Weiterhin deutlich mehr Arbeitslose als im vergangenen Jahr

Göttingen.  Die Agentur für Arbeit Göttingen stellt den Arbeitsmarktbericht für den Juli vor. Die Arbeitslosigkeit liegt weiter deutlich über dem Vorjahresniveau.

Die Arbeitslosenquote in den Kreisen Northeim und Göttingen im Juli.

Die Arbeitslosenquote in den Kreisen Northeim und Göttingen im Juli.

Foto: F. Layda / Harz Kurier

Saisonal bedingt steigen in der Region alljährlich im Juli die Arbeitslosenzahlen. Darüber informiert die Agentur für Arbeit Göttingen in ihrem jüngsten Arbeitsmarktbericht für den Monat Juli.

Demnach stieg die Zahl der Arbeitslosen gegenüber Juni in Südniedersachsen im zurückliegenden Monat um 255 beziehungsweise 1,6 Prozent auf insgesamt 15.845 an. Dieses Plus liegt für die Region unter dem durchschnittlichen Anstieg der letzten Jahre. Im Vergleich zum Vorjahresmonat erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen allerdings um 2.877 (22,2 Prozent).

Besonders stark sei weiterhin der Anstieg im Bereich der Arbeitslosenversicherung. Hier waren im Juli 6.328 Arbeitslose gemeldet. Damit hat sich die Zahl der Arbeitslosen, die von der Agentur für Arbeit betreut werden, im Vergleich zum Vorjahresmonat um 42 Prozent beziehungsweise 1.871 erhöht. Auch gegenüber Juni stieg der Wert um 6,4 Prozent beziehungsweise 380 an, teilt die Agentur mit.

Im Bereich der Grundsicherung für Arbeitsuchende, der von den Jobcentern verantwortet wird, wuchs die Zahl der Arbeitslosen binnen Jahresfrist um 1.006 beziehungsweise 11,8 Prozent an. Im Juli wurden somit 9.517 arbeitslose Menschen in den Jobcentern betreut. Allerdings sei gegenüber Juni ein leichter Rückgang der Arbeitslosenzahlen um 1,3 Prozent zu verzeichnen gewesen.

Klaus-Dieter Gläser, Chef der Göttinger Agentur für Arbeit, erläutert die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. „Der wiederkehrende Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juli hat insbesondere zwei Faktoren: Zum einen ist das die sommerliche Urlaubszeit, die sich in den Betrieben mit reduzierten Einstellungen bemerkbar macht. Zum anderen steigt in den Sommermonaten regelmäßig die Zahl junger Arbeitsloser“. Das wiederum, so Gläser, hänge vornehmlich mit zwei Faktoren zusammen: Mit der vorübergehenden Arbeitslosmeldung von Schulabgängern bis zum Ausbildungs- oder Studienbeginn und der Arbeitslosmeldung von Ausbildungsabsolventen. „Da nicht alle Betriebe ihre Nachwuchskräfte nach der Ausbildung übernehmen können und Absolventen schulischer Ausbildungen im Anschluss erstmals einen Arbeitgeber suchen, melden sich nach der Abschlussprüfung im Sommer viele neue Fachkräfte arbeitslos. Das ist jetzt die Chance für Betriebe, die selbst vielleicht nicht ausbilden oder zusätzlichen Bedarf haben, sich junge Talente für ihr Haus zu sichern“, wirbt der Agenturleiter.

Derweil hat sich nach dem Einbruch der Nachfrage im April der Zugang der Stellenangebote in der Arbeitsagentur auf mittlerem Niveau stabilisiert. Im Juli gingen 1.001 Arbeitsofferten aus Wirtschaft und Verwaltung ein. Das waren soviel wie im Vormonat, allerdings 313 weniger als im Juli 2019. Der Bestand an offenen Stellen lag im Juni bei 3.738.

Kurzarbeit

Für den Monat März steht jetzt die erste Hochrechnung zur tatsächlichen Inanspruchnahme von Kurzarbeit zur Verfügung, heißt es vonseiten der Agentur. Danach haben im ersten Monat der Corona-Pandemie im Agenturbezirk Göttingen 1.893 Betriebe von Kurzarbeit Gebrauch gemacht. Von dieser beschäftigungssichernden Förderung profitierten im März 13.261 Beschäftigte.

Im Juli reichten nach vorläufigen Daten weitere 46 Betriebe Anzeigen auf Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit ein.

Aussagen, wie viele Menschen letztlich von Kurzarbeit betroffen sind, ließen sich erst mit einem zeitlichen Verzug von mehreren Monaten treffen, wenn endgültige Zahlen für die tatsächliche Inanspruchnahme vorliegen, so die Agentur weiter.

Unterbeschäftigung

Ergänzend zur gesetzlich definierten Arbeitslosenzahl veröffentlicht die Agentur für Arbeit Angaben zur Unterbeschäftigung. Dabei zählen zu den Arbeitslosen zusätzlich solche Personen, die nicht als arbeitslos gelten, die aber etwa im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden. Die Unterbeschäftigung betrug nach vorläufigen Angaben im Juli 19.844. Der Wert stieg damit um 10,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Betriebe wie Ausbildungsuchende sollten auch kurz vor dem regulären Beginn der ersten Ausbildungen am 3. August nicht die Hoffnung aufgeben, denn noch gibt es Bewegung auf dem Markt, heißt es im Arbeitsmarktbericht: Auch im zurückliegenden Monat meldeten Arbeitgeber 114 weitere Ausbildungsangebote bei der Agentur für Arbeit. Und 141 junge Menschen meldeten sich im Juli in der Berufsberatung der Agentur für Arbeit sowie den Jobcentern der Region, um mit ihrer Unterstützung einen Ausbildungsplatz zu finden. Seit Oktober 2019 haben Arbeitgeber aus Wirtschaft und Verwaltung 2.776 Ausbildungsstellen und Duale Studienangebote bei der Agentur für Arbeit gemeldet. 2.027 Ausbildungsinteressierte haben im gleichen Zeitraum bei der Arbeitsagentur und den Jobcentern Unterstützung beim Berufseinstieg gesucht.

Entwicklung in den Landkreisen

Unterschiedlich verlief die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat in den Landkreisen Göttingen und Northeim, die zusammen den Agenturbezirk Göttingen bilden. In beiden stieg die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Juli 2019 jedoch deutlich an.

Im Landkreis Northeim sank die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat um 118 (-2,7 Prozent) auf 4.251. Deutlich fällt allerdings weiterhin der Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat aus, der 598 Arbeitslose mehr ausweist (16,4 Prozent). Die aktuelle Arbeitslosenquote beträgt sechs Prozent und liegt damit 0,8 Prozentpunkte über dem Wert vom Juli 2019.

Im Kreis Göttingen ist die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vorjahreswert um 1,3 Prozentpunkte auf derzeit 6,7 Prozent gestiegen. Im Juli waren hier 11.594 Menschen arbeitslos gemeldet, 3,3 Prozent mehr als im Juni und 24,5 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder