Warum im Dorf bleiben?

„Es gibt meiner Ansicht nach einige Aspekte am Dorfleben, die der Stadt durchaus vorzuziehen sind – mal ungeachtet der Immobilienpreise.“

Warum bleiben Menschen in vermeintlich abgehängten, vom demografischen Wandel bedrohten und oft von leerstehenden Häusern geprägten „Kuhdörfern“, anstatt in Städte mit Supermärkten und Fußgängerzonen und elektrischem Licht umzuziehen? So überspitzt und auch gehässig könnte man vielleicht die Fragestellung formulieren, die hinter der wissenschaftlichen Untersuchung des Thünen-Instituts für Ländliche Räume in Braunschweig steht. Aktuell führen die Forscher gerade eine Befragung durch, um wissenschaftlich fundierte Antworten darauf zu finden. Ich finde das jedenfalls sehr interessant und bin gespannt auf die Ergebnisse.

Wie die beteiligte Soziologin Dr. Annett Steinführer im Interview schildert, ist das Thema „Bleiben“ in der Forschung „absolut unterbelichtet“ – die Wissenschaft konzentriere sich eher auf die Menschen, die ihrer Heimat den Rücken kehren und abwandern. Dabei gibt es offensichtlich nach wie vor für viele Menschen gute Gründe, in ihrem Heimatdorf zu bleiben oder gar dorthin zurückzukehren – und es ist aufschlussreich zu erfahren, was für sie den Ausschlag gegeben hat, was also gerade für das kleine Dorf als Wohnort spricht. Und ob es überhaupt eine bewusste Entscheidung war...

Als jemand, der aus beruflichen Gründen (durchaus schweren Herzens) aus seinem Geburtsort, ein 1000-Seelen-Nest ohne Kneipe, ohne Geschäft, weggezogen ist, kann ich gut nachvollziehen, wenn Menschen an ihren Wurzeln hängen, am Elternhaus, an der seit Kindheit gewohnten Umgebung und den Nachbarn und der Landschaft drumherum.

Es gibt meiner Ansicht nach einige Aspekte am Dorfleben, die der Stadt durchaus vorzuziehen sind – mal ungeachtet der Immobilienpreise. Und die größten Nachteile, etwa was die Versorgung angeht, lassen sich in heutigen Zeiten weitgehend ausgleichen, zumindest wenn man ein Auto hat. Aber solche Fragen nach Mobilität sind es gerade, die über die Zukunft des Dorflebens entscheiden. Hier ist politisches Handeln gefordert.

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