Polizeidirektion Göttingen erhöht die Anzahl an Bodycams

Göttingen  Die Körperkameras sollen die Beamten schützen und Polizeieinsätze transparenter machen. Die Technik wird bereits seit 2019 genutzt.

Ein großer Knopf auf der Vorderseite startet die Kamera, ein rotes Licht auf der Bodycam signalisiert die Aufnahme.  

Ein großer Knopf auf der Vorderseite startet die Kamera, ein rotes Licht auf der Bodycam signalisiert die Aufnahme.  

Foto: Helge Landmann / regios24

Die Polizeidirektion Göttingen setzt ab sofort weitere 64 Körperkameras als Einsatzmittel für den täglichen Dienst ein. Somit sind jetzt insgesamt 121 Bodycams im Zuständigkeitsbereich der PD Göttingen im Einsatz. Das meldete die Polizei am Montagvormittag. Seit Dezember 2019 sind in der PD Göttingen bereits 57 Körperkameras im Einsatz, die auf die operativen Einsatzbereiche der einzelnen Polizeiinspektionen verteilt worden sind. Die Polizeivollzugsbeamten seien sowohl in der technischen und taktischen Anwendung der Kameras als auch über die rechtlichen und datenschutzrechtlichen Voraussetzungen umfassend aus- und fortgebildet worden, heißt es weiter.

Die Datensicherheit der Aufzeichnungen war 2019 diskutiert worden, als bekannt wurde, dass die Bundespolizei die Aufzeichnungen der eingesetzten Bodycams auf Servern des amerikanischen Techniker-Unternehmens Amazon speicherte. Eine Anfrage unserer Zeitung beim niedersächsischen Innenministerium ergab jedoch, dass die Polizeien des Landes und somit auch in Göttingen die Aufzeichnungen zentral auf Servern des Landesbetriebs IT.Niedersachsen speichern. Wie eine Pressesprecherin der Polizeidirektion in Hannover gegenüber unserer Zeitung erklärte, kommen die Bodycams nach einem Einsatz in eine Dockingstation, über die die Aufzeichnungen sicher auf den deutschen Server übertragen werden.

Die Körperkameras sollen auch die Sicherheit der Beamten im Einsatz erhöhen

Die Polizei möchte mit dem Einsatz der Körperkameras die Sicherheit der Beamten im Einsatz erhöhen. Laut der Mitteilung wurden seit Einführung die Aufzeichnungen der Bodycams im Bereich der Polizeidirektion Göttingen bisher 150 Mal als Beweismittel von Straftaten wie zum Beispiel Widerstandshandlungen, bei Verkehrsordnungswidrigkeiten und im Rahmen der Gefahrenabwehr, eingesetzt. „Unser primäres Ziel ist es, durch den verstärkten Einsatz von nunmehr zusätzlich angeschafften Bodycams, Übergriffe auf unsere Polizeibeamten durch eine präventive Wirkung zu reduzieren“, so Polizeipräsident Uwe Lührig. „Des Weiteren soll durch den Einsatz der Bodycams natürlich auch der Schutz Dritter verbessert werden.“

In den vergangenen Jahren hat die Gewalt gegen Amtsträger weiter zugenommen. Die Polizeidirektion Göttingen verzeichnete für das Jahr 2018 noch 393 Delikte im Bereich „Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamte“, für das Jahr 2019 waren es bereits 461 Delikte. Die Tendenz der Anzahl an Gewaltdelikten gegen Polizeivollzugsbeamte für das Jahr 2020 ist weiterhin steigend. Die offene und vorher stets anzukündigende Nutzung der Körperkameras wird gerade auch in Einsatzsituationen des täglichen Dienstes, wie Anhalte- und Kontrollvorgängen notwendig.

Die Nutzung der Kameras muss angekündigt werden und ist auf Uniformen kenntlich gemacht

Die Videotechnik wird ausschließlich von Einsatzkräften genutzt, die ein gut sichtbares Hinweisschild mit der Aufschrift „Videoaufzeichnung“ an ihrer Uniform tragen. „Für uns ist ein hohes Maß an Transparenz beim Einsatz der Bodycams wichtig. Zusätzlich dient dieser aber auch der Nachvollziehbarkeit und somit der Überprüfbarkeit polizeilicher Handlungen und Maßnahmen“, erklärt der Polizeipräsident.

Außerdem sei die Bodycam ein geeignetes Mittel zur Deeskalation, so die Polizei, und führt ein verdeutlichendes Beispiel bei einer stationären Verkehrskontrolle an: Ein Radfahrer sollte hier nach einem durch ihn begangenen Verkehrsverstoß angehalten und kontrolliert werden. Der besagte Radfahrer reagierte verständnislos, wurde beleidigend und baute sich zudem in bedrohlicher Körperhaltung vor den Beamten auf. Aufgrund der Gesamtsituation wurde die mitgeführte Bodycam nach Ankündigung eingeschaltet. Der besagte Fahrradfahrer änderte sein Verhalten schlagartig. Dieser blieb, was die ihm vorgeworfene Verkehrsordnungswidrigkeit betrifft, zwar weiterhin uneinsichtig, sein aggressives Verhalten legte er jedoch augenblicklich ab und entschuldigte sich mehrfach gegenüber den Einsatzkräften für die vorangegangenen Beleidigungen.

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