Braunschweig. Tiago Manquinho hat im Braunschweiger Lot-Theater mit „B.“ ein Stück über Schönheit herausgebracht. Es tourt nun durch Niedersachsen.

Ihr da oben, ihr Schönen tanzt im Lichte, wir da unten, die mit den Bäuchen und Falten, harren im Dunkeln. Im Theater ist die Rollenverteilung rund ums Thema Schönheit aber sowas von geklärt. Sogar noch im Braunschweiger Lot-Theater, wo das Publikum auf der Tribüne sitzt und man die Tanzenden unten auf dem Tanzboden bestaunt.

Nun hat das Tanztheater nicht erst seit Pina Bausch den Schönheitsbegriff längst aufgebrochen. Jede und jeder ist Künstler/in, jede und jeder ist schön, solange er oder sie sich ausdrucksvoll zu vermitteln weiß. Aber sag das mal den Model-Shows, Internet-Influencerinnen und den überall aus dem Boden sprießenden Schönheitssalons.

Das Diktat der Schönheitsideale

Der Braunschweiger Choreograph Tiago Manquinho will in seinem neusten Stück „B.“ (wohl für Beauty) unsere „von Machtstrukturen bestimmten Schönheitsideale“ hinterfragen. Gar nicht so leicht mit drei wohltrainierten, wohlproportionierten, körperbewusst posierenden Tanzschaffenden, die natürlich genau den auch in der Tanzkunst gepflegten Schönheitsidealen entsprechen.

Yuri Fortini ist nunmal ein Bild von einem Mann, auch wenn er nachher feminin die Muskeln rollt oder auf High Heels zu balancieren scheint, wenn die Musik den „beautiful boy“ beschwört. Am ehesten die Genderzugehörigkeit wird im Verlauf des Stücks etwas aufgeweicht. Erika Cucumazzo und Francesca Ciaffoni verschmelzen zeitweise sogar zu einem Körper.

Zumindest Gendergrenzen fließen

In der kunstvollen Beleuchtung entstehen durchgängig sehr ästhetische Bewegungen, oft etwas gepost. Aber haben wir damit schon den „Raum für Vielfalt und Differenz“ geschaffen, von dem der Begleittext spricht. Und wäre dann nicht spannender, wie man sich diese Freiheit im waltenden Konformitätszwang erkämpft? Wenn die Hand nachdenklich zum Kinn fährt, die Köpfe zu den Seiten schnellen wie bei Krabben, schaut man dem gern zu. Es wirft sich auch mal eine Tänzerin dem Tänzer über die Schulter, der dann mit der anderen weitertanzt, aber dass die drei in einer inneren Beziehung stünden, könnte man sonst nicht behaupten.

Manquinho bleibt insgesamt vielleicht einfach zu schön, zu abstrakt, zu brav. Das Thema ließe sich doch wahrlich konkreter, kontroverser behandeln. Aber hier spricht keiner davon, wie er sich fühlt, wenn ihm das Publikum im Dreimeterabstand auf die Poren guckt. Oder Gewicht und Form unbedingt gehalten werden müssen. Das Publikum feierte diese Schönheit einverständig.

Am 24. und 25. November in der Eisfabrik Hannover, am 1. Dezember im Theater Metronom in Visselhövede.