

Insgesamt hätten sich in Niedersachsen dieses Jahr so viele Vogelzähler wie noch nie an der Aktion beteiligt. Insgesamt gingen in Niedersachsen aus 12.000 Gärten, Parks oder Balkonen Meldungen von über 18.000 Menschen ein – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Deutschlandweit zählten 161.000 Teilnehmer an 107.000 verschiedenen Orten.

Besonders im Fokus stand die Blaumeise. Im März und April wurden viele an Krankheit verstorbene Vögel dieser Art gemeldet. Über ein Online-Formular sammelt der Nabu diese Hinweise. Bis heute gingen darüber bundesweit über 21.000 Meldungen mit knapp 40.000 betroffenen Vögeln ein. Das vogelspezifische Bakterium Suttonella ornithocola konnte als Auslöser dieser Epidemie identifiziert werden. „Bundesweit betrachtet sind 22 Prozent weniger Blaumeisen pro Garten gemeldet worden“, berichtet Beims. In Südost-Niedersachsen fällt der Rückgang mit minus 20 Prozent zwar ein wenig geringer aus (1,88 Vögel pro Garten), auch hier sei dies mit Abstand der niedrigste Wert seit Beginn der Zählungen.

Blaumeisensterben erkläre einen Teil des beobachteten Rückgangs

Um das Blaumeisensterben als Ursache des Rückgangs zu identifizieren, haben die Forscher für jeden Postleitzahlbereich die Veränderungen der Blaumeisenzahlen mit der Anzahl der Meldungen kranker Meisen korreliert. Es ergab sich ein eindeutiger Zusammenhang: „Je mehr Berichte toter Meisen, desto größer waren dort auch die Bestandsrückgänge“, so Josefine Beims. „In Gebieten ohne Totfundmeldungen gab es im Mittel auch keinen Rückgang. Es kann daher sicher davon ausgegangen werden, dass das diesjährige Blaumeisen-sterben mindestens einen Teil des beobachteten Rückgangs erklärt.“

Es bleibe die Hoffnung, dass sich die überlebenden Blaumeisen zur jetzigen Brutzeit gut vermehrten, um die Verluste möglichst schnell wieder auszugleichen. „Vogel- und insektenfreundliche Gärten mit vielen Laubbäumen und Blütenpflanzen helfen ihnen dabei sehr“, so Beims.

Haussperling wurde am häufigsten gezählt, Amsel am zweithäufigsten

Im Durchschnitt wurden in Südost-Niedersachsen in diesem Jahr innerhalb einer Stunde knapp 33 Vogelindividuen beobachtet. Die Top drei der häufigsten Vögel im Garten bleiben unverändert: Auf Platz eins liegt der Haussperling (5,4 Vögel/Garten), gefolgt von Amsel (3,31) und Star (3,01). Auf Platz vier die Kohlmeise (2,47), Platz fünf belegt, trotz Rückgang, die Blaumeise mit 1,88 Beobachtungen pro Garten. Bis auf den Haussperling sei für alle diese Arten dennoch ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Bundesweit setzt sich die Top fünf aus Haussperling, Amsel, Kohlmeise, Star und Feldsperling zusammen.

Große Verlierer dieses Jahres sind neben der Blaumeise auch der Star und der Grünfink. Bei den größten Sorgenkindern unter den Siedlungsvögeln, Mehlschwalbe und Mauersegler, wiederholten sich die „katastrophalen Ergebnisse der Vorjahre zum Glück nicht, aber sie sind weiter weit entfernt von früheren Bestandszahlen“, heißt es vonseiten des Nabu.

Zu den Gewinnern zähle indes unter anderem die Ringeltaube, auch beim Eichelhäher sei kein Ende des zunehmenden Trends in Sicht. Die Ergebnisse decken sich auch mit den regionalen Werten in Südost-Niedersachsen.

Info: Landkreis Göttingen

Im Kreis wurden in 443 Gärten 15.486 Vögel gezählt. 652 Personen haben beobachtet.

Rang 1: Haussperling, Anzahl: 2.636, -6 Prozent zum Vorjahr

Rang 2: Amsel, 1.500, -2 Prozent

Rang 3: Kohlmeise, 1.053, -17 Prozent

Rang 4: Mauersegler, 915, +130 Prozent

Rang 5: Mehlschwalbe, 900, +45 Prozent

Rang 6: Feldsperling, 879, -20 Prozent

Rang 7: Star, 862, -21 Prozent

Rang 8: Blaumeise, 794, -26 Prozent

Rang 9: Elster, 569, -14 Prozent

Rang 10: Ringeltaube, 506, +2 Prozent

Weitere Ergebnisse gibt es unter www.stundedergartenvoegel.de.

Die nächste Vogelzählung, die „Stunde der Wintervögel“, steht vom 8. bis 10. Januar 2021 an.

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