Ecobus begeistert, ist aber nicht rentabel

Oberharz  Im Februar läuft das Projekt erst einmal aus. Wissenschaftler sind mit den Ergebnissen zufrieden.

Ecobus in Clausthal.

Ecobus in Clausthal.

Foto: Ralf Gießler / HK

Ein hoch zufriedener Projektleiter, volle Busse, mehr Buchungen als Sitzplätze – der Ecobus tourt seit August durch den Harz und scheint zu begeistern. Wissenschaftlich ist das Pilotprojekt ein Erfolg, zukunftsträchtig erst mal aber nicht.

Bis Ende Februar läuft noch das Pilotprojekt Ecobus, das den Rufbus im Oberharz testet. Nach knapp der Hälfte des angesetzten halben Jahres zeigt sich Prof. Stephan Herminghaus, Direktor am federführenden Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, „hoch zufrieden“: Seit Start des Projekts haben die Wissenschaftler eine Menge gelernt. Diese theoretischen Erkenntnisse seien für die praktische Umsetzung solch eines Angebots von elementarer Wichtigkeit. „Das ist jetzt schon ein großer wissenschaftlicher Erfolg“, sagt Herminghaus.

Die zweite Erkenntnis, nicht minder wichtig: Werde ein Rufbus als „vernünftige komfortable Alternative“ zum Auto angeboten, nehmen das die Menschen auch an – dem Ecobus hätten die Gäste teilweise „die Bude eingerannt“, berichtet der Institutsdirektor. In Sachen Komfort nennt Herminghaus die Erfahrungen vergleichbarer Angebote: Könne ein Rufbus nur in einem bestimmten zeitlichen Rahmen gebucht werden, wirke sich das negativ auf die Fahrgast-Stimmung aus – Ähnliches bei zu wenig Fahrzeugen und Taxi-ähnlichen Preisen. Im Oberharz-Ecobus sieht das anders aus. „Die Leute sind bereit für solch ein Angebot“, sagt Herminghaus, berichtet von einer sehr breiten Altersverteilung und unterschiedlichen Fahrabsichten (noch in der Auswertung befindlich). Die Fahrgastzahlen haben sich seit Projektbeginn vervierfacht, es gebe doppelt so viele Anfragen wie Sitze, mittlerweile nutzen 200 bis 250 Menschen am Tag – rund 10 Prozent der Gebietsbewohner – die kleinen Busse. Die fahren in zwei Schichten durch den Harz, wurden von anfangs vier auf acht aufgestockt. Zwei weitere stünden noch in der Garage, es fehle aber an Fahrern – Personalkosten, die mit den Forschungsgeldern nicht mehr abgedeckt seien.

Generell ist das liebe Geld so eine Sache. Herminghaus und seine 40 Institutsmitarbeiter wissen, dass es zu wenig Busse im Harz gibt. Da der Ecobus aber ein Forschungspilot ist, sei von Anfang an absehbar gewesen, dass man nicht mal „in die Nähe der Rentabilität“ komme – vor allem nicht im ländlichen Raum. Zufrieden seien sie, dass die geschätzten Erlöse auch eingenommen wurden. Ein Regelbetrieb sei so aber nicht möglich, ohne den unerwarteten Geldregen werde das Projekt Ende Februar erst mal auslaufen und die Auswertung starten, sagt Herminghaus. Die große Frage laute daher, wie das System rentabel gemacht werden könne. Herminghaus nennt hier die Integration als nächsten Schritt: Im Ecobus gelöste Fahrscheine sollen auch außerhalb des Fahrgebietes gültig sein – ein „dickes Brett“. Und auch sonst wurden zwar viele kleine Änderungen im laufenden Betrieb vorgenommen, viele sollen aber noch folgen – auch, um Vergleiche zu bekommen. So soll etwa „irgendwann“ möglich sein, eine Fahrt für den nächsten Tag oder regelmäßig eine Abholung zu buchen. Das habe aber keine Priorität, so Herminghaus.

Zwei Härtetests stehen nun noch an: der Goslarer Weihnachtsmarkt und die Wintersaison samt Touristen und Gepäck. „Wie geht das praktisch?“, fragt Herminghaus und macht klar: Am Ende des Projekts EcoBus gebe es viel auszuwerten.

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