Braunschweig. In Runde 1 des Pokals gehen zwei Ideen von Trainer Jens Härtel auf. Sein Team ist besser, aber noch nicht gut genug.

Es war alles angerichtet rund ums Erstrundenspiel des DFB-Pokals zwischen der Eintracht und Schalke 04: Das Wetter? Hervorragend. Die Atmosphäre? Überragend. Die Zweitliga-Tristesse? Beiseitegelegt im Pokal. Die kleine Extramotivation? Passend. Hannover 96 war zuvor mit 5:7 nach Elfmeterschießen gegen Drittligist Sandhausen aus dem Pokal geflogen. Und die Eintracht? Die legte eine beherzte Anfangsphase hin, zeigte eine klare Reaktion auf die Auftaktniederlagen in der 2. Bundesliga und ging gegen sehr biedere Schalker durch Anthony Ujah sogar mit 1:0 in Führung (12. Minute). Aber die Braunschweiger verloren am Ende doch.

Noch in Hälfte 1 drehten Kenan Karaman (19.) und Paul Seguin (42.) die Partie im ausverkauften Eintracht-Stadion (21.800 Fans) an der Hamburger Straße. Nach 90 Minuten stand ein 1:3 (1:2) auf der Anzeigetafel, Danny Latza erzielte in der Nachspielzeit das 1:3. Jens Härtels Team ist raus. Aber mit Applaus.

Eintracht Braunschweig zeigt sich in verbesserter Form

Der Trainer kann sich zwar nicht über den ersten Pflichtspielsieg in Blau-Gelb freuen, aber verbuchen, dass seine Maßnahmen Wirkung zeigten. Zwei Elemente stachen hervor.

Zunächst hatte Härtel seine taktische Formation verändert. Statt wie zuvor auf ein 3-4-3 stellte er um auf ein 3-4-1-2. Der Effekt: Johan Gomez bekam im zentralen offensiven Mittelfeld gestalterische Freiheiten und wusste diese auch zu nutzen. Dieser Raum zwischen Defensive und Offensive war in den ersten beiden Spielen gegen Kiel (0:1) und in Magdeburg (1:2) viel zu oft unbesetzt geblieben. Gomez, Neuzugang aus Zwickau, trat sehr engagiert auf. Auch die Idee, Fabio Kaufmann im Angriff an die Seite Ujahs zu stellen, ging auf. Mit seiner Laufintensität legte Kaufmann immer wieder zahlreiche Schwächen in Schalkes Defensive auf.

So wie in Minute 12, als er Schalkes unsicheren Torhüter Marius Müller nach einem schwachen Rückpass von Timo Baumgartl unter Druck setzte und so dafür sorgte, dass Ujah den Ball ins verwaiste Gehäuse lupfen konnte. Ein starkes Tor und der verdiente Lohn einer beherzten und druckvollen Anfangsphase.

Lebhafter, aggressiver Auftritt der Eintracht

Element 2 war die Emotionalität. Es war von Sekunde 1 an ein lebhafter, aggressiver Auftritt des Eintracht-Teams. Ganz anders noch als über weite Strecken in den Partien gegen Kiel und in Magdeburg, nach der sowohl Trainer Härtel als auch Sportchef Peter Vollmann die Mentalität einiger Spieler infrage gestellt hatten. In der Hinsicht zeigte das Team eine eindeutige Reaktion. Auch die Hereinnahme des emotionalen Anführers Robin Krauße spielte hier mit rein.

Und warum verloren die Blau-Gelben die Partie gegen die Königsblauen? Das 1:1 nach einem unglücklich von Ujah verlängerten Standard genau vor die Füße Karamans fiel zu schnell nach dem Braunschweiger 1:0. Das Tor zum 2:1 durch Seguin war wunderbar herausgespielt. Und die Leistungssteigerung auf Eintracht-Seite war zwar unverkennbar, aber noch immer nicht ausreichend, um Schalke in die Knie zu zwingen. Braunschweig war besser, aber ist noch immer nicht gut genug.

Der Aufstiegsfavorit aus Gelsenkirchen weiß wahrscheinlich selbst nicht, wie er die Partie in Braunschweig gewinnen konnte. Seine Leistung war schwach. Zwei Offensivaktionen reichten den Schalkern für zwei Tore. Und obwohl sie teils vogelwild agierten, kassierten sie keinen weiteren Treffer. Negativer Höhepunkt aus Schalke-Sicht: ein falscher Einwurf von Cedric Brunner in Minute 56. Nur: Die Eintracht konnte Schalkes Schwächen nicht nutzen. Am knappsten war es noch in Minute 89, als Rayan Philippe an Schalke-Keeper Müller scheiterte.

So geht dem chronisch klammen Klub auch ein schöner Haufen Geld durch die Lappen. Durch den Einzug in Runde 2, der möglich gewesen wäre, hätte es vom Deutschen Fußball-Bund 431.200 Euro gegeben. Schon die Teilnahme an der ersten Runde bringt den Klubs 216.000 Euro ein.

Die Zweitrundenprämie hätte Geschäftsführer Vollmann gern in einen Neuzugang investiert. Drei sollen es nach unseren Informationen noch werden, um die Mannschaft von Härtel in Qualität und Quantität zu verbessern. Besonders in der Offensive drückt der Schuh. Der Sturm um Ujah muss noch besser versorgt werden, dafür braucht es einen spielstarken Mittelfeldspieler.

Das wurde auch im Spiel gegen Schalke sichtbar. Keine Frage: Es war eine verbesserte Eintracht. Aber es reichte noch immer nicht.