Bochum. Wolfsburgs Bundesliga-Fußballer bleiben in der Krise und offenbaren grundsätzliche Probleme, die weiter Trainer Niko Kovac lösen soll.

Wenn der Sportdirektor eines Fußball-Bundesligisten nach einem Spiel gefragt wird, ob der aktuelle Trainer noch der richtige für seinen Klub ist, dann weiß man, dass einiges im Argen liegen muss. So wie beim VfL Wolfsburg, der nach einem guten Saisonstart in eine Krise gerutscht ist.

Der Heimsieg vergangene Woche gegen RB Leipzig hatte zwar die Hoffnung genährt, dass es nach fünf sieglosen Liga-Spielen in Folge wieder aufwärts gehen würde, doch die 1:3-Pleite am Samstag beim VfL Bochum hat diese Vorstellung brutal zunichtegemacht. Die Bochumer, die bis dato in dieser Saison zu Hause noch sieglos waren, kauften den Gästen aus der Autostadt in allen Belangen den Schneid ab. „Der Sieg der Bochumer war verdient. Wir haben in der ersten Hälfte gar nicht stattgefunden“, sagte Trainer Niko Kovac. Und allein diese Aussage von ihm zeigt, warum inzwischen in Wolfsburg auch über seine Arbeit diskutiert wird.

Sebastian Schindzielorz steht zum Trainer Niko Kovac

Deshalb war VfL-Sportdirektor Sebastian Schindzielorz nicht erfreut, aber sicherlich auch nicht groß überrascht, dass ihm am Samstag nach dem Spiel in Bochum erstmals die kritische Frage nach dem Coach gestellt wurde. „Wir wollen die Situation gemeinsam meistern, deshalb gibt es auch keine Diskussion über den Trainer“, antwortete Schindzielorz darauf sehr sachlich. Trotz dieses offiziellen Vertrauensschwurs für den Coach sieht aber auch er, dass im Moment einiges bei den Grün-Weißen nicht passt, und das betrifft nicht nur die Ergebnisse. In Bochum war es aber vor allem die Art und Weise wie die Mannschaft verlor, die nachdenklich stimmt und wohl für grundsätzlichen Redebedarf in Wolfsburg sorgt.

„Gerade in den ersten Minuten war das absolut enttäuschend. Wir waren nicht darauf vorbereitet, was man hier erwarten kann. Deshalb müssen wir über dieses Spiel sprechen“, sagte Schindzielorz zum Auftritt der Wölfe in Bochum. „Wenn man so wenig Intensität an den Tag legt, die Zweikämpfe nicht gewinnt, die zweiten Bälle nicht gewinnt, dann verliert man solche Spiele“, vermisste nicht nur er Grundtugenden bei vielen VfL-Profis.

Niko Kovac fordert mehr Leidenschaft

Während sich die um den Klassenerhalt kämpfenden Bochumer in jeden Ball warfen und trotz sicherlich nicht ganz so starken technischen Fähigkeiten mutig nach vorne spielten, agierten die Wölfe viel zu zahm. Körpersprache, Zweikampfverhalten, Einsatzwille – da stimmte bei einigen so einiges nicht. Es ist dabei sicherlich unfair, einen einzelnen Spieler herauszupicken. Doch 25-Millionen-Euro-Neuzugang Lovro Majer bietet sich leider als bestes Beispiel für diese Mängelliste an. Der Kroate verlor sehr viele Zweikämpfe und schien gegen wackere Bochum nicht bereit, dahinzugehen, wo es wehtut. Leider war er damit nicht komplett allein im Team der Grün-Weißen.

„Es müssen alle elf Spieler mitmachen. Wenn sich der eine oder andere gerade im Ballbesitz des Gegners rausnimmt, dann geht das nicht. Es geht darum, dass mehr Leidenschaft an den Tag gelegt werden muss“, fordert Kovac zu Recht von seiner Mannschaft künftig ein anderes Auftreten.

Svanberg sorgt kurz für Hoffnung beim VfL Wolfsburg

Dabei hatte Mattias Svanberg mit einem Tor kurz vor dem Halbzeitpfiff in Bochum sogar noch einmal für Hoffnung für die zweite Hälfte gesorgt. Bis zu diesem Anschlusstreffer in der Nachspielzeit waren es erste 45 Minuten zum Vergessen für die Wölfe gewesen. Einen halbwegs gefährlichen Torschuss verzeichneten die Grün-Weißen durch Majer, sonst kam da nichts. Mit den Gegentreffern durch Patrick Osterhage (19.) und Bernardo (40.) waren die Gäste sogar noch gut bedient, da die Hausherren dazu noch einmal den Pfosten trafen.

Die zweite Hälfte wurde zwar besser, aber nur unwesentlich. Die Hoffnungen der Anhänger auf eine erfolgreiche Aufholjagd wurden enttäuscht. Es waren die Bochumer, die bei einem Konter durch Christopher Antwi-Adjei noch einmal zuschlugen (87.) und den Druck auf Kovac und sein Team vor dem DFB-Pokalspiel am Dienstag bei Borussia Mönchengladbach erhöhten.