Friedas Leben mit der Autoimmunerkrankung

Bad Lauterberger  Eva Hemmrich hat ein Buch über Progressive Systemische Sklerodermie geschrieben und schildert den langen Weg bis zur richtigen Diagnose.

Die Autorin Eva Hemmrich in ihrem Lieblingssessel in ihrer Lauterberger Wohnung.

Die Autorin Eva Hemmrich in ihrem Lieblingssessel in ihrer Lauterberger Wohnung.

Foto: Nora Garben

Die gebürtige Lauterbergerin Eva Hemmrich leidet unter einer Autoimmunkrankheit und hat vor kurzem ein „Mut-mach-Buch“ geschrieben, weil sie in den verschiedenen Kliniken immer wieder dasselbe beobachtet hatte: Die eigene Krankheit bestimmte das ganze Leben. „Ich habe immer wieder gesehen, wie falsch die Leute mit ihrer Krankheit umgehen, sie ergeben sich dieser total und leben nur noch für die Krankheit“, sagt Hemmrich.

Deshalb wolle sie mit ihrem Buch dazu beitragen, dass andere chronisch Kranke, ob Betroffene einer Autoimmunkrankheit oder nicht, zum einen schneller Hilfe bekommen und zum anderen daran glauben können, dass sie trotzdem ein „gutes und qualitativ hochwertiges Leben führen können“.

Frieda ist die Protagonistin des Buches. Bis sie die richtige Diagnose erhält, vergehen über drei Jahre. Jahre, in denen sie immer wieder die Kontrolle über ihre Beine verliert und stürzt, phasenweise vor Schmerzen kaum aus dem Bett kommt und ihre Knie so geschwollen sind, dass sie die Größe von „Kinderköpfen“ haben.

Langer Weg bis zur Diagnose

Frieda leidet unter Progressiver Systemischer Sklerodermie, einer Autoimmunerkrankung, die zu den Kollagenosen gehört und die das Bindegewebe angreift. Die Folge sind Verdickungen und Verhärtungen der Haut und anderer Organe. Die Krankheit ist nicht heilbar.

Der Weg bis zur Feststellung der Erkrankung ist lang und kostet Frieda viel Kraft. Sie, die immer sehr aktiv und sportlich war, mehrmals in der Woche zum Pilates und zur Wassergymnastik ging, joggte, wanderte und die 20 Kilometer zur und von der Arbeit mit dem Fahrrad fuhr, ging nun mit einer Würstchenzange durch ihre Wohnung, um Gegenstände aufzuheben, weil sie sich nicht bücken kann. Die Haut in ihrem Gesicht strafft sich schmerzhaft und ihre Finger verkrüppeln. Arztbesuch auf Arztbesuch folgt, häufig ohne Befund. Frustrierend sind auch die Fehldiagnosen – von Karpaltunnelsyndrom bis Fibromyalgie.

Die Ärztin in einer Reha-Klinik, in der die Protagonistin sich wegen ihrer angeblichen Fibromyalgie behandeln lassen will, stellte endlich die richtige Diagnose. Danach recherchiert Frieda erst mal im Internet und liest von einer verbleibenden Lebenserwartung von fünf Jahren. „Ich saß da, gelähmt und völlig sprachlos. In meinem Kopf drehte sich ein Karussell mit kleinen grauen Wagen. In jedem Wagen sah ich meine verlorene Zukunft an mir vorüberfahren.“ 2012 kommt der Zusammenbruch. Frieda hat Wasser in Lunge und Herz, muss im Krankenhaus mit Astronautenkost ernährt werden und unterzieht sich einer Chemotherapie. Was folgt, ist ein sechsmonatiger Aufenthalt im betreuten Wohnen. Doch Frieda fühlt sich in der neuen Umgebung nicht wohl. Sie kennt niemanden und erlebt das Zusammenleben mit den Bewohnern als bedrückend, weil diese sich nur auf ihre Krankheiten konzentrieren. Deshalb entscheidet sie sich in ihre Heimatstadt zurückzukehren, in der sie noch Familie und alte Bekannte hat.

2016 zieht Frieda ein positives Fazit. Die fünf Jahre Lebenserwartung, von denen sie gelesen hatte, hat sie erfolgreich überschritten. Zwar gibt es kein Medikament gegen die Krankheit selbst, doch lassen sich viele der Symptome behandeln. Sie kocht täglich für sich, erledigt viel zu Fuß und wandert sogar wieder. In allen Lebenslagen wird sie liebevoll von ihren Kindern unterstützt.

Vieles zurück erkämpft

Wie auch ihre Protagonistin, findet Eva Hemmrich, dass das Wichtigste sei, nicht den Mut zu verlieren und mit sich selbst versöhnlich umzugehen. Der Schicksalsschlag hat ihre Sicht auf die Dinge verändert, wie es so oft der Fall ist. Hemmrich erfreut sich an Kleinigkeiten wie ihrem Balkon und Lesesessel, daran, den Fluss zu hören, wenn sie ein Fenster öffnet. „So eine Krankheit macht demütig“, sagt sie.

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