DFB und NFV fordern: Kinder zurück auf den Platz

Barsinghausen.  DFB-Präsident Fritz Keller und der 1. Vizepräsident Dr. Rainer Koch wenden sich mit offenem Brief an die Verein. Der NFV unterstützt das Schreiben.

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So wie hier die E-Mädchen des FC Merkur Hattorf im vergangenen Sommer würden gerne Millionen Amateursportler wieder in den Trainingsbetrieb einsteigen.

So wie hier die E-Mädchen des FC Merkur Hattorf im vergangenen Sommer würden gerne Millionen Amateursportler wieder in den Trainingsbetrieb einsteigen.

Foto: Robert Koch / HK

Seit nunmehr fast vier Monaten ruht im niedersächsischen Amateurfußball das Leder, genauso wie in den weiteren Bundesländern. Aufgrund der Corona-Pandemie und den daraus resultierenden Einschränkungen ist die Saison unterbrochen, auch ein Trainingsbetrieb wird durch die Verordnungen untersagt. In einem offenen Brief haben sich nun DFB-Präsident Fritz Keller und der 1. DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch an die knapp Fußballvereine, Spieler, Trainer, Betreuer und ehrenamtlich Tätigen im Amateurbereich gewandt. Dabei nehmen sie Stellung zur aktuellen Situation im Breitensport.

„Nur zu gerne hätten wir Euch heute zugerufen: Macht die Sportplätze wieder auf, knipst das Flutlicht an und geht endlich wieder raus, geht kicken. Wir wissen, was Euch in diesen Tagen umtreibt. Wir wissen, dass die jetzt sinkenden Infektionszahlen Eure Ungeduld weiter wachsen lässt. Uns geht es nicht anders“, schreibt das Führungsduo des DFB und bekräftigt: „Wir wünschen uns ebenso wie alle Präsidentenkollegen in den Landesverbänden und anderen Sportarten, ebenso wie Millionen Amateursportler bundesweit, dass der Sport als Teil der Lösung begriffen wird.“

Einzigartige Vereinslandschaft

Der Sport und seine einzigartige Vereinslandschaft in Deutschland müsse daher in allen Entscheidungen Berücksichtigung finden, dürfe nicht vergessen, nicht abgehängt werden, heißt es in dem Schreiben. „Unser Land braucht den Sport – der Fußball als weltweite Sportart Nummer eins muss vorangehen. Wer über Lockerungen diskutiert, muss zwangsweise über den Amateursport sprechen. Dafür wird sich der DFB weiter mit aller Kraft, aber auch mit Realitätssinn für die Situation einsetzen. Denn: Fußball ist viel mehr als die Bundesliga oder die Nationalmannschaft“, sieht man beim DFB eine Vorreiterrolle, wenn es um die Rückkehr zur Normalität geht.

„Die gesamte Gesellschaft, alle Branchen sehnen derzeit Lockerungen herbei. Sobald diese im Falle weiter sinkender Infektionszahlen und anlaufender Impfungen möglich sind, müssen vor allem unsere Kinder und Jugendlichen auf die Plätze an der frischen Luft zurückkehren dürfen, zunächst zum Training, später wieder im Spielbetrieb. Sie leiden derzeit besonders stark unter den aktuellen Einschränkungen, und die Folgen des Bewegungsmangels sind noch gar nicht absehbar“, schreiben Keller und Koch und verweisen insbesondere auf den sozialen Faktor: „Freunde beim Fußball treffen, Spaß miteinander haben – auch das fehlt, gerade in Zeiten von Wechsel- und Distanzunterricht, was für viele Schüler ein echter Stressfaktor ist.“

NFV-Präsident stimmt zu

Dem stimmt auch Günter Distelrath, Präsident des Niedersächsischen Fußballverbands (NFV) zu: „Es ist für jeden eine extrem belastende Situation, vor allen aber für unsere Kinder und Jugendlichen. Wir müssen auch im Blick haben, welche Folgen dauerhafter Bewegungsmangel und fehlende soziale Kontakte gerade für die Kinder und Jugendlichen haben können.“

Distelrath untermauert daher, dass die Politik die besondere Bedeutung des Fußballs für die Gesundheit und das Gemeinwesen in ihre Überlegungen einbeziehen müsse. „Wir als NFV stehen dabei an der Seite unserer Vereine und fordern, dass es möglichst schnell eine Perspektive und eine Wiedereröffnungsstrategie für den Fußball gibt. Sobald es die Rahmenbedingungen zulassen, müssen vor allem die Kinder und Jugendlichen die Chance haben, zurückzukehren. In ihre Vereine, in ihre Mannschaften, zu ihren Freunden“, sagt der NFV-Präsident.

Trotz Rückstand nicht aufgeben

Keller und Koch ziehen derweil einen Vergleich mit dem Kampf auf dem grünen Rasen und versprechen: „So, wie wir sonst kein Spiel trotz Rückstand in der 90. Minute aufgeben, so geben wir kein Kind und keinen Jugendlichen verloren. Sie sind nicht nur die Zukunft des Fußballs, sie sind die Zukunft unserer Gesellschaft. In unseren Vereinen werden nicht nur Talente, Profis und Nationalspieler von morgen ausgebildet, sondern vor allem Menschen.“

Um über die Probleme im Amateurfußball noch detaillierter informiert zu sein, hat der DFB eine bundesweite Umfrage aufgesetzt, die sich an alle Spieler, Trainer, Betreuer und Ehrenamtliche richtet. Über allem steht dabei die Frage: Wie geht es dem Amateurfußball tatsächlich? Wie groß sind Sehnsucht und Notwendigkeit, endlich auf den Platz zurückzukehren? Welche Sorgen sind am ausgeprägtesten?

Weitere Informationen und der Link zur Umfrage unter www.nfv.de/aktuelles/detail/deine-stimme-ist-gefragt-wie-geht-es-dem-amateurfussball. Die Umfrage läuft bis zum 26. Februar.

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