Corona-Impfungen im Landkreis Göttingen haben begonnen

Hattorf  „Historischer Moment“: Mobile Impf-Teams besuchten am Dienstag erste Alten- und Pflegeheime, unter anderem Stiemerling in Hattorf.

Dr. Andreas Philippi bei der Impfung mit dem mobilen Impfteam in der Seniorenresidenz Stiemerling.

Dr. Andreas Philippi bei der Impfung mit dem mobilen Impfteam in der Seniorenresidenz Stiemerling.

Foto: Landkreis Göttingen / HK

Die Impfungen gegen das Corona-Virus im Landkreis Göttingen haben begonnen. Bewohnern und Beschäftigten der Seniorenresidenz Stiemerling in Hattorf und des Alten- und Pflegeheims Haus Drei Linden in Wollbrandshausen wurde am Dienstag durch zwei mobile Teams des Impfzentrums am Standort Herzberg eine erste Impfung in den Einrichtungen ermöglicht. Knapp 450 Personen haben laut Kreisverwaltung das Angebot angenommen. Für den vollständigen Impfschutz ist eine zweite Impfung in 21 Tagen erforderlich; diese wird auch von den mobilen Teams geleistet.

Das Impfteam, das die Seniorenresidenz in Hattorf besucht hat, wurde vom Herberger Mediziner Dr. Andreas Philippi geleitet. Er äußerte sich gegenüber unserer Zeitung sehr zufrieden über den Ablauf dieser ersten Impfaktion und lobte besonders auch die gute Vorbereitung und die Unterstützung durch das Personal des Pflegeheims. „Das Personal war sehr kooperativ und hilfsbereit“, sagte er. In der Zeit von 7 bis 13 Uhr konnten so 341 Personen in Hattorf geimpft werden. Die Erfahrung aus der Zeit um Ostern 2020, als er in großem Umfang Corona-Abstriche in den Seniorenheimen vorgenommen habe, hätte nun bei der Organisation der Impfung geholfen, die Abläufe zu optimieren. Bereits am Montag habe es eine einstündige Vorbesprechung mit der Pflegedienstleitung der Seniorenresidenz gegeben.

Impfstoff kommt tiefgefroren

Zum Ablauf am Dienstag berichtete Philippi, dass sein Team den Impfstoff tiefgefroren bekomme. Dieser werde dann vor Ort mit Kochsalzlösung entsprechend der Vorgaben verdünnt. Bei sorgfältiger Handhabung sei es möglich, aus einem Impfstoff-Fläschchen ohne Qualitätsverlust sechs Portionen zu bekommen – eine mehr als ursprünglich angenommen.

Erfreut zeigte sich der Mediziner über die große Impfbereitschaft bei Bewohnern und Personal. Etwa 90 Prozent der Mitarbeiter und fast alle Senioren hätten das Angebot in Anspruch genommen. „Das ist deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt! Ich finde das großartig“, sagte er zu unserer Zeitung. Zehn Impfberechtigte hätten vorher noch ein Aufklärungsgespräch führen wollen, zumeist sei es dabei um Vorerkrankungen oder Allergien gegangen. Eine Person habe die Impfung abgelehnt. Die meisten Impfberechtigen seien bereits gut informiert gewesen, habe er festgestellt.

Historischer Moment

Philippi nannte den Beginn der Impfkampagne einen historischen Moment. Zu den Senioren habe er vor der Impfung – in Abwandlung des Zitats von Astronaut Neil Armstrong – gesagt: „Ein kleiner Pieks für den Patienten, aber ein großer Schritt hin zur Normalität im Land.“ Zwar hätte er sich gewünscht, schon vor vier Wochen damit beginnen zu können, gleichwohl halte er das sorgfältige Zulassungsverfahren der EU und auch das gemeinsame Handeln der Mitgliedsstaaten für richtig. Er zeigte sich auch überzeugt, dass für Deutschland genug Impfstoff zur Verfügung stehen wird. Die aktuelle politische Debatte um die Bestellung durch den Bund findet er nicht sinnvoll. Es gehe jetzt darum, den Blick nach vorn zu richten – und dabei weiterhin Vorsicht walten zu lassen: „Wir müssen noch mindestens ein dreiviertel Jahr alle vorsichtig handeln und aufeinander Rücksicht nehmen. Ich glaube wir sollten uns gegenseitig bestärken: Wir sind auf dem richtigen Weg.“

Der Landkreis hat bislang zwei Lieferungen mit je 975 Impfdosen vom Land Niedersachsen bekommen, berichtet Andrea Riedel-Elsner, Sprecherin der Kreisverwaltung. Der Impftermin am Dienstag war kurzfristig zwischen dem Krisenstab des Landkreises und den Einrichtungen abgestimmt worden. Grundlage war die Priorisierung von Personen über 80 Jahren und Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen. Da zunehmendes Alter der wesentliche Risikofaktor für eine schwere Covid-19-Erkrankung ist, hat der Bund per Rechtsverordnung Älteren vorrangigen Zugang zum Impfstoff eingeräumt. Weitere Kriterien bei Identifizierung der nun zuerst aufgesuchten Einrichtungen waren für den Krisenstab die Zahl der an Demenz erkrankten Bewohner als besonders zu schützende Gruppe sowie die Größe der Einrichtung, der Anteil der Impfwilligen, die Möglichkeit der kurzfristigen Vorbereitung und andere mehr.

Weitere Impfungen geplant

In den nächsten Tagen werden weitere, und dann nach und nach alle 55 Alten- und Pflegeheime im Kreisgebiet durch mobile Teams versorgt. Laut Philippi sind am Mittwoch im Altkreis Osterode die Pflegeheime Tannenhof in Bad Sachsa und Lamm in Zorge an der Reihe.

„Der Einsatz der mobilen Teams wird ab morgen von zwei auf vier erhöht, um den vorhandenen Impfstoff bis zum kommenden Wochenende zu verimpfen“, erklärt Kreisrätin Marlies Dornieden am Dienstag. Die weiteren beiden Teams sind organisatorisch dem Impfzentrum des Landkreises Göttingen an der BBS II Göttingen zugeordnet. „Schon heute konnte ich mich persönlich im Haus Drei Linden von einem gelungenen Impfstart vor Ort überzeugen. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass dort die Impfquote von Bewohnern und Personal bei über 95 Prozent liegt.“

Noch kein Termin für weitere Bevölkerung

Wann die Impfungen für weitere Bevölkerungsgruppen in den zentralen Impfzentren des Landkreises in Herzberg und Göttingen beginnen können, steht laut Kreisverwaltung noch nicht fest. Die Terminvergabe wird durch das Land Niedersachsen vorgenommen und startet erst, wenn ausreichend Impfstoff vorhanden ist.

Berechtigte Personen werden über öffentliche Aufrufe informiert und zur Terminvereinbarung aufgefordert. Diese erfolgt zunächst ausschließlich über die Impf-Hotline: 0800 99 88 665. In Kürze soll auch eine Onlineplattform zur Verfügung stehen. Informationen zu den Impfungen und den Impfzentren des Landkreises sind zudem auf der Webseite des Landkreises zu finden.

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