Wenn das Ziel plötzlich ganz klein wird

Elbingerode.  Beim MTV Elbingerode haben Sportredakteur Robert Koch und der freie Mitarbeiter Simon Schmidt das sportliche Bogenschießen ausprobiert.

Auch beim Nachwuchs wird auf die Kopfhaltung geachtet.

Auch beim Nachwuchs wird auf die Kopfhaltung geachtet.

Foto: Simon Schmidt / HK

Der Sportplatz in Elbingerode wird zweimal in der Woche zur Bogensport-Arena. Harald Kirchhoff, mit der Erfahrung von jeder Menge Meisterschaften und internationalen Wettkämpfen ausgestattet, führte Robert Koch und Simon Schmidt in die Grundlagen des Bogenschießens ein – ein Selbsterfahrungsbericht.

Robert: Die erste und wichtigste Regel lernen wir gleich zu Beginn: Wenn jemand auf der Anlage schießt, werden keine Pfeile gesammelt. Wenn jemand noch zu den Scheiben unterwegs ist und Pfeile sucht, wird nicht geschossen! Nachdem das geklärt ist, erklärt uns Harald – unter Bogensportlern wird traditionell das „Du“ genutzt – zunächst unser Sportgerät. Wir schießen mit dem sogenannten Recurve-Bogen, auch olympischer Bogen genannt, und die Technik, die in diesem Bogen steckt, ist durchaus beeindruckend.

Simon: Auch wenn ich schon viele Sportarten ausprobiert habe – mit Bogenschießen bin ich bisher noch nicht in Berührung gekommen. So geht es sicherlich nicht nur mir, sondern vielen anderen Sportlern. Der

eine oder andere denkt vielleicht, dass es einfach ist, mit Pfeil und Bogen auf eine Scheibe zu schießen, aber dem ist nicht so. Allein beim simplen Hinstellen habe ich zunächst alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Parallel zum Ziel stehen, die Beine etwas weniger als schulterbreit auseinander, dann den Kopf in Richtung des Ziels drehen, ohne diesen aber zu sehr zu verrenken. Dabei sah das im Fernsehen bei den Olympischen Spielen immer so einfach aus, wenn die Profis aus 70 Metern Entfernung den Pfeil in die Mitte der Scheibe feuern.

Robert: Die Anweisungen von Harald sind eigentlich ganz klar: Parallel stehen, Kopf hoch, die Sehne bis zur Nase ziehen, Arm gerade – und hinterher in Position bleiben. Bei der Umsetzung hapert es allerdings gewaltig, zumal es ohne die entsprechende Übung echt anstrengend ist, den Bogen zu spannen. Und dann das Zielen durch das Visier: Beim Zugucken sah die Scheibe riesig aus, jetzt aber schrumpft sie zu einem kleinen Fleck. Wir schießen übrigens auf eine Scheibe in 18 Metern Entfernung, alles andere wäre viel zu schwierig. Doch während die jungen Schützen neben mir ihren Pfeil mittig platzieren, bleibt mein erster Schuss in der Holzumrandung stecken.

Simon: Aus 18 Metern Entfernung sind die einzelnen Ringe schon verdammt klein geworden. Als mein erster Schuss die weiße Umrandung der Scheibe zumindest getroffen hat, bin ich nicht unzufrieden. Anschließend wird mir der zweite Pfeil eingespannt – auch das ist schwieriger, als man sich das vorstellt, denn man hat noch einen sogenannten Fingertab zum Schutz der Finger an der Zughand an – und dieser Pfeil findet seinen Weg in den Sechs-Punkte-Ring. Nicht schlecht für den Anfang, aber nur ein Glückstreffer, wie die folgenden Versuche zeigen.

Robert: Beim Bogenschießen wird in einem Bogen geschossen – was sich lustig anhört, ist reine Mathematik: Die Pfeile beschreiben im Flug eine Parabel, je nach Entfernung muss man daher auch das Visier verstellen. Ich merke, was das heißt, als ich nicht aufpasse und das Visier noch die falsche Einstellung aufweist: Prompt verpasse ich die Scheibe komplett, der Pfeil bohrt sich weit dahinter in den Rasen. Es gibt aber auch Bögen, die komplett ohne Visier auskommen, die sogenannten Blankbögen. Daniel trainiert ein paar Meter neben uns mit einem Blankbogen, einem selbstgebauten Langbogen nach englischem Muster, er zielt nach Gefühl. „Das schöne an diesem Bogen: Man kann neunmal daneben schießen, freut sich aber über den zehnten Schuss, der trifft. Beim Recurve-Bogen ist es genau umgekehrt“, erzählt er mit einem Lachen.

Simon: Nach drei Versuchen muss ich eine Pause machen. Man ist mit dem ganzen Oberkörper extrem

unter Spannung und vor allem die Arm- und Schulterpartie werden beansprucht, die Arbeit ist für die Muskeln sehr ungewohnt. Nach einer kurzen Pause geht es wieder, die Pfeile haben aber eine ordentliche Streuung. Trotz des überschaubaren Erfolgs ist es eine tolle Erfahrung, die ich jedem empfehlen kann. Es macht großen Spaß, dieser Randsportart näher zu kommen, gerade weil man im Vorfeld eigentlich gar nichts über sie weiß.

Robert: Na also, Robin Hood kann einpacken! Zum Abschluss landen zwei meiner Schüsse nacheinander satt in der Acht, ein echtes Erfolgserlebnis. Nach gut 20 Schüssen spüre ich aber, wie anstrengend dieser Sport ist. Für Arme und Schultern ist es eine gänzlich ungewohnte Belastung und das Zielen kostet jede Menge Konzentration. Respekt vor den Turniersportlern, die in ihren Wettkämpfen lange Serien schießen – und trotzdem ins Goldene treffen. Als Fazit bleibt mir zu sagen: Der Erfahrung hat sich gelohnt, der Spaßfaktor ist groß und man freut sich gewaltig über die ersten Fortschritte, die sich einstellen.

Beim MTV Elbingerode wird immer mittwochs ab 16 Uhr und samstags ab 15 Uhr trainiert. Interessierte Sportler können sich im Vorfeld bei Harald Kirchhoff, Telefon 0152/52370513 oder 05584/427, informieren.

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