Braunschweig. Model Anna Ermakova tanzt mit Valentin Lusin ein wildes Duett. Warum Julia Beautx vor 5000 Fans in der VW-Halle trotzdem vorne liegt.

Eine individuelle Interpretation des Geschehens macht das Leben oft angenehmer. Komiker Abdelkarim beobachtet bei „Let’s Dance“ am Dienstag in der ausverkauften Volkswagen-Halle während seiner Auftritte das Publikum. „Bei allen anderen nehmen sie mit Handys die Tänze auf“, berichtet er dann. „Bei uns stecken sie die Handys weg und genießen die Show.“ Er nimmt es auch mit Humor, wie kurios die Jury seine Performance bewertet. Motsi Mabusesagt über den Charleston: „Du tanzt inzwischen so gut, dass man erkennt, was das ist.“ Jorge González kommentiert: „Ich liebe, wie du deinen eigenen Rhythmus findest.“ Joachim Llambi urteilt unverblümter: „Das war nicht viel und davon viel.“

Dass Abdelkarim bei der Live-Tour dabei ist, war eine Überraschung. Denn in der 16. Staffel der TV-Show musste er bereits im März, in der zweiten Folge, abtanzen. Aber die Bandbreite der Leistungen bringt natürlich zusätzliche Würze ins Geschehen – so wie das Geplänkel zwischen Moderator Daniel Hartwichund dem strengsten Juror Llambi. Beide siezen sich als einzige gegenseitig. Stichworte für spontane Pointen fängt Hartwich auf wie der Seelöwe den Hering. Schon bei der Begrüßungsmoderation auf einem weißen Flügel kündigt er an: „So, auf dem Klavier tanzen hätten wir erledigt. Nächster Punkt: Llambi auf der Nase herumtanzen.“

Anna Ermakova und Valentin Lusin: Innige Performance über wilde Liebe

Der Flügel, auf den man über zwei kleine Treppen steigen kann, ist die erste von vielen einfallsreichen Inszenierungen in der zweistündigen Show. Während das Publikum sich auf LED-Wänden Ausschnitte aus der TV-Show und Statements der Paare anschaut, wird stets auf der Bühne im Dunkeln umgebaut. So startet etwa der energiereiche Quickstep von Influencerin und Schauspielerin Julia Beautx und Zsolt Sándor Cseke mit Popcorn in einem Autokino, zu „We Go Together“ aus dem Film „Grease“. Abdel Karim und Kathrin Menzinger tanzen Cha-Cha-Cha in einem Parkcafé mit Laternen und Lichterketten. Der ehemalige Kunstturner Philipp Boy und Patricija Ionel sind beim rasanten Jive zu „Reet Petite“ als angeheitertes Hochzeitspaar zu erleben, inklusive Handstand. Auf dem Weg zum Jurypult schlägt Boy dann noch zwei Salti.

Einige Male hat auch Reduziertheit besonderen Reiz. Model Anna Ermakova und Valentin Lusin zum Beispiel genügt beim Contemporary zum Song „River“ eine Drehscheibe für eine innige Performance über wilde Liebe. „Gelenkig, mit Klasse und Würde“ urteilt die Jury. Motsi Mabuse kommentiert: „Eine heiße Nummer. Valentin kenne ich 15 Jahre, aber so habe ich ihn noch nie gesehen.“ Der stellt vorsichtshalber klar: „Meine Frau ist doch schwanger zu Hause.“

Philipp Boy und Patricija Ionel als angeheitertes Hochzeitspaar beim rasanten Jive zu „Reet Petite“.  
Philipp Boy und Patricija Ionel als angeheitertes Hochzeitspaar beim rasanten Jive zu „Reet Petite“.   © Rüdiger Knuth | Rüdiger Knuth

„Let‘s Dance“ in Braunschweig: Amira aus Wolfenbüttel (15) begeistert das Publikum

Anna Ermakova, die erzählt, dass sie durch die Show sich selbst gefunden hat, gewann die 16. Staffel. In Braunschweig muss sie sich nun nur gegen drei Paare behaupten. Denn der angekündigte Schauspieler Ingolf Lück ist krankheitsbedingt nicht dabei. Nachdem jedes Paar zweimal getanzt hat und von der Jury mit bis zu 60 Punkten bewertet wurde, wählt das Publikum den Sieger des Abends per Handy. Etwas begleitendes Umgarnen kann da natürlich nicht schaden. Julia Beautx verspricht: „Wenn wir gewinnen, muss Zsolt mein Sambakleid anziehen.“ Abdelkarim schmeichelt: „Die B-Städte, Braunschweig und Bielefeld, sind einfach der Hammer.“

Bis zum Resümee ist die durchweg temporeiche, sorgfältig inszenierte Show aber noch ereignisreich. Die Profis präsentieren vier starke Gruppentänze. Patricija und Alexandru Ionel beeindrucken ästhetisch und athletisch mit der WM-Kür nach Motiven der Oper „Carmen“, mit der sie im Oktober in Leipzig Vize-Weltmeister im Showdance wurden. Und eine Zuschauerin hat Gelegenheit, mit Profi Evgeny Vinokurov zu tanzen. Ausgewählt wird Amira aus Wolfenbüttel, über deren Souveränität man staunt. Die 15-Jährige, die in einem Verein tanzt, entscheidet sich für einen Wiener Walzer. Der führt sie dann über die komplette Bühne. Als Anerkennung bekommt sie neben starkem Applaus das von der Jury signierte Brettspiel zur Show.

Die Sieger: Julia Beautx und Zsolt Sándor Cseke

Und dann die Bilanz. Bei der Jury liegen Anna und Valentin mit der vollen Punktzahl vorn. Das Publikum hingegen favorisiert Julia und Zsolt. Damit liegt die 24-Jährige auch auf der bisherigen Tour vorn. Insgesamt gewann sie fünfmal, gefolgt von der viermaligen Siegerin Anna Ermakova. Bei Glitterregen und Feuerfontänen, zu Whitney Houstons „One Moment in Time“, schwenkt sie euphorisch den funkelnden Pokal. Beim großen Schlagerfinale mit Lederhosen, bei dem auch die Jury tanzt, ist dann auch Zsolt Sándor Cseke im Sambakleid mittendrin. Das hat er sich zumindest umgehängt. Donnernder Schlussapplaus. Überall glückliche Gesichter.