Wolfsburg. Das DFB-Pokalspiel in Mönchengladbach soll für Klub und Coach die Wende bringen. Dafür muss sich im Vergleich zum Bochum-Spiel einiges ändern.

So leicht bringt Niko Kovac nichts aus der Ruhe. Der Trainer des VfL Wolfsburg hat in seiner Karriere als Spieler wie als Coach schon einiges erlebt und wird daher auch jetzt nicht nervös, wenn er darauf angesprochen wird, wie in der aktuellen Krise seines Teams auch der Druck auf ihn persönlich steigt. Doch Kovac sagt dazu: „Ich spüre keinen Druck.“

Dabei steht der 52-Jährige mit seiner Mannschaft am Anfang einer vielleicht entscheidenden Woche. In der Fußball-Bundesliga ist den Grün-Weißen zuletzt wenig gelungen. Nur einen Sieg gab es in den vergangenen sieben Spielen, und gerade das vergangene Wochenende lieferte mit der 1:3-Niederlage beim VfL Bochum einen Beleg dafür, dass bei den Grün-Weißen grundsätzlich etwas im Argen liegt.

Doch mit der Achtelfinal-Partie im DFB-Pokal bei Borussia Mönchengladbach (Dienstag, 20.45 Uhr) haben die Grün-Weißen die Chance, die Wende zum Positiven einzuleiten. Ein Überwintern in dem Wettbewerb, aus dem sich mit Bayern München und RB Leipzig bereits zwei Liga-Schwergewichte verabschiedet haben (für Letzteres sorgte der VfL in Runde 2 selbst) – das wäre wie ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk.

Schwere Aufgaben bis zum Jahresende

Dazu könnte das Erreichen des Viertelfinales die Initialzündung sein, dass es für die Wölfe auch in der Liga wieder besser läuft. Dort stehen bis zum Jahresende mit dem Heimspiel am Samstag gegen den SC Freiburg sowie Darmstadt (auswärts) und Bayern (heim) weitere schwere Aufgaben an.

Das Spiel in Gladbach hat also schon eine sehr hohe Bedeutung für den Klub, und auch für den Coach. Denn so wie die Lage sich mit einem Sieg ins Positive drehen kann, würden bei einem Ausscheiden aus dem DFB-Pokal die Zweifel, ob Kovac noch der Richtige für den VfL ist, sicherlich noch etwas größer werden. Aber trotz dieser Ausgangslage gibt sich der Trainer entspannt. „In meinem Leben habe ich allzu viel erlebt. Es gibt immer Aufs und Abs, irgendwann geht es wieder in die richtige Richtung“, ist er überzeugt.

Kovac: Jungs müssen auf den Platz bringen

Dafür müssen die Wolfsburger Spieler aber deutlich anders auftreten als in der ersten Hälfte in Bochum. Schwache Zweikampfführung, mangelhafte Kommunikation – Kovac hatte bereits kurz nach der Pleite im Ruhrgebiet die größten Mängel ausgemacht und fordert eine klare Trendwende. „Wir müssen die Zweikämpfe annehmen und gewinnen. Die Jungs wissen, was sie zu tun haben, sie müssen es auf den Platz bringen“, sagt der Coach.

Von der Kritik, die in den vergangenen Wochen auf die Spieler einprasselte, nimmt er sich aber nicht aus. „Ich gehöre genauso zur Mannschaft dazu, gemeinsam gewinnen und verlieren wir Spiele“, sagt Kovac. Er und sein Trainerteam habe auch ihren Beitrag geleistet, „zum Positiven wie zum Negativen“. Leider überwiegt aus VfL-Sicht da im Moment Letzteres. „Den Schuh ziehe ich mir auch an“, will sich Kovac nicht aus der Verantwortung stehlen.

Das würde wahrscheinlich auch gar nicht funktionieren. Statt in dieser Saison im zweiten Jahr unter dem erfahrenen Trainer einen Schritt nach vorne zu machen, sieht es aktuell so aus, als hätten sich die Wolfsburger eher zurückentwickelt. Eine klare Hierarchie ist in der Mannschaft nicht zu erkennen, die Abgänge von Micky van de Ven, Felix Nmecha oder Omar Marmoush konnten bisher nicht kompensiert werden und viele Leistungsträger befinden sich in einem Formtief. Inwieweit Kovac daran seinen Anteil hat, darf diskutiert werden. Doch die vergangenen Monate mit vielen personellen und taktischen Wechsel haben bestimmt nicht zur Stabilität seiner Mannschaft beigetragen.

Trainer verteidigt seine Spieler

Dass die sich in einer schwierigen Phase befindet, will der Trainer gar nicht abstreiten. Es sei ihm klar, dass das Spiel in Bochum nun auch nicht gerade zum Selbstvertrauen beitragen habe, so Kovac. Doch er sehe seine Elf im Moment auch etwas zu schlecht gemacht. „Es ist nicht so, dass die Jungs in 13 Ligaspielen keine Zweikämpfe geführt haben“, verteidigt er das Team, das sich bereits nach der 0:4-Niederlage in der Liga gegen Gladbach eine gehörige Standpauke von ihm anhören musste.

Nach der Partie gegen Bochum will es Kovac eher auf die ruhige Art versucht haben, allein schon, weil es in der kurzen Zeitspanne bis zum Pokalspiel wenig Möglichkeiten für grundsätzliche Arbeit gab. Daher lautet des Trainers Tipp an seine Spieler: „Jeder muss versuchen, den Kopf freizubekommen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.“ Und trotz der Drucksituation mit einer Portion Unbekümmertheit an die Pokalaufgabe herangehen. „Es geht darum, eine gewisse Lockerheit zu bekommen“, sagt Kovac. Nur so, so seine Erfahrung, lässt sich der Turnaround schaffen.

Wer bei diesem Vorhaben auf Wolfsburger Seite mit von der Partie ist, wird sich erst kurzfristig entscheiden. Maximilian Arnold (Rückenprobleme), Sebastiaan Bornauw (muskuläre Probleme) und Amin Saar (Knie) hatten am Samstag in Bochum gefehlt und auch am Montag nur individuell trainiert. Doch mit oder ohne sie, muss der VfL im Pokal ein anderes Gesicht als zuletzt in Bochum zeigen.