Schullandheim in St. Andreasberg droht das Aus wegen Corona

St. Andreasberg.  Seit Mitte März fehlen die Gäste. Die Pächter bitten die Stadt Wolfsburg um eine vorzeitige Auflösung des Vertrages.

Völlig verlassen liegt das Schullandheim der Stadt Wolfsburg nun auf der St. Andreasberger Jordanshöhe.  

Völlig verlassen liegt das Schullandheim der Stadt Wolfsburg nun auf der St. Andreasberger Jordanshöhe.  

Foto: Karl-Heinz Siebeneicher / GZ-Archiv

So hatten sich Alli und Tina Ballhausen ihren Abschied vom Schullandheim der Stadt Wolfsburg nicht vorgestellt. Ende April nächsten Jahres läuft ihr Pachtvertrag für das Haus auf der Jordanshöhe regulär aus, doch bis dahin werden sie die finanzielle Durststrecke wohl kaum überstehen, fürchten die Pächter und bitten die Stadt Wolfsburg daher um eine vorzeitige Auflösung des Vertrages zum Jahresende.

„Eine Katastrophe“

Seit dem 16. März steht das Haus leer. Und das, obwohl man für das ganze Jahr 2020 ausgebucht war, sagen die Pächter. Während das Personal in Kurzarbeit ist, verwalten Alli und Tina Ballhausen das riesige Gebäude. „Das ist für uns alle eine Katastrophe“, sagt Tina Ballhausen. Zumal nach wie vor unklar ist, ob es für Schullandheime und Jugendherbergen finanzielle Entschädigungen gibt.

Für alle Stornierungen, die in die Zeit des bundesweiten Reiseverbots zwischen Mitte März und 21. Juni fallen, gebe es jedenfalls keine Erstattungen seitens des Landes, hat Tina Ballhausen von der Niedersächsischen Finanzbehörde erfahren.

Hoffnung macht den Ballhausens jetzt ein Vorstoß der Wolfsburger Landtagsabgeordneten Immacolata Glosemeyer (SPD), die gerade ein „neues Sonderprogramm für in Not geratene Jugend- und Familieneinrichtungen“ angekündigt hat. In einem zweiten Nachtragshaushalt des Landes sollen dafür 29,8 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden, so die Abgeordnete Glosemeyer in einer Pressemitteilung.

Fast drei Jahrzehnte engagiert

Seit 1963 unterhält die Stadt Wolfsburg ihr Schullandheim auf der Jordanshöhe. Zunächst wurde es vom Ehepaar Necke geleitet, 1994 übernahmen Alli und Tina Ballhausen die Leitung. Sie öffneten das Haus mit seinen 78 Betten und der eigenen Sporthalle auch für Familien, Vereine, Interessengemeinschaften und Einzelgäste und trugen mit ihrem Engagement fast drei Jahrzehnte lang zum Image der Bergstadt bei.

Ursprünglich hatten die Pächter ihren Vertrag mit der Stadt Wolfsburg gern über das festgelegte Ende im April nächsten Jahres hinaus verlängern wollen. Doch davon haben sie inzwischen Abstand genommen. Mindestens 280.000 Euro fehlen dem Schullandheim in diesem Jahr. Eine Summe, so stellt Alli Ballhausen fest, die nötig gewesen wäre, um alle Kosten zu meistern. Selbst die Begleichung der Stornorechnungen durch das Kultusministerium wäre nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen. Kurzum, ein „wirtschaftlicher Totalausfall“, fasst es Tina Ballhausen zusammen.

Pacht vorerst ausgesetzt

Mit der Stadt Wolfsburg haben die Ballhausens erst einmal eine Aussetzung der Pacht vereinbart, Gespräche über ein vorzeitiges Ende des Vertrages stehen noch aus. Seitens des Verpächters gab es auf Anfrage der Goslarschen Zeitung „aufgrund der Urlaubssituation“ vergangene Woche keine Auskunft.

Für den September stehen bei den Ballhausens bisher noch drei Buchungen im Kalender. Eigentlich ein Lichtblick, weiß die Pächterin. Andererseits fragt sie sich, ob angesichts der aktuellen Entwicklungen bei den Infektionszahlen die Unterbringung von Jugendgruppen nicht ein zu großes Risiko berge.

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