Wolfsburg. Derzeit bleiben viele Autos auf der Strecke. Aber Schuld ist nicht immer die elektrische Revolution. Ein Modell-Überblick.

Er gilt als Designikone und als Fahrmaschine – und hat das Image der Marke nachhaltig geprägt. Doch nach ziemlich genau 25 Jahren und drei Generationen stellt Audi ausgerechnet den TT jetzt ein.

Und als wäre das Ende von Coupé und Roadster für die Fans der vier Ringe nicht schon schmerzhaft genug, haben die Bayern auch den Abschied von ihrem sportlichen Top-Modell R8 bestätigt.

Beide Baureihen sind zu alt für eine weitere Karriere und passen nicht mehr in die Zeit, die doch künftig vorgeblich elektrisch sein soll, argumentiert der Hersteller. Geduld ist gefragt, bis Pläne für einen elektrischen Sportwagen gediehen sind, der dann womöglich beide Baureihen ersetzt.

Ford verabschiedet den Fiesta

Noch schlimmer ist der Kahlschlag bei Ford in Köln: Ford Mondeo Limousine und Turnier, Galaxy und S-Max – diese Modelle hat es Pressesprecher Ralph Caba zufolge bereits dahingerafft. Und die beiden wichtigsten sind da noch gar nicht benannt: Seit Sommer 2023 ruht nach 47 Jahren und rund 20 Millionen Exemplaren die Produktion des Fiesta. Und der Focus muss bald auch dran glauben, so Caba.

Der Grund: Ford braucht in Köln den Platz für den Bau des Explorers als erstes europäisches Elektroauto der Marke – und weder mit dem Fiesta noch dem Focus sei auf Dauer Geld zu verdienen, äußert sich Deutschlandchef Christian Weingärtner. Erst recht nicht, wenn alle Welt nach SUV giere.

Ausgedünnt wird auch in Wolfsburg

Das sind zwar zwei prominente Beispiele, aber beileibe keine Einzelfälle: Auch VW hat seine Modellpalette ausgedünnt. So wurde das Abenteuer mit dem Arteon beendet. Und beim Generationswechsel für den Passat bleibt die Version der klassischen Stufenheck-Limousine auf der Strecke.

Klassisches Stufenheck: Vom neuen Passat gibt es aber nur noch einen Kombi.
Klassisches Stufenheck: Vom neuen Passat gibt es aber nur noch einen Kombi. © dpa | Volkswagen AG

Bei BMW nehmen sie gerade Abschied vom 6er GT. Und bei Mercedes ist ebenfalls Großreinemachen angesagt: Gab es bislang jeweils in C- und E-Klasse ein Coupé und ein Cabrio, soll nun der CLE beide Modelle ersetzen. Das viertürige E-Klasse Coupé CLS wird laut Werk ersatzlos gestrichen, und Modelle wie das Coupé und das Cabrio der S-Klasse oder der Roadster des AMG GT bleiben ohne Nachfolger.

„Wir müssen unsere Ressourcen sinnvoll einsetzen und bei der Entwicklung neuer E-Modelle genau schauen, welche Baureihen wir in welchem Umfang auch in der Verbrennerwelt noch behalten können und wollen“, sagt Entwicklungsvorstand Markus Schäfer. „Sonst hätten wir schnell das doppelte Portfolio. Das können weder die Entwickler leisten, noch die Werke und auch die Kunden wären davon überfordert.“

Mobilitätswandel ist ein Grund – es gibt aber noch einen

Zwar fallen tatsächlich gerade viele Modellreihen dem Mobilitätswandel zum Opfer. Weil sich die Hersteller auf Dauer keine deckungsgleiche Modellpalette für die alte Verbrenner- und die neue Elektro-Welt leisten können oder wollen und so insbesondere an den Nischenmodellen und Karosserievarianten sparen. Doch ist der teure Umstieg auf den Elektroantrieb nicht der einzige Grund für das bevorstehende Modellsterben.

Sondern, dass etwa Mercedes seine Kompaktklasse eindampft und Autos wie die A- oder die B-Klasse auslaufen lässt, liegt am Streben nach Höheren: Konzernchef Ola Källenius will den Stern nach eigenen Angaben auf ein Niveau rücken mit Louis Vuitton oder Chanel und Mercedes gar vollends auf Luxus trimmen; da passen halbwegs bezahlbare Autos dann nicht mehr ins Bild.

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Und auch die Bürokraten in Brüssel haben ihren Anteil am ausgedünnten Modellprogramm. Zwar wurden der Schadstoffnorm Euro 7 mittlerweile die Zähne gezogen, sodass auch Kleinwagen künftig doch noch bezahlbar produziert werden könnten.

Doch dafür fordern Datenschützer nun nach Angaben von Christian Kaiser vom Strategieberater Berylls in München so strenge Maßnahmen zur Cybersecurity, dass diese bei bestehenden Modellreihen oft nur mit Millionenaufwand umzusetzen sind. „Für viele Fahrzeuge mit kleinen Volumen oder kurzer Restlaufzeit lohnt sich das womöglich nicht mehr“, schätzt der Experte. Und die Ankündigungen einzelner Hersteller geben ihm recht: VW-Chef Thomas Schäfer zum Beispiel hat damit das vorzeitige Ende des Kleinwagens Up begründet. Und bei Porsche laufen deshalb die Sportwagen der Baureihe 718 mit Boxster und Cayman Ende 2024 aus.

Aber nicht immer bedeutet das einen Abschied für die Ewigkeit und bisweilen ist es dann sogar die Elektromobilität, die das Wiedersehen erst ermöglicht. Und auch dafür liefert Porsche den Beweis: Wenn – vermutlich im Herbst 2025 oder Frühjahr 2026 – der erste zweisitzige elektrische Sportwagen aus Stuttgart kommt, dann soll der – so ist aus Unternehmenskreisen zu hören – Boxster und Cayman beerben.

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