Braunschweig. Weil die Online-Abstimmung nicht funktioniert, muss ein neuer Termin her. Immerhin: Verein und Kapitalgesellschaft erzielen Gewinn.

Um 19.33 Uhr war das Desaster perfekt. Nicole Kumpis musste den Abbruch der ordentlichen Mitgliederversammlung verkünden, auf der sie eigentlich wiedergewählt werden wollte als Präsidentin der Eintracht. Daraus wurde am Freitagabend im Businessbereich des Eintracht-Stadions allerdings nichts. Denn die Technik streikte und sorgte für einen Abbruch. Die von außerhalb digital zugeschalteten Mitglieder konnten sich nicht einwählen und somit nicht abstimmen in den wichtigsten Tagesordnungspunkten. Kumpis traf daran keine Schuld. Eine Niederlage ist es für sie und den Rest des Präsidiums sowie des Vereins aber trotzdem. Au, au, JHV.

Als immer klarer wurde, dass sich die Mitglieder digital nicht zuschalten konnten und ein Abbruch im Raum stand, veränderte sich freilich Kumpis‘ Stimmlage. Sie hatte ganz zu Beginn noch voller Tatendrang und Energie angekündigt, dass es eine lange Jahreshauptversammlung werden dürfte mit vielen wichtigen Entscheidungen. Nun wurde es wohl eine der kürzesten jemals. Ein Dienstleister, mit dem die Eintracht bei Jahreshauptversammlungen zuvor schon mehrfach positiv zusammengearbeitet hatte, hatte die Technik bereitgestellt. Diesmal streikte sie, Abbruch. „Die Inhalte sind dermaßen wichtig für den Verein, dass wir die Sitzung seriös vertagen. Wir wollen sicherstellen, dass jeder, der teilnehmen möchte, auch in der Lage ist, teilzunehmen“, sagte Kumpis.

Viele Fragen: Darf sich ein neuer Präsidentschaftskandidat bewerben?

Der Abbruch sei „die fairste und rechtssicherste Lösung, für die sich die anwesenden Mitglieder auch mit überwältigender Mehrheit bei nur zwei Gegenstimmen entschieden haben“, sagte Rechtsanwalt Dr. Martin Mack, der als Rechtsbeistand fungiert. Nun müssen die Mitglieder neu eingeladen werden. In frühestens sechs Wochen steigt dann die nächste ordentliche Jahreshauptversammlung. Aber es dürfte kompliziert werden. Einladungen müssen verschickt, Termine koordiniert werden. Die Profi-Fußballer beispielsweise müssten spielfrei sein. Vieles war am Freitagabend noch unklar. Auch die Frage, ob sich ein neuer Präsidentschaftskandidat zur Wahl stellen darf.

Immerhin: Die Eintracht freut sich über eine positive Mitgliederentwicklung und positive Finanzergebnisse beim Gesamtverein und der ausgegliederten Kapitalgesellschaft. Das ergab die Jahreshauptversammlung vor dem Technik-Drama. Präsidentin Kumpis verkündete, kürzlich habe der Verein sein 6500. Mitglied begrüßen können. „Es zeichnet sich kontinuierliches Wachstum ab“, sagte sie.

819.000 Euro für Eintracht durch Mitgliedsbeiträge

Der Gesamtverein schließt das Vereinsjahr 2022/2023 mit einem Jahresüberschuss von 218.000 Euro ab. Im Vorjahr hatte es noch einen Verlust von 91.000 Euro gegeben. Die Mitgliedsbeiträge fielen rekordverdächtig aus. 819.000 Euro wurden dadurch eingenommen. Mehr denn je. 2021/2022 lagen die Beiträge noch bei 724.000 Euro. „Durch das stetige Mitgliederwachstum konnten wir den personellen Einsatz bei Trainern und Übungsleitern, aber auch im administrativen Bereich unseres Vereins erheblich steigern“, sagt Rainer Cech.

„Damit wurde die Qualität und Professionalisierung der Vereinstätigkeit in den vergangenen Jahren deutlich vorangebracht. Mit dem positiven Jahresergebnis konnten wir unserem Ziel, die Vereinstätigkeit unabhängig von der Entwicklung der Kapitalgesellschaft aus eigenen Einnahmequellen zu finanzieren, gerecht werden. Allen, die dazu innerhalb und außerhalb des Vereins, in den Abteilungen oder der Geschäftsstelle beigetragen haben, sei an dieser Stelle sehr herzlich gedankt“, sagt der Vizepräsident Finanzen, der das Gremium verlässt und durch Thies Vogel ersetzt werden soll.

Transfer von Immanuel Pherai brachte 750.000 Euro ein

Cech ist zugleich Mitglied des Aufsichtsrats der ausgegliederten Kapitalgesellschaft, der er anders als dem Präsidium des Gesamtvereins weiter angehört. Auch die Profifußballer kamen auf ein positves Finanzergebnis. 161.000 Euro kamen zusammen, im Vorjahr waren es noch Verluste in Höhe von 508.000 Euro gewesen. „Uns ist es damit gelungen, nach den Vorjahresverlusten wieder positive Zahlen zu schreiben“, sagt Cech. Unter anderem der Transfer von Immanuel Pherai zum Hamburger SV für 750.000 Euro dürfte einen nicht unwichtigen Teil des Ergebnisses ausgemacht haben.