Der Sportbetrieb im April ruht, nur langsam kehrt Leben ein

Osterode am Harz  Der zweite Teil des Rückblicks auf das Sportjahr 2020 im Altkreis Osterode steht weiterhin im Fokus der Corona-Pandemie.

Sowohl der TuSpo Petershütte wie auch der VfR Dostluk Osterode konnten ihre jeweilige Klasse halten.

Sowohl der TuSpo Petershütte wie auch der VfR Dostluk Osterode konnten ihre jeweilige Klasse halten.

Foto: Arne Hoffschlaeger / HK-Archiv

Anfang April – eigentlich sollte zu dieser Zeit die Fußball-Saison so richtig Fahrt aufnehmen, im Handball stünde der Endspurt an, auch im Tischtennis ginge es in den letzten Begegnungen um die Wurst. In diesem Jahr allerdings war alles anders. Aufgrund der Corona-Pandemie ruhte der Sportbetrieb, seit Mitte März ging nichts mehr. Statt auf den Spielfeldern um Punkte zu kämpfen, waren die Mannschaften zum Stillhalten gezwungen. Auf Funktionärsebene wurde währenddessen überlegt, wie und wann es nach dem Ende des Lockdowns in den verschiedenen Ligen weitergehen könnte, oder ob man dem Beispiel Volleyball folgen sollte. Hier wurde die Spielzeit schon Ende März für beendet erklärt.

Kein Aprilscherz: Saison wird abgebrochen

Am 1. April fällte der Tischtennis-Verband Niedersachsen (TTVN) seine Entscheidung: Die Saison wird abgebrochen und trotz unterschiedlicher Anzahl an absolvierten Begegnungen mit dem Stand der aktuellen Tabellen gewertet, inklusive Auf- und Abstieg. In einer Pressemitteilung bestätigte der Verband, dass man nach langer Beratung mit den weiteren Landesverbänden und dem Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) gemeinsam entschieden habe, die Saison 2019/2020 für alle Spielklassen und Wettbewerbe Deutschlands zu beenden. „Wir im TTVN haben uns dabei von der Tatsache leiten lassen, dass im Durchschnitt bereits circa 85 Prozent aller Spiele in den einzelnen Gruppen sportlich einwandfrei durchgeführt worden sind und diese große Anzahl an Ergebnissen bei der Wertung berücksichtigt werden sollte“, erklärte TTVN-Vizepräsident Dr. Dieter Benen.

Die Wertung wurde später noch um eine Härtefallregel erweitert. Teams, die nach der Quotienten-Tabelle einen Aufstiegsplatz eingenommen hätten oder nicht auf einem Abstiegsplatz gestanden hätten, konnten entsprechend ihre Meldungen abgeben. Bis allerdings tatsächlich wieder organisiert im Verein Tischtennis trainiert und gespielt werden konnte, dauerte es. Die Pause überbrückten die Aktiven teils auf interessante Art. So wurde angesichts geschlossener Turnhallen eine alte Scheune zur Sportarena umgebaut oder man wich in den Hobbykeller des Teamkollegen aus.

HSG-Handballer bleiben ohne Heimniederlage

Etwas länger als der TTVN brauchte der HVN, dann stand Mitte April fest, dass die Saison auch für die Handballer beendet ist. Gewertet wurde nach der Quotienten-Regel, wobei auf Absteiger verzichtet wurde. Die HSG-Herren beendeten die Spielzeit als Fünfter und ohne eine einzige Heimniederlage. „Ein überragendes sportliches Ergebnis, gerade, wenn man unser Verletzungspech anschaut. Ich bin sehr stolz auf das Team“, lobt Trainer Jens Wilfer seine Schützlinge, die sich in der Verbandsliga erneut zur stärksten Mannschaft der Region krönten. Freuen durften sich auch die zweiten HSG-Herren, die den Aufstieg in die Landesliga schafften.

Wesentlich schwerer taten sich hingegen die Fußballer mit ihrer Entscheidung, ehe auch im NFV die Saison abgebrochen wurde. „In keiner anderen Sportart ist die gesamte Problematik so komplex – viele Staffeln, Spielebenen, Teams. Dazu die Schwierigkeit, dass wir Freiluftsportler sind“, erklärte Klaus Henkel, der Kreisspielausschuss-Vorsitzende, die Probleme. Nachdem der Spielbetrieb offiziel nur unterbrochen war, plädierte das NFV-Präsidium schließlich für eine Fortsetzung der Spielzeit ab September. Die Mehrheit der Vereine und NFV-Kreise, darunter auch der Kreis Göttingen-Osterode, favorisierte hingegen einen Abbruch und einen Neustart im Herbst. Warum, erläuterte unter anderem Rüdiger Lakemann, Trainer des Kreisligisten SSV Neuhof: „Ich plädiere für einen Abbruch, um dann im August oder September mit der neuen Saison zu starten. Letztlich geht es auch um Wechselmodalitäten, eine Planungssicherheit für die Vereine, die Regelungen im Jugendbereich und so weiter.“

