Braunschweig. Die Suche nach Konfrontation und Gewalt im Stadion, gibt es aufseiten der Fans und der Polizei, kommentiert Sportredakteur Lars Rücker.

Auf zahlreichen Spruchbändern bekam die Polizei in den deutschen Profifußball-Stadien am Wochenende ihr Fett weg. Auch in Braunschweig veranlasste ein Banner mit der beleidigenden Aufschrift „ACAB“ (All Cops are Bastards) die Eintracht dazu, sich von dieser Aktion zu distanzieren. Klar, ein anderer Protest der Kurve wäre begrüßenswert gewesen. Doch dass es ein Echo der organisierten Fans gibt, ist alles andere als ein Zufall.

Vandalismus und Angriffe auf Stadion-Besucher gehen gar nicht, aber...

Wochenlang wurden von Politikern und Behörden Pauschalurteile und Klischees öffentlich breitgetreten. Dabei ist es zu kurz gedacht, den Fußball-Fans die alleinige Schuld für die jüngsten Ausschreitungen in die Schuhe zu schieben. Natürlich gehen Vandalismus, kontextloser Einsatz von zu viel Pyrotechnik und Angriffe auf andere Stadionbesucher überhaupt nicht. Trotzdem sollten sich vor allem die Innenministerien und Polizeifunktionäre davor hüten, nach dem Verbot von Gästefans zu schreien. Außerdem: Wer eine Selbstreinigung von den Ultraszenen der Klubs fordert, muss auch vor der eigenen Haustüre kehren.

Pfefferspray- und Wasserwerfer-Einsätze mit Kalkül und Willkür

Die Polizei ist ein Riesenapparat. Schwarze Schafe gibt es auch dort. Wer viel bei Fußballspielen unterwegs ist, bekommt mit, wie Beamte es im Schutze der Anonymität genießen, ihre Macht auch gegenüber friedlichen Fans und neutral gekleideten Zuschauern auszuspielen. Pfefferspray- und Wasserwerfer-Einsätze auf so heterogen zusammengesetzte Personengruppen, wie es Auswärtsfans nun einmal sind, beinhalten Willkür und Kalkül und tragen nicht zur Deeskalation bei. Die Suche nach Konfrontation und Gewalt im Stadion, gibt es leider aufseiten der Fans und der Polizei. Nur wenn das endlich verstanden wird, ist eine Lösung möglich. Andernfalls droht die nächste Eskalationsstufe.