Den Harzern nutzt der Ansturm wenig

„Das große Tagesgeschäft blieb wegen des geltenden Lockdowns aus. Im Gegenteil.“

Der Harz erlebte am Wochenende einen regelrechten Ansturm von Tagestouristen - Massen von Besuchern aus der gesamten Region und sogar aus Großstädten wie Berlin und Hamburg verstopften mit ihren Fahrzeugen die wichtigen Querverbindungen. Besonders die Bundesstraße 4 von Bad Harzburg über Torfhaus bis Braunlage war betroffen, wetterbedingt ging dort nichts mehr. Weil die Parkplätze im Oberharz schnell überfüllt waren, wurden viele Autos einfach an den Straßenrändern abgestellt.

Appelle, Hinweise, Mahnungen und Warnungen, unser überlaufenes Mittelgebirge am vergangenen Wochenende zu meiden, halfen nicht. Die Polizei in Goslar sprach hinsichtlich der Verkehrslage von einem „Chaos hoch drei“. Viele Tagesgäste wollten vermutlich dem öden Corona-Alltag entfliehen; die Menschen seien einfach corona-müde, sagte eine auswärtige Besucherin einem TV-Sender. So kam es, dass zahlreiche Menschen oftmals ungeachtet der coronabedingten Verhaltensregeln, der Maskenpflicht und des Infektionsrisikos, den ersten Schnee dieses Winters nutzten, um fernab des grauen Alltags Schlitten an Schlitten zu rodeln oder abstandslos zu wandern.

Den Harzern nutzte dieser Ansturm allerdings wenig. In Zeiten vor Ausbruch der Corona-Pandemie zwar häufig ersehnt und erhofft, sind die Gastronomiebetriebe für eine Einkehr momentan jedoch geschlossen, die Skilifte außer Betrieb, das große Tagesgeschäft blieb also wegen des geltenden Lockdowns aus. Im Gegenteil: In mehreren Radiosendungen äußerten am gestrigen Dienstagmorgen zahlreiche Einheimische, dass sie den Egoismus vieler Harz-Besucher nicht nachvollziehen könnten. Statt zuhause zu bleiben, würden auswärtige Gäste durch ihr unvernünftiges Verhalten weitere Infektionsausbrüche im Harz riskieren, möglicherweise sogar mit örtlich begrenzten Ausgangssperren. Dies müssten die Einheimischen ausbaden, die Touristen wären dann ja bereits wieder abgereist, lauten die kritischen Äußerungen einiger Hörer aus dem Harz. Außerdem beklagten sie häufig das Fehlen öffentlicher Toiletten.

Laut der Vorhersagen soll das Winterwetter im Harz anhalten, weitere Schneefälle werden erwartet. Bleibt zu hoffen, dass aufgrund der aktuell überregionalen, kritischen Berichterstattung in Presse, Rundfunk und TV die Tagesausflügler am kommenden Wochenende vernünftiger agieren und nicht in die Mittelgebirge reisen mögen.

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