Fußballer können dank Quotienten-Regel die Klasse halten

Dieser Abbruch, ohne Absteiger, aber mit Aufsteigern, wurde dann auch auf einem außerordentlichen Verbandstag des NFV von den Delegierten mit großer Mehrheit beschlossen, verbunden mit einer Quotienten-Regel für die Tabellen. Für die höherklassigen Teams im Altkreis Osterode hatte das durchaus erfreuliche Auswirkungen, schließlich konnten so TuSpo Petershütte (Landesliga), der VfR Dostluk Osterode und der SV Rotenberg (beide Bezirksliga) die Klasse halten. Alle drei Teams hatten sich zum Zeitpunkt der Saisonunterbrechung tief im Abstiegskampf befunden.

Auch wenn der Spielbetrieb ruhte, ab Mitte Mai kehrte zumindest langsam wieder Leben auf die Fußballplätze zurück. Aufgrund gelockerter Regelungen konnten die Mannschaften wieder mit dem Training beginnen, wenngleich zunächst noch auf Abstand geachtet werden musste und strenge Hygieneregeln galten. „Wir machen das aber auf freiwilliger Basis, keiner muss dabei sein“, berichtete Wolfgang Pilz, der damalige Trainer der Petershütter, und ergänzte: „Mit einem normalen Training hat das aufgrund der Einschränkungen eh nicht so viel zu tun.“ Nach und nach kehrten in der Folge auch viele weitere Teams in den Trainingsbetrieb zurück, auch im Jugendbereich wurde unter Auflagen wieder trainiert.

Basketballer bleiben im Spielbetrieb

Voll im Spielbetrieb standen dagegen die Profi-Basketballer der BG Göttingen. Zwar wurde auch in der Bundesliga die reguläre Saison abgebrochen, im Juni fand aber ein Finalturnier in München statt. Daran nahmen die Veilchen als eines von zehn BBL-Teams teil. Die Mannschaften lebten dabei in einer sogenannten Bubble, hatten keinen Kontakt nach außen und spielten im Audi-Dome ohne Zuschauer. Für die Truppe von Johan Roijakkers, der nach dem Turnier seinen Wechsel nach Bamberg bekannt gab, lief es sehr ordentlich. Die Göttinger erreichten das Viertelfinal und schieden hier gegen den späteren Meister Alba Berlin aus.

Da in Niedersachsen im Frühling und Sommer Großveranstaltungen untersagt waren, fielen etliche fest im Terminkalender verankerte Events auch im Altkreis Osterode aus. Der Hattorfer Oderpark-Seelauf und der Südharzer Vitallauf in Bad Sachsa fanden nicht statt, der Osteroder Stadtwaldlauf wurde zunächst verschoben und dann ganz abgesagt. Nicht besser erging es dem Harzer Keiler Run, die Schlammschlacht rund um Hörden konnte nicht stattfinden. Besuchermagneten wie der Osteroder City-Beach Cup und das Kräftemessen der Leichtathleten beim Sparkassen-Meeting mussten aufgrund der Corona-Pandemie und der geltenden Auflagen ebenfalls ausfallen.

Lichtblick gab es im Tennis

Einen Lichtblick gab es hingegen beim Tennis. Sah es im April noch so aus, als müsste die komplette Punktspielsaison ausfallen, waren im Juni nun nur noch geringe Einschränkungen zu beachten. So konnte mit gut sieben Wochen Verspätung tatsächlich die Punktspielrunde starten. Selbst Doppel waren erlaubt, ebenso standen im Anschluss die Duschen und Umkleideräume wieder zur Verfügung. Aus dem Altkreis Osterode hatten allerdings viele Vereine die Option des Verbands wahrgenommen, ihre Teams ohne Bestrafung zurückzuziehen. Zudem wurde die Saison ohne Auf- und Abstieg gespielt.

Bemerkenswert war während der offiziellen Sportpause das Engagement der Vereine. Zwar durfte nicht zusammen trainiert werden, jeder für sich durfte aber durchaus Sport treiben. So entwickelten ich in den Clubs viele Online-Challenges und Aktivitäten, wie zwar räumlich getrennt, aber doch irgendwie gemeinsam Sport getrieben wurde.

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