„fridays.future“ feiert Premiere im Jungen Theater

Göttingen.  Aktuelles Zeitgeschehen landete damit auf der Göttinger Theaterbühne. Demnächst findet ein Foyer-Gespräch zum Stück statt.

Lisa Schreiber in der Rolle der Xara im Stück "fridays.future". Es feierte jetzt Premiere am Jungen Theater in Göttingen.

Lisa Schreiber in der Rolle der Xara im Stück "fridays.future". Es feierte jetzt Premiere am Jungen Theater in Göttingen.

Foto: Dorothea Heise

Mit seiner Uraufführung von „fridays.future“ hat das Junge Theater Göttingen (JT) das aktuelle Zeitgeschehen auf die Bühne gebracht. Teil der Vorstellung: ein anschließender Workshop mit dem Publikum.

Xara, eine junge Frau in futuristisch anmutender Kleidung, rollt in einem überdimensional großen Plastikball herein. Mit dieser Zeitmaschine ist sie aus dem Jahr 2135 angereist. Lisa Schreiber verkörpert die Protagonistin des Stücks „fridays.future.“ Intendant Nico Dietrich und Dramaturg Christian Vilmar haben es gemeinsam mit ihr entwickelt und inszeniert. Im ausverkauften Saal des JT wurde es jetzt uraufgeführt.

Auf der Bühne liegt vor zwei silberfarbenen, beweglichen Stellwänden ein weiterer großer Plastikball. Er stellt zunächst die Erde im Jahr 2135 dar, den kranken Patienten Herrn 2135, dann den vergleichsweise nur leicht angeschlagenen blauen Planeten von heute. Später wird der Ball für die Blase stehen, in der sich von Zeit zu Zeit sowohl Aktivisten als auch Klimaleugner wiederfinden.

Xara ist angereist, um Herrn 2135 zu retten. Dazu bezieht sie auch das Publikum ein. Als die Besucher signalisieren, zwar auf Plastikstrohhalme verzichten zu können, nicht aber ebenso leicht auf Strom, kommt es zum gut inszenierten Bruch: Xara stellt sich als Elisa vor, die mit einem Theaterstück die Bewegung um Fridays for Future unterstützen wollte, sich jetzt aber als gescheitert sieht.

Elisa entledigt sich ihrer Zukunftsuniform und spielt stattdessen einzelne Szenen aus „Elisas Klima-Show“ – ihre ursprüngliche Idee für ein Theaterstück über den Klimawandel. Die silberne Wand wird umgedreht und der Raum zur Garderobe der Schauspielerin. Sehr überzeugend wechselt Schreiber blitzschnell in ihren Rollen: von der strebsamen Aktivistin zu ihrem gelangweilten Mitschüler bis hin zum berlinernden Erdkundelehrer, der Elisa beipflichtet.

Im Verlauf ihrer Ein-Frau-Show wird sie außerdem als skrupellose Lobbyistin und Busserl verteilender Bundesverkehrsminister auftreten. Elisas Fazit über den Klimaschutz am Ende ihrer und gleichzeitig Schreibers Auftritt: „Es ist ein harter Weg. Aber es ist ein notwendiger.“

Nach tosendem Beifall für Schreiber betreten Dietrich und Vilmar die Bühne. Hier kommt das angekündigte „Recherchestück“ zum Vorschein: Die beiden beginnen, gemeinsam mit dem Publikum konkrete Lösungsvorschläge für die Verbesserung des Klimas zu sammeln – um dann ihre vorab gesammelten Maßnahmen wortreich mit Fakten zu untermauern. Einzelne Punkte sorgen für Diskussionsstoff in den Reihen, einige tuscheln, zwischendurch wird es unruhig.

Kritik im Workshop

Auch Dietrich scheint die Unruhe im Publikum gespürt zu haben: „Das nächste Mal werden wir es knackiger und schöner hinkriegen.“ Eine Zuschauerin merkt im anschließenden Gespräch an, dass sie sich beim zweiten Teil an ein Referat wie in der Schule erinnert gefühlt habe. Einige nicken. Trotzdem: Es ist als Erfolg zu werten, dass die Zuschauer im Publikumsgespräch so offen ihre Kritik an dem Workshop äußern, um gemeinsam mit den Theatermachern die Performance weiterzuentwickeln. Das liegt wohl vor allen Dingen daran, dass das Publikum den Regisseuren abnimmt, dass sie es mit dem Klimaschutz ernst meinen. Allen scheint klar zu sein: Sonst wird Herr 2135 tatsächlich sterben.

Zwischen März und Mai wird „fridays.future.“ vormittags als Schulvorstellung angeboten, die über jugend@junges-theater.de gebucht werden kann. Weitere Abendvorstellungen sind am 19. und 29. Februar sowie 11. und 24. März und 22. April um 18 Uhr im Jungen Theater am Wall, Bürgerstraße 15. Tickets kosten 19 Euro, Jugendliche bis 18 Jahre zahlen 8 Euro, Studierende 10 Euro. 50 Cent pro verkaufter Eintrittskarte spendet das Theater an Plant for the Planet, eine Bewegung die – wörtlich übersetzt – „für den Planeten pflanzt“. Auch in Göttingen gibt es eine Baumpflanzgruppe, weltweit engagieren sich inzwischen 88.000 Kinder und Jugendliche aus 74 Ländern als Botschafter für Klimagerechtigkeit für die Bewegung. Erklärtes Ziel nach eigenen Angaben ist es: „Die Menschheit motivieren, 1000 Milliarden Bäume zu pflanzen. Als Zeitjoker im Kampf gegen die Klimakrise.“ Seit 2010 hat die Göttinger Gruppe bereits 10.125 Bäume gepflanzt. Die nächste Baumpflanzaktion soll im Frühjahr stattfinden.

Karten für die Vorstellungen von „fridays.future“ sind unter Telefon 0551/495015 erhältlich.

Foyer-Gespräch

Das Junge Theater lädt am Dienstag, 18. Februar, ab 20 Uhr zum Foyer-Gespräch zum Stück „fridays.future“ ein. Mit dabei sind Vertreter der Fridays-For-Future-Ortsgruppe Göttingen und der Göttinger Parents-For-Future. Mit Intendant Nico Dietrich und Dramaturg Christian Vilmar sprechen sie über Ziele, Herausforderungen und Hindernisse, Generationenkonflikte, klimapolitische Auseinandersetzungen in der Familie und die Frage, wie man sich fühlt, wenn plötzlich die Kinder mit ihren Forderungen das Leben bestimmen. Der Eintritt ist frei.

Die Foyer-Gespräche finden einmal im Monat zu ausgesuchten Themen und speziell eingeladenen Gästen statt.

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