Braunschweig. In „Franky Five Stars“ waltet der Charme der vielfältigen Lena Urzendowksy und der trockene Humor des Ex-Braunschweigers Cino Djavid.

Franky, wer bist du? Mal flippig wie ein ungebärdiges Kind, mal provokant-belehrend wie ein antikapitalistischer Müsli-Esser, mal mit rotem Lippenstift aufgedonnert wie eine Sex-Bombe, dazwischen aber auch mal ruhig-reflexiv wie eine Erwachsene: Lena Urzendowski spielt die vier Temperamente im Wesen dieses jungen Mädchens mit entwaffnendem Charme, mit großen, meist hilfesuchenden, oft traurigen, dann doch wieder keck-fröhlichen oder gar erotisch blitzenden Augen. Franky, eine sicher anstrengende multiple Persönlichkeit, aber vor allem eben von ansteckender Sensibilität, Ehrlichkeit, Offenheit.

Die vier eingangs beschriebenen Persönlichkeitsanteile Frankys tauchen in dem deutsch-finnischen Film von Birgit Möller als Figuren eines Hotels wieder auf: Dort setzt sich Franky mit der skurrilen Patronne, der erotischen Zimmerdame, dem politischen Liftboy (der einst in Braunschweigs Staatstheater aktive Sven Hönig) und einem Kind an der Schwelle zur Pubertät auseinander, und es dauert eine Weile, bis man versteht, dass dieses Hotel ihr Kopf ist und die Figuren darin die wechselnden Charaktere in Frankys Sein. Gerade dieses schräge Hotel aber sorgt dafür, dass man die schwierige Persönlichkeit Frankys nicht als Problem, sondern als erfrischende Vielfalt wahrnimmt, selbst da, wo sie mit sich kämpft, denn wer ist in sich nicht auch oft gespalten, etwa zwischen schüchtern und offensiv.

Der Kopf als Hotel vielfältiger Persönlichkeiten

Neben der einfühlsam aufgedrehten Lena Urzendowski als Franky glänzt der gerade von Braunschweigs Staatstheater nach Hannover gewechselte Schauspieler Cino Djavid als Hasim, eigentlich der Freund ihrer Mitbewohnerin, aber zunehmend fasziniert von Frankys Wesen. Sein trockener Humor, die abwartende Zugewandtheit ihren Einfällen gegenüber, die auch auf der Bühne oft bewiesene unaufdringliche Sensibilität in Sprache und Spiel sind gleichfalls bezaubernd.

Seine Liebeserklärung, er würde jeden Tag für sie ins Hafenbecken springen (aus dem er sie gerade gerettet hat), hätte noch mehr Gewicht, wüsste Franky, dass Djavid selbst, wie er live im Kino-Nachgespräch bekannte, gar nicht schwimmen kann. Trotzdem musste die Szene gedreht werden, den Froschmännern sei Dank! Ein rührend-schöner Beitrag in der Heimspiel-Reihe des Filmfests.