Die Angst macht anfällig

„Führende Psychiater warnen vor schweren psychischen Folgen durch die geltende Kontaktsperre.“

Es sind Steigerungen von bis zu 800 Prozent: Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen, wie die Nachfrage nach Produkten wie Toilettenpapier, Desinfektionsmitteln oder haltbaren Lebensmitteln mit der Corona-Pandemie explodiert ist. Auch die Nachfrage nach Nudeln, Mehl, Zucker, Reis und passierten Tomaten soll mehr als doppelt so hoch sein wie in normalen Zeiten. Das meldete am gestrigen Donnerstag das Online-Portal tagesschau.de.

Wahnsinn, oder!? Aber in Zeiten einer Krise horten die Menschen nun einmal große Mengen an Waren des täglichen Bedarfs, besonders Lebensmittel, da sie befürchten, diese Waren könnten knapp und teuer werden. Durch den Vorrat wollen sie davon unabhängig sein, sie beugen vor. Das heißt, die Angst geht um, diese Waren nicht mehr erhalten zu können.

Angst ist ohnehin sehr eng mit der Corona-Krise verknüpft – nicht nur die Angst, sich mit dem Virus zu infizieren. Es geht zunehmend auch um Angst vor Kurzarbeit, vor Entlassung, die wirtschaftliche Existenz vieler Menschen ist bedroht. Aber Angst macht anfällig, lähmt, ist ein schlechter Berater. Führende Psychiater warnen sogar vor schweren psychischen Folgen durch die deutschlandweit geltende Kontaktsperre: „Soziale Isolation ist ein wesentlicher Stressfaktor und kann psychische Störungen verstärken“, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Andreas Heinz, der Funke Medien Gruppe, zu der auch unsere Zeitung gehört. Heinz warnte zudem vor wachsendem Alkoholkonsum in der Zeit der Kontaktsperre: „Isolierte Menschen neigen dazu, mehr zu trinken, weil die soziale Kontrolle fehlt.“

Also müssen wir aufkommende Ängste bekämpfen, aber nicht durch vermehrten Alkoholkonsum, sondern indem wir uns ablenken und versuchen, die Freizeit auch während der geltenden Kontaktsperre sinnvoll zu gestalten. Möglichkeiten gibt es reichlich, auch in den eigenen vier Wänden.

Vielleicht können Sie ja etwas beginnen, wozu bislang wenig Zeit war, beispielsweise ein gutes Buch lesen, sich mit Malen und Zeichnen befassen oder das Kochen erlernen. Aber bitte vergessen Sie nicht, abends um 21 Uhr auf Terrasse, Balkon oder vor der Haustür stehend all unseren Alltagshelden zu applaudieren.

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