Schüttenhoff-Tradition ist vielleicht viel älter, als gedacht

Förste  Arne Priebel hat ein Buch über die Geschichte des Förster und Nienstedter Schüttenhoffs geschrieben. Er stellt eine interessante These zur Diskussion.

Die Tradition des Schüttenhoffs reicht lange zurück – vielleicht sogar viel länger, als bislang angenommen. In dem Buch von Arne Priebel geht es auch um die Rolle der Frauen.

Die Tradition des Schüttenhoffs reicht lange zurück – vielleicht sogar viel länger, als bislang angenommen. In dem Buch von Arne Priebel geht es auch um die Rolle der Frauen.

Foto: Archiv

Der Schüttenhoff in Förste und dem angrenzenden Nienstedt hat eine Jahrhunderte lange Tradition. Wie lang, das zeigt nun Arne Priebel auf – und stellt dabei eine durchaus interessante These zur Diskussion. Denn womöglich reichen die Wurzeln des Schüttenhoffs in Förste noch viel weiter zurück, als bislang angenommen.

Der Lehrer aus Förste, der an der Realschule am Röddenberg in Osterode unter anderem Geschichte unterrichtet, hat seine Abschlussarbeit „Schützenfest – Das Beispiel des Schüttenhoffs in Förste und Nienstedt“ in Buchform veröffentlicht. Damit stieß er vor allem in seinem Heimatdorf auf reges Interesse. „Viele schreiben ihre Arbeiten über Hitler, den kalten Krieg oder ähnliches. Die Professoren wissen dann meist schon, was da kommt, und die Arbeiten verstauben anschließend im Schrank. Ich wollte eine Arbeit schreiben, die man hinterher auch liest“, erklärt er seine ungewöhnliche Themenwahl. Dabei gestaltete sich die Recherche als durchaus schwierig. Denn eine umfassende Sekundärliteratur, wie Priebel bei seinen Untersuchungen schnell feststellen musste, gibt es nicht. Das einzige nennenswerte Werk zu dem Thema, vom Kölner Pfarrer und Historiker Dr. Theo Reintges in den 60er Jahren verfasst, behandelt lediglich die Entwicklung in den Städten. „Dass sich jemand wissenschaftlich mit der Entwicklung auf den Dörfern befasst, ist etwas neues“, sagt Priebel.

Suche nach verlässlichen Quellen

Ein großes Problem stellte für ihn das Finden verlässlicher Quellen dar: „Auf den Dörfern, auch bei uns in Förste und Nienstedt, wurde vieles mündlich überliefert, schriftliche Belege fehlen hingegen oftmals.“ Umso wichtiger war es für Priebel daher, dass er Einblick in die Förster Schützenlade nehmen durfte, die ansonsten von den Schützenmeistern streng verschlossen gehalten wird. Nach einer Abstimmung im Schützenoffizium erhielt er die Erlaubnis, nicht zuletzt, weil auch die Schützen selber an den Ergebnissen interessiert waren. „Das ich die Schützenlade zu Nachforschungen nutzen durfte, ist ein Privileg, dafür bin ich sehr dankbar“, unterstreicht Priebel. Überhaupt hätten sich alle im Dorf sehr hilfsbereit und offen gezeigt, wenn es um die Unterstützung seiner wissenschaftlichen Arbeit ging.

Der Blick in die Schützenlade zeigte schließlich, dass die Tradition des Förster Schüttenhoffs mindestens bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurückreicht. „Der erste Eintrag ist aus dem Jahr 1663, die erste Schützenordnung aus dem Jahr 1656. Ich vermute aber, dass der Schüttenhoff deutlich älter – womöglich sogar viel älter als angenommen – ist.“ Dafür sprächen mehrere Dinge. So ist in Einträgen von älteren Büchern und Schriften die Rede, die jedoch durch Wasser zerstört worden seien. Auch die Tatsache, dass in Osterode eine ähnliche Tradition schon im 14. Jahrhundert gepflegt wurde, spreche dafür, erläutert Priebel.

Kleinodien bilden wichtige Hinweise

Wichtigste Hinweise sind aber die Kleinodien, die an einer Kette weitergegeben werden. So gibt es eine Plakette mit einer Inschrift, die auf Bartold von Oldershausen und das Jahr 1581 verweist. „Die Familie Oldershausen verkörperte zu dieser Zeit die Obrigkeit in der Region. Es war üblich, dass diese bei Schützenfesten Geschenke an die Schützen verteilte“, erklärt Priebel.

Ein weiteres Kleinod könnte sogar noch deutlich älter sein, enthält jedoch keine Datierung. Es zeigt ebenfalls das Wappen der Familie von Oldershausen, zudem aber auch ein Wappen, dass möglicherweise Westerhof zugeordnet werden kann. Allerdings fehlen zwei wesentliche Merkmale gegenüber dem bekannten Westerhofer Wappen. „Das Wappen von Westerhof ist seit 1255 unverändert. Die Familie von Oldershausen stammt ihrerseits von der Familie von Westerhof ab“, so Priebel. Für ihn ergeben sich daher zwei Möglichkeiten: Es könnte sich schlichtweg um eine schlechte Arbeit des Goldschmieds handeln, der womöglich eine fehlerhafte Vorlage nutzte. „Spannender ist die zweite Möglichkeit: Wenn das Wappen der Familie von Westerhof seit 1255 unverändert ist, dann muss man davon ausgehen, dass die Plakette vor 1255 endstanden ist. Das würde bedeuten, dass das Schüttenhoff in Förste das älteste bekannte Schützenfest der Welt wäre.“ Einen Beleg für diese These hat Priebel noch nicht, er will sich aber weiterhin mit dem Thema, möglicherweise im Rahmen einer Dissertation, beschäftigen.

Viele Fragen sind noch offen

Doch nicht nur um die Geschichte des Schüttenhoffs, auch um die Rolle der Frauen oder den Austausch von „Nettigkeiten“ zwischen den Dörfern geht es in seinem Buch, dass für Priebel nur den Anfang bildet: „Letztlich ist es nur ein Tropfen auf den heißen Stein, es gibt noch viele Informationen und Quellen zu prüfen, viele Fragen sind noch offen.“ Eine große Ehre wurde seinem Buch aber schon jetzt zuteil: Ein Exemplar wurde der Schützenlade zugefügt und wird so für die Nachwelt aufbewahrt.

Wer das Buch ebenfalls haben möchte, sollte sich beeilen: In der Förster Sparkasse liegen nur noch einige wenige Exemplare bereit. „Bei genügend Interesse ist aber auch eine zweite Auflage möglich“, verspricht Priebel.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder