Corona-Pandemie trifft die Geschäftswelt in Osterode hart

Osterode  Ob alle Betriebe überleben ist derzeit fraglich. Die innerstädtische Einkaufsstruktur befindet sich in einem Wandel.

Die Geschäftswelt muss sich einiges einfallen lassen, um im Rennen zu bleiben.

Die Geschäftswelt muss sich einiges einfallen lassen, um im Rennen zu bleiben.

Foto: Michael Paetzold / HK

Es sind schwierige Zeiten für den stationären Handel in Osterode. Die Läden sind wegen der Corona-Pandemie geschlossen, während der Onlinehandel boomt und dem Einzelhandel davonrennt. Durch Corona hat sich dieser Trend noch einmal verstärkt. Laut Statistischem Bundesamt stieg der Umsatz im Online- und Versandhandel um 30,7 Prozent. Für die Geschäfte ist die Pandemie eine große Herausforderung, denn die Inhaber müssen neu organisieren und gestalten. Viele sind noch nicht in der Lage, vom E-Commerce zu profitieren, oft ist das der Status Quo. Vielerorts wird deshalb mit der pandemiebedingten Schließung von Geschäften gerechnet.

Viele Einzelhändler haben einen Weg gefunden

Marco Gömann vom Vorstand des Vereins Tourismus und Marketing in Osterode (vtm) weiß um die Probleme, die derzeit die Einzelhänder umtreiben, stellt aber fest: "Viele habe für sich einen Weg der Vermarktung gefunden und nutzen die gesetzlichen Möglichkeiten aus." Telefonische Erreichbarkeit in den Geschäften, Kundenbetreuung im engen Rahmen der Pandemiebekämpfung mit entsprechendem Abholservice helfen, die Verdienstausfälle wenigstens zum Teil zu kompensieren und im Gespräch zu bleiben. "Wir sind glücklich, dass wir, wenn auch eingeschränkt, für unsere Kunden da sein können und helfen, den stationären Handel hochzuhalten", sagt Thalia-Filialleiterin Viola Beisse. Die Kunden seien für das Angebot dankbar. Verkauft wird hier hinter Plexiglas am Eingang.

vtm bietet Unterstützung für die Osteroder Geschäftswelt

Unterstützung für die Geschäftswelt gibt es vom vtm, der den Geschäften auf der Internetseite "Osterode ist stark" eine Plattform bietet, für das jeweilige Angebot zu werben. "In Zeiten des Coronavirus machen wir uns gegenseitig dadurch stark, dass wir uns Raum geben. Wir unterstützen unsere regionalen Unternehmen dabei, ihre Angebote, Dienstleistungen und Produkte auch ohne direkten Kontakt anzubieten. So können die Kunden weiterhin regional kaufen und dabei gleich noch die Ausbreitung des Virus verlangsamen", erklärt dazu der vtm. Sicher: Man sei in der Sache noch recht hemdsärmelig unterwegs, räumt Gömann ein, denn Käufe lassen sich über die Plattform noch nicht tätigen. Letztlich sei jeder selbst aufgerufen, sich zu positionieren. Manch einem gelingt das besser, andere brauchen Unterstützung, um mit der digitalen Welt klar zukommen.

Einschätzung: nicht alle Geschäfte in Osterode werden überleben

Mehr als 60 Geschäfte gibt es noch im Bereich der Innenstadt, Betriebe des Einzelhandels und Filialen von Ketten. Wie viel von ihnen nach der Pandemie verschwunden sein werden, darüber lässt sich nur spekulieren. Dass nicht alle Geschäfte in Osterode überleben, ist derzeit eine gängige Einschätzung. "Manch einer wird vielleicht den ohnehin geplanten Ruhestand vorziehen oder aber aufgeben. Anderen wird es gelingen, sich neu aufzustellen", vermutet Gömann. "Sicher ist alles im Augenblick schwer", meint Thomas Finze, der den Mut hatte, 2020 am Kornmarkt ein neues Geschäft für Deko und Geschenke zu eröffnen (Finzes Deko & Geschenke Welt). Zwar hatte er ein sehr gutes Weihnachtsgeschäft. Jetzt aber kann nur noch auf Anfrage außer Haus verkauft werden. Dadurch sind die Einnahmen deutlich abgeschmolzen. Die Zeit drängt. Finze: "Wir bekommen nach und nach unsere Frühlings-Artikel. Nun wird es höchste Zeit, wieder öffnen zu können, denn die georderte Ware wurde in 2020 bestellt und muss auch bezahlt werden." Finze ist trotz aller Probleme dankbar und zufrieden. Auch was die Zukunft angeht, ist er optimistisch. Aber: Die Planungen, das Geschäft in 2021 noch um einen Bereich zu erweitern, wurden erstmal nach hinten verschoben.

Geschäftsleute warten auf staatliche Hilfen

Einnahmeausfälle verbucht auch Grit Giese vom Weinkontor Osterode. Ihr Geschäft ist geöffnet, der Verkauf läuft über einen kleinen Tresen an der Eingangstür. Gut hinter Plexiglas vor den Aerosolen geschützt berichtet sie vom Auf und Ab in 2020, dem ersten Lockdown, der Erholung im Sommer und dann dem erneuten Einbruch im Winter. Das sei, so meint sie, schon eine belastende Situation. Wie sie warten viele Geschäftsleute auf die zugesagte Unterstützung. Der Staat hat Geschäftsleuten Überbrückungs- und Wirtschaftshilfen in Aussicht gestellt, die helfen werden, sollten sie endlich fließen. So wird das neue Jahr ein auch für den Osteroder Handel spannendes mit, so ist zu vermuten, veränderter innerstädtischer Einkaufsstruktur. Gömann: "Was wir aus der Corona-Pandemie lernen ist, dass wir unsere Vertriebskanäle noch viel breiter aufstellen müssen."

Interesse an Aktion und Gewinnspiel war groß

Ein durchaus positives Signal für den Osteroder Einzelhandel sieht Gömann in der guten Resonanz auf die vtm-Aktion Heimatshoppen, verbunden mit einem Gewinnspiel. Über beim Einkauf gesammelte Stempel konnten Wertgutscheine gewonnen werden, Einsendeschluss war der 6. Januar. Das Interesse der Kunden war groß. "Damit haben wir lokales Denken gefördert und gezeigt, dass die Geschäfte vor Ort alles bieten, was der Kunde braucht." Sieht man von den pandemiebedingten Einschränkungen ab, hat es letztlich mal wieder der Verbraucher mit seinem Kaufverhalten ein gutes Stück weit selbst in der Hand, auf welche Angebote er auch in Zukunft in seiner Stadt zurückgreifen kann.

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