Landesamt und Uni Clausthal kooperieren beim Nachbergbau

Clausthal-Zellerfeld.  LBEG und TU Clausthal wollen sich gemeinsam der Gefahrenanalyse im Zusammenhang mit früherem Bergbau widmen.

Dr. Sabine Graf (re.) präsentiert mit Hilfe von Prof. Oliver Langefeld von der TUC einen historischen Riss des Thurms Rosenhof aus 1729.

Dr. Sabine Graf (re.) präsentiert mit Hilfe von Prof. Oliver Langefeld von der TUC einen historischen Riss des Thurms Rosenhof aus 1729.

Foto: LBEG

Um das Fachwissen im Bereich Nachbergbau zu bündeln und zu konzentrieren, haben am Mittwoch der Präsident des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), Andreas Sikorski, und der Präsident der Technischen Universität (TU) Clausthal, Professor Joachim Schachtner, eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Darüber informierten die beiden Institutionen.

Demnach stärke die Vereinbarung das direkte Zusammenspiel zwischen praktischer Arbeit auf der einen sowie Forschung und Lehre auf der anderen Seite. Unterstützt wird die Kooperation vom Niedersächsischen Landesarchiv (NLA).

Im Rahmen der Kooperation soll zunächst eine Plattform für den Informationsaustausch zur gemeinsamen Erarbeitung von Grundlagen für Gefahrenanalysen und -abwehr geschaffen werden.

„Das heutige LBEG hat vor 23 Jahren die Zuständigkeit zur Abwehr von Gefahren aus verlassenen untertägigen Grubenbauen und Altbohrungen übernommen, die nicht mehr der Bergaufsicht unterliegen. Seitdem haben unsere Mitarbeiter diese Altlasten systematisch erfasst, damit Sicherungsmaßnahmen eingeleitet werden können. Viele Daten sind bereits digitalisiert und mit Geoinformationssystemen verknüpft“, erklärte Sikorski.

Institutionen bündeln ihre Kompetenzen

„Die TU Clausthal beschäftigt sich mit dem Management industrieller Prozesse für eine nachhaltige Gesellschaft. Da passt es hervorragend, dass wir – zusammen mit dem LBEG – in Hinblick auf die umfangreichen Hinterlassenschaften des Alt- und Nachbergbaus in Norddeutschland die davon ausgehenden Gefahren analysieren und so das Risiko für Mensch und Umwelt minimieren“, sagte TU-Präsident Schachtner anlässlich der Vertragsunterzeichnung.

So sei bereits ein Altbergbauinformationssystem entstanden, das LBEG und TU Clausthal gemeinsam entwickelt haben. Nun geht die Zusammenarbeit einen Schritt weiter und greift dabei auf historische Daten zurück. „Das Niedersächsische Landesarchiv ist zwar kein aktiver Bestandteil des Bergbaus“, sagt die NLA-Präsidentin Dr. Sabine Graf, „aber es hält mit den im Bergarchiv Clausthal verwahrten Unterlagen der Harzer Bergbauverwaltung seit dem 16. Jahrhundert wichtige Informationen zu den Bergbauhinterlassenschaften vor.“

Der jahrhundertelange Bergbau hat überall in Niedersachsen Spuren hinterlassen. Allein rund 4.500 so genannte Tagesöffnungen sind bekannt. Doch es kommen noch eine Vielzahl nicht erfasster Schächte und Stollen hinzu, da sie beispielsweise im frühen Mittelalter oder in Notzeiten genutzt und selten dokumentiert worden sind. Entsprechend unterschiedlich wurden diese Relikte früherer Bergbautätigkeiten gesichert – je nach Stand der Technik und Rechtsauffassung. Gerade bei jahrhundertealten Bergbauhinterlassenschaften wurden selten Sicherungsmaßnahmen vorgenommen, die den heutigen Maßstäben genügen.

Die Kooperationspartner werden eine gemeinsame Projektgruppe einrichten, die regelmäßig tagt, um konkrete Projekte und Ziele zu vereinbaren. Dabei soll nicht nur Niedersachsen, sondern mit Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen das gesamte Gebiet, in dem das LBEG die Bergaufsicht ausübt, bearbeitet werden.

„Die TU Clausthal als ehemalige Bergakademie, das Bergarchiv und das LBEG mit seinem Clausthal-Zellerfelder Dienstsitz im einstigen Oberbergamt bilden rund um die Marktkirche eine Ansammlung bergbaulicher Kompetenz auf engstem Raum. Diese nach außen hin sichtbare Nähe wird durch die neue Kooperation ein weiteres Mal untermauert“, so Sikorski.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder