„Es kommt auf die persönliche Art an“

Bad Lauterberg.  Die Amtszeit der ersten Frau auf dem Präsidentenstuhl des Rotary-Clubs Bad Lauterberg-Südharz endet.

Dr. Astrid Laue-Savic, Präsidentin des Rotary-Clubs Bad Lauterberg-Südharz, eröffnet mit dem Glöckchenklingeln ein Meeting.

Dr. Astrid Laue-Savic, Präsidentin des Rotary-Clubs Bad Lauterberg-Südharz, eröffnet mit dem Glöckchenklingeln ein Meeting.

Foto: Rotary-Club Bad Lauterberg-Südharz

Seit dem 1. Juli des vergangenen Jahres ist Dr. Astrid Laue-Savic Präsidentin des Rotary-Clubs Bad Lauterberg-Südharz. Sie ist die erste Frau, die das jährlich wechselnde Amt des Präsidenten im Lauterberger Club ausübt. Sie war zudem im Jahr 2009 das erste weibliche Mitglied. „Ich habe mich im Club von Beginn an wohlgefühlt und hatte nie Probleme, die sich daraus ergeben hätten, dass ich eine Frau bin“, sagt die Lauterberger Ärztin und Nuklearmedizinerin. „Allerdings habe ich auch nie nach solchen Problemen gesucht.“

Probleme mit weiblichen Mitgliedern hatte aber Rotary International sehr wohl. Einen ersten Antrag eines Clubs für die Aufnahme eines weiblichen Mitglieds gab es bereits 1950. Es dauerte bis 1989, bis der Gesetzgebende Rat von Rotary der Aufnahme von Frauen zustimmte. „Und das auch erst, nachdem zwei Jahre zuvor ein Gericht auf höchster Ebene die Aufnahme von Frauen angeordnet hatte“, weiß Astrid Laue-Savic. „Es ist schade, dass ein Gerichtsprozess nötig war und nicht allein die Tatsache reichte, dass seit den siebziger Jahren immer mehr Frauen berufliche Karrieren ähnlich der der Männer machten.“

Lauterberger Club mit fünf Frauen

In Deutschland sind nach Zählungen aus dem letzten Jahr 11,6 Prozent der Clubmitglieder weiblich, weltweit 22,6 Prozent. Der Lauterberger Club hat aktuell 47 Mitglieder, darunter fünf Frauen. Der Club ist 1983 gegründet worden. „Der Club war also erst sechs Jahre ,alt’, als von Rotary International entschieden wurde, dass Frauen auch Mitglieder werden dürfen. Der Club musste sozusagen erst ,erwachsen’ werden, bis auch Frauen aufgenommen wurden. 2009 wurde ich vorgeschlagen und aufgenommen. Die dann kommende Zeit hat den Grundstein für die Entscheidung gelegt, die Verantwortung für wichtige Posten zu übernehmen.“

So, wie sie unvoreingenommen in den Club eingetreten sei, habe sie 2018 auch die Aufgabe des Sekretariats und schließlich im vergangenen Jahr die Präsidentschaft übernommen. „Ich habe mich vorbereitet und eingesetzt, um meine Aufgabe möglichst gut zu machen. Zudem möchte ich die Ziele des Clubs, aber auch Ziele von Rotary International verfolgen. Dabei ist es mir nicht darauf angekommen, zu betonen, dass ich eine Frau bin oder dass ich das eben auch als Frau kann – es geht mir da eher um die Aufgabe als solche.“

Das bestätigt der aktuelle Clubsekretär und nächste Clubpräsident Björn Gollée. „Was unsere Präsidentin anfasst, macht sie gründlich und äußerst gewissenhaft. Dabei verbindet sie in dieser kontaktarmen Zeit die Menschen, was ihr sehr wichtig ist.“ Von ihrem Engagement zeugten zudem ihre Teilnahme an zahlreichen Veranstaltungen, darunter auch der Besuch des letztjährigen Rotary-Weltkongresses in Hamburg.

„Bei der Amtsübernahme im letzten Jahr habe ich gleich zu Beginn meiner Ansprache gesagt, dass ich das Gefühl habe, dass mir der Club – also alle Mitglieder – das notwendige Vertrauen für die Führung und die Repräsentation entgegen bringen“, erinnert sich Laue-Savic. „Ich habe mich nicht getäuscht! Es gab im vergangenen Jahr keine Situation, in der ich mich streiten oder wehren musste oder in der ich mich nicht unterstützt gefühlt habe.“ Das Gegenteil sei der Fall gewesen. Wie selbstverständlich würden bestimmte Aufgaben von den Club-Freunden übernommen. Und die durchweg gute Beteiligung bei den Meetings und geselligen Veranstaltungen zeige ihr doch eine gewisse Zufriedenheit im Club.

„Ich bin davon überzeugt, dass es auf die einzelne Person ankommt, nicht auf ihr Geschlecht, die ihr rotarisches Jahr auf ihre persönliche Art durchführt und organisiert. Und ihm vielleicht auch einen persönlichen Charakterzug verleiht. Wie dieser persönliche Zug im Club ankommt, ist natürlich grundsätzlich ungewiss.“

„Sie stellt sich ganz in den Dienst der Sache und ist dabei stets gut gelaunt“, sagt Hinrich Bangemann über sie. Vor der Übernahme der Präsidentschaft war Laue-Savic Clubsekretärin und arbeitete in dieser Funktion mit dem letztjährigen Präsidenten Bangemann zusammen. „Astrid war als Sekretärin eine große Unterstützung, absolut zuverlässig, hohe Einsatzbereitschaft und Kreativität. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mit Astrid die Geschicke des Clubs zu lenken.“

„Ich glaube auch, dass es ein bisschen darauf ankommt, dass man nicht permanent darauf aufmerksam macht, dass man eine Aufgabe, die sonst Männer erledigen, auch als Frau bewältigen kann. Als emanzipierte Frau muss man erfreulicherweise in einer Gemeinschaft, die dies anerkennt, darüber nicht mehr diskutieren“, spricht die Clubpräsidentin ihren männlichen Mitgliedern ebenfalls ein Lob aus.

Einen Schwerpunkt legt sie auf die Entwicklung junger Menschen, wie zum Beispiel den Schüleraustausch und die musikalische Weiterbildung. Zudem sei der Club weiblicher und jünger geworden, dadurch „sind wir sehr gut aufgestellt und zukunftsfähig“, hatte sie bei der Amtsübernahme gesagt.

„Jünger, weiblicher und bunter“

Letzteres freut Marianne Broska vom Rotary-Club Helmstedt. Sie ist eine der weltweit 41 Rotary-Koordinatoren für Mitgliedsentwicklung. Der Lauterberger Club sei „konstruktiv und freundschaftlich. Es herrscht eine sehr familiäre und lockere Atmosphäre, trotzdem – oder gerade deshalb – stellen die Mitglieder sehr viel auf die Beine.“ Broska gefällt, dass der Club unter Laue-Savic Ziele verfolgt, die auch ihr am Herzen liegen. „Die Clubs sollten zu einer Balance der Geschlechter und zu einer Senkung des Durchschnittsalters kommen, also jünger, weiblicher und bunter werden. Und nach außen sollten die Clubs das Leben derer, denen es nicht so gut geht, verbessern.“

Leider musste Astrid Laue-Savic aufgrund der Corinakrise einige der von ihr noch angedachten Aktionen absagen, darunter das Projekt „Gesunde Kids“, das an der Herzberger Nicolai-Grundschule durchgeführt werden sollte. Auch das in den letzten beiden Jahren so erfolgreiche Entenrennen muss ausfallen. Zurzeit finden die wöchentlichen Treffen der Rotarier per Videokonferenzen statt. Mit ihrer Bitte an die Clubmitglieder, aus dem eigenen Umfeld in Zeiten der Coronakrise zu berichten, stieß die Präsidentin auf große Resonanz.

„Das kam sehr gut an“, betont Clubmitglied Arndt Stollberg. „Astrid hat sich als erste Präsidentin unseres Clubs durch ihre ruhige und pointierte Art in der rotarischen Männerwelt hervorragend durchgesetzt. In der aktuell schwierigen Lage mit den Kontaktverboten hat sie es geschafft, die Clubmitglieder mit den Videokonferenzen wieder an einen ,Tisch’ zu bringen, um so die Meetings fortzuführen.“ Und das wird Astrid Laue-Savic auch in den letzten sechs Wochen ihrer Amtszeit schaffen.

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