Marchingpower: Fast alle Auftritte mussten 2020 ausfallen

Bad Lauterberg  „Applaus ist mehr wert als jede Gage“: Das Musikcorps will wieder vor Publikum spielen können. 2020 mussten fast 50 Auftritte abgesagt werden.

Die Brassfusion spielte beim großen Festival der Musikzüge 2019.

Die Brassfusion spielte beim großen Festival der Musikzüge 2019.

Foto: Rolf Steinke / HK-Archiv

Es hätte das auftragsstärkste Jahr für das Musikcorps Marchingpower Bad Lauterberg werden können: Etwa 50 Auftritte waren für 2020 geplant. Doch die Corona-Pandemie hat einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht, fast alle Einsätze der Musiker fielen aus.

„Die Saison 2020 wäre hervorragend gewesen“, sagt Vorsitzender Sascha Pohl. Denn im Jahr zuvor erlangte die Gruppe große Bekanntheit durch ihr Festival der Musikzüge, das zur Feier des fünfjährigen Marchingpower-Bestehens organisiert wurde. Auch ihr großes Oktoberfest in der Kneippstadt trug dazu bei, dass es für 2020 so viele Anfragen wie noch nie gegeben hatte.

Das letzte Mal trat das Musikcorps beim Karneval in Desingerode im Eichsfeld öffentlich auf – das liegt mittlerweile knapp elf Monate zurück. Zwar handelt es sich um ein Hobby der etwa 40 Aktiven, doch der Verein finanziert sich aus den Auftritten. Von den Einnahmen werden Instrumente angeschafft und Uniformen – es sind Extra-Anfertigungen: Das Einkleiden eines Musikers kostet etwa 1.000 Euro. Wegen der Absagen seien „Anschaffungen auf Eis gelegt“ worden, erläutert Pohl.

Kollegen aus Duderstadt fehlen

„Gott sei dank hatten wir ein bisschen Rücklagen“, mit denen laufende Kosten wie Versicherungen, Miete und Abgaben an Verbände beglichen werden konnten. Auch Geld aus einem Förderprogramm des Landkreises bekam der Verein.

Doch es geht nicht in erster Linie ums Geld. „Wir wollen endlich wieder vor Publikum auftreten, Applaus bekommen. Das ist mehr wert als jede Gage“, sagt Pohl. Marchingpower spielt dann immer zusammen mit dem Fanfarenzug Duderstadt unter dem Namen „Brassfusion“.

Die Lauterberger vermissen das Musizieren und Klönen mit den Duderstädtern und untereinander. Aber die Mitglieder versuchen, so gut wie möglich Kontakt zu halten – zum Beispiel über ihre Facebook-Gruppe. Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 konnten die Aktiven zunächst wieder proben, natürlich mit mehr Abstand untereinander als gewöhnlich. Doch das tat ihnen gut: „Musik verbindet. Aber alleine kann man nicht spielen, wir brauchen viele Musiker für ein Lied“, verdeutlicht der Vorsitzende.

Verein gründet „Mini-Brass“

Auch mit den Jugendlichen des Vereins wurde etwas unternommen. Im Sommer ging es zum Beispiel in den Kletterpark Sankt Andreasberg.

Außerdem rief das Musikcorps Mitte vergangenen Jahres trotz der Pandemie ein neues Angebot ins Leben: „Mini-Brass“ wurde gegründet. Pohl erklärt, dass es sich um eine Frühförderung für kleine Kinder handelt. Das hatte sich schnell herumgesprochen, acht Mädchen und Jungen kamen zusammen. Sie sangen, klatschten, malten Bilder zum Thema Musik und lernten auch schon die Instrumente der Großen kennen. Das kostenlose Programm wird gerade vom zweiten Lockdown unterbrochen, soll aber fortgeführt werden.

Auch die Übungstreffen der Erwachsenen musste wieder eingestellt werden. Trotzdem wollte der Vereinsvorstand den 40 Aktiven eine Freude machen. Spontan sei die Idee entstanden, Nikolaus-Tüten zu packen und zu verteilen, berichtet Pohl. Das Verteilen an den Haustüren der Mitglieder habe achteinhalb Stunden gedauert und 200 Kilometer seien gefahren worden.

Spielplan 2021 ist noch leer

Dabei hat sich der ein oder andere sicherlich auch an die erfolgreichen Aktionen 2019 erinnert. Das Festival der Musikzüge fand an der Augenquelle in Bad Lauterberg statt. Zu Gast waren 23 Spielmanns-, Fanfaren- und Musikzüge aus ganz Deutschland – in der Summe 600 Musiker. An dem Wochenende wurde auch das Oktoberfest gefeiert: Die Eintrittskarten für das 2.500 Personen fassende Festzelt waren in kürzester Zeit ausverkauft. Pohl: „Auf einen Schlag hatten wir das größte Oktoberfest in Niedersachsen.“

Eigentlich sollte es auch im vergangenen Jahr wieder ein Fest in Bad Lauterberg geben. Doch aus das fiel der Pandemie zum Opfer. Mit etwas Glück kann es in diesem Jahr stattfinden.

Zeit hätten die Hobbymusiker zumindest. Denn auch der Spielplan für die bevorstehende Saison 2021 ist leer. „Nicht ein Auftritt steht auf dem Zettel“, so Vereinchef Pohl. Er sagt aber auch: „Wir Musikvereine sitzen alle im gleichen Boot. Und wenn es wieder losgeht, sind wir dabei. So wie alle anderen Musikvereine hoffentlich auch.“

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