Schlafende Ehefrau im Wohnzimmer erschossen

Einbeck  Neun Monate nach dem gewaltsamen Tod einer Frau in Einbeck muss sich deren Ehemann nun ab dem 26. Januar vor Gericht verantworten.

Foto: Corgarashu / Fotolia (Symbol)

Neun Monate nach dem gewaltsamen Tod einer 27-jährigen Frau in Einbeck kommt der Fall nun vor Gericht. Ab dem 26. Januar muss sich der Ehemann der Getöteten vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Göttingen verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat den 49-Jährigen unter anderem wegen Mordes angeklagt (wir berichteten).

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeschuldigten vor, am 14. April 2020 um kurz vor Mitternacht seine schlafende Ehefrau heimtückisch erschossen zu haben. Diese habe zuvor auf der Couch im Wohnzimmer ihres gemeinsam bewohnten Einfamilienhauses in Einbeck entspannt Musik gehört und sei dann eingeschlafen. Die 27-Jährige habe mit keinem Angriff ihres Ehemannes gerechnet und sei arglos gewesen. Die Obduktion der Gerichtsmedizin hatte ergeben, dass die Mutter von drei kleinen Kindern von einem Kopfschuss getroffen wurde. Der Angeschuldigte hatte damals selbst über Notruf die Rettungsdienste alarmiert und mitgeteilt, dass er glaube, seine Ehefrau versehentlich erschossen zu haben. Als die Polizeibeamten eintrafen, war er offenkundig stark alkoholisiert. Da er nach Einschätzung eines Arztes in diesem Zustand haftunfähig war, wurde er unter polizeilicher Bewachung in ein Krankenhaus gebracht und kam dann am Folgetag in polizeilichen Gewahrsam. Der Ehemann gab an, dass er am Tatabend seine Pistole gereinigt und sich dabei ein Schuss gelöst habe. Da sich zu dem Zeitpunkt noch nicht feststellen ließ, ob der tödliche Vorfall womöglich auf Fahrlässigkeit zurückzuführen war, wurde der 49-Jährige zunächst wieder auf freien Fuß gesetzt. Fünf Monate später nahmen ihn dann jedoch Einsatzkräfte der Polizei im September 2020 unter Mordverdacht fest. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte sich im Zuge der Ermittlungen aufgrund zahlreicher Indizien der Verdacht erhärtet, dass es sich um ein vorsätzliches Tötungsdelikt gehandelt habe. Hierauf deute insbesondere die Spurenlage am Tatort hin. Außerdem hätten sich durch weitere Ermittlungen Hinweise auf ein mutmaßliches Tatmotiv ergeben. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass der Angeschuldigte sich von seiner Ehefrau trennen wollte, ohne die gemeinsamen drei Kinder zu verlieren. Diese sollen sich zum Zeitpunkt der Tat in der Wohnung befunden haben. Die Staatsanwaltschaft hielt die zusammengetragenen Indizien schließlich für ausreichend, um einen Haftbefehl zu beantragen und Anklage wegen des dringenden Tatverdachts des Mordes vor dem Landgericht in Göttingen zu erheben. Die Schwurgerichtskammer hat für den Prozess insgesamt sieben Verhandlungstage angesetzt. Nach der derzeitigen Planung wäre dann Anfang April mit dem Urteil zu rechnen.

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