Altersarmut Göttingen

Altersarmut: Ein Leben lang gearbeitet und dann arm im Alter

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12,7 Prozent aller Beschäftigten, die im Kreis Göttingen in Vollzeit arbeiten, müssten laut NGG mehr als 45 Jahre lang arbeiten, um auf eine Rente oberhalb der Grundsicherungsschwelle zu kommen.

12,7 Prozent aller Beschäftigten, die im Kreis Göttingen in Vollzeit arbeiten, müssten laut NGG mehr als 45 Jahre lang arbeiten, um auf eine Rente oberhalb der Grundsicherungsschwelle zu kommen.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Göttingen.  Das Risiko zur Altersarmut ist hoch für Beschäftigte in Bäckereien, Fleischereien und Restaurants, sagt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

Ein Leben lang arbeiten und trotzdem reicht die Rente nicht: Im Landkreis Göttingen sind laut Aussagen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) rund 9.800 Vollzeitbeschäftigte selbst nach 45 Arbeitsjahren im Rentenalter von Armut bedroht. Sie beruft sich dabei unter anderem auf Zahlen der Deutschen Rentenversicherung.

Demnach verdienen 12,7 Prozent aller Beschäftigten, die im Kreis Göttingen in Vollzeit arbeiten, weniger als 2.050 Euro brutto im Monat. Rein rechnerisch müssten sie sogar mehr als 45 Jahre lang arbeiten, um auf eine Rente oberhalb der Grundsicherungsschwelle von aktuell 835 Euro zu kommen, stellt die Gewerkschaft fest. „Altersarmut ist kein Schreckensszenario in der Zukunft, sondern für viele Menschen längst Realität. Die Rente derer, die zum Beispiel jahrzehntelang in einer Bäckerei oder Gaststätten gearbeitet haben, reicht schon heute oft nicht aus. Rentenkürzungen oder Forderungen über ein späteres Eintrittsalter sind der falsche Weg. Stattdessen muss die Politik die gesetzliche Rente stärken“, so Katja Derer, Geschäftsführerin der NGG-Region Süd-Ost-Niedersachsen-Harz, mit Blick auf die aktuelle Debatte rund um die Alterssicherung.

Rentenniveau darf nicht absinken

Das Rentenniveau, also die durchschnittliche Rente nach 45 Beitragsjahren bei mittlerem Verdienst, dürfe nicht weiter absinken. Seit dem Jahr 2000 sei das Rentenniveau bereits von rund 53 Prozent auf aktuell 48 Prozent abgesenkt worden. „Konkret bedeutet das, dass Geringverdiener mit einem Einkommen von weniger als 2.050 Euro brutto im Monat statt 42 nun fast 46 Jahre lang arbeiten müssen, um überhaupt noch die Grundsicherungsschwelle im Alter zu erreichen. Aber vier Jahre länger an der Bäckereitheke, in der Lebensmittelfabrik oder im Schlachthof am Band zu stehen, ist vielen Beschäftigten gesundheitlich gar nicht möglich. Jede Anhebung des Renteneintrittsalters ist somit faktisch eine Rentenkürzung“, unterstreicht Derer.

Die nächste Bundesregierung müsse das derzeitige Rentenniveau stabilisieren und perspektivisch anheben, um einen weiteren Anstieg der Altersarmut zu verhindern. Die von Wirtschaftsverbänden geforderte „Rente mit 70“ sei der falsche Weg – und ein „Schlag ins Gesicht der Menschen, die körperlich arbeiten und schon bis 67 nicht durchhalten können“. Zugleich seien die Unternehmen in der Pflicht, prekäre Beschäftigung zurückzufahren und Tarifverträge zu stärken. Gerade im Hotel- und Gaststättengewerbe gebe es einen enormen Nachholbedarf, um die Einkommen wirklich armutsfest zu machen – auch weil viele Firmen aus der Tarifbindung flüchteten.

Über eine hohe Dunkelziffer im Altkreis Osterode hatte der ehemalige Tafelleiter Dr. Hartmut Herrmann immer wieder berichtet, alte Menschen, die in Armut lebten, aber aus Scham das Angebot der Tafel nicht in Anspruch nehmen.

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