Braunschweig. Schon im nächsten Jahr soll die Sanierung des Kleines Hauses für ca. 33 Millionen Euro beginnen. Ab 2028 wäre das Große Haus dran.

Über den Sanierungsstau am Braunschweiger Staatstheater hat jüngst erst Verwaltungsdirektor Stefan Mehrens ausführlich berichtet. Das damals eingeholte vorsichtige Signal aus dem niedersächsischen Kulturministerium, dass man die Probleme ebenso einschätze und sich um Lösungen bemühe, führt nun offenbar auch zu Taten: Kulturminister Falko Mohrs (SPD) legt sich ins Zeug und stellte im Gespräch nun einen Fahrplan vor, wie eine Baustelle nach der anderen abgearbeitet werden könnte. Start für die Sanierung des Kleinen Hauses könnte demnach bereits im nächsten Sommer sein. 33,7 Millionen Euro werden im Haushalt bereitgestellt. Es soll aus dem Sondervermögen für energetische Sanierung kommen.

Probleme gibt es eigentlich in allen Gebäuden des Staatstheaters. Fast ruinös mutet das Werkstattgelände im Theaterpark an, wo immer mal wieder Wasser durch die Decke dringt, von der auch schon mal ein Teil in die Ateliers stürzte.

Die Baracken fürs Tanztheater: schlicht abgängig. Im Kleinen Haus macht dagegen vor allem die Technik zu schaffen, für die es aufgrund der sich beschleunigenden Fortentwicklungen in diesem Bereich keine Ersatzteile mehr gibt. Das Inspizientenpult etwa ist seit einigen Monaten kaputt, verschiedene Bühnenzüge sind nicht einsetzbar. Ähnliches Bild im Großen Haus, wo neben dringenden technischen und funktionalen Erneuerungen auch die Notwendigkeit zu einer energetischen Sanierung besteht.

Saniertes Kleines Haus als sichere Spielstätte bei Großes-Haus-Sanierung

Wieso also Start mit dem Kleinen Haus? „Hier liegt die Bauanmeldung schon vor. Wir können also sehr schnell loslegen. Und schnell fertig werden, so dass dann für die längere Schließung des Großen Hauses eine ausfallsichere Spielstätte zur Verfügung steht“, erklärt Mohrs. „Die Sanierung soll 2024 starten. Die genauen Details, ob und wann es Auswirkungen auf den Spielbetrieb geben wird, stimmen wir zurzeit noch ab.“ Für wie lange das Haus während dieser Phase komplett geschlossen werden muss, steht noch nicht fest. Außer der Modernisierung der Bühnentechnik und der Anpassung an neueste Brandschutzvorgaben würde man wohl auch versuchen, die Nutzung neu zu ordnen, etwa das Foyer besser nutzbar zu machen.

„In der Zwischenzeit sollen Szenarien für das Große Haus entwickelt werden und dann auf dieser Grundlage die notwendige baufachliche Begutachtung stattfinden. Mein Ziel wäre es, dass es nach dem Kleinen Haus mit dem Großen Haus weitergehen kann“, so Mohrs. Dessen Sanierung dürfte dann allerdings länger dauern und teurer werden. Mit einer Schließung über mehrere Jahre muss gerechnet werden. „Ein vergleichbares Haus wie das Nationaltheater Weimar wird für 170 Millionen Euro saniert, auf solche Summen müssen wir uns wohl auch einstellen.“

Brandschutz und energetische Sanierung

Schon für die baufachliche Beratung müsste das Große Haus zwei bis drei Monate geschlossen sein, vermutlich in der Spielzeit 2026/27. Sein Ministerium, Finanzministerium und Stadt Braunschweig müssten sich dann Szenarien überlegen, was umgesetzt wird. Dazu gehören dann auch neue Belüftung, Heizung, Gestühl, denn in dem verläuft ja bislang die Belüftung. Nach seiner Einschätzung komme man mit einem minimalinvasiven Eingriff nicht davon. „Man kann nicht nur für 5 Millionen die Technik neu machen. Fangen wir im Großen Haus an, verliert es ganz schnell den Bestandsschutz.“ Und das könnte dazu führen, dass der gesamte Brandschutz begutachtet werden muss. Und klar müsste der 19. Jahrhundertbau auch energetisch auf Vordermann gebracht werden.

Und nochmal: Hätten es die Werkstätten nicht noch viel nötiger? Minister Mohrs räumt ein, dass man hier immer wieder kurz vor kritischen Maßnahmen stehe. Auch hier bräuchte man wahrscheinlich zwei Jahre, um eine Wirtschaftlichkeitsanalyse zu erstellen. Ein Neubau würde auch zwischen 30 und 50 Millionen Euro kosten. „Die Frage wäre, ob man etwas Investitionsschmerz vom Land nehmen könnte, wenn man eine bestehende Halle anmieten könnte. Vielleicht könnte sich dabei auch die örtliche Wirtschaft engagieren“, so Mohrs. In diese Richtung zielte wohl jüngst auch der Appell des Braunschweiger Oberbürgermeisters Thorsten Kornblum nach der Premiere der Burgplatz-„Tosca“.

Für Unwetterschäden haftet das Land

Ob man aber eine Bestandsimmobilie mietet oder selbst neu baut, müsse abgewogen werden. „Eine Verpflichtung auf 30 Jahre Miete ist nicht unbedingt billiger als selbst zu bauen. In Hannover haben wir uns zuletzt wieder für eine Landesinvestition entschieden. Hauptsache, wir haben eine funktionstüchtige Lösung.“ Weiterhin ist ungeklärt, ob die Werkstätten wieder im Theaterpark errichtet werden könnten, obwohl dies natürlich die nachhaltigste Lösung wäre in Sachen kurzer Anlieferung, denn im Großen Haus selbst steht wenig Stauraum für Kulissen zur Verfügung.

Vergleichsweise nehmen sich die akuten Unwetterschäden in Folge der Überschwemmungen im Juni bescheiden aus. Hier trete die Staatshaftung ein, das Land komme für die Schäden auf, „das ist sozusagen seine eigene Versicherung“, so Mohrs. Ungefähr 2 Millionen Euro sind für die betroffenen Gebäude des Staatstheaters Braunschweig nötig, die das Land aufbringen muss. „Da muss dann geguckt werden, was an Hochwasserschutz für die Zukunft dabei ist.“

Unabhängig von all dem entsteht in der Husarenstraße gerade das neue Kinder- und Jugendtheater des Staatstheaters, „das hält zum Glück nichts mehr auf, die Umsetzung läuft“, so Mohrs. Er zeigt sich entschlossen, die politischen Mehrheiten vorausgesetzt, nun auch die anderen Bereiche zukunftsfähig zu machen.

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