Gittelde: Alter Torbogen am Friedhof soll abgerissen werden

Gittelde  Eine Sanierung soll zu kostenintensiv sein. Ortsbürgermeister, Ortsrat und Einwohner setzen sich für den Erhalt ein.

Der alte über 100 Jahre alte Torbogen an der Friedhofseinfahrt ist marode. Eine Sanierung soll schätzungsweise mehr als 20.000 Euro kosten.

Der alte über 100 Jahre alte Torbogen an der Friedhofseinfahrt ist marode. Eine Sanierung soll schätzungsweise mehr als 20.000 Euro kosten.

Foto: Herma Niemann / HK

Seit mehr als 100 Jahren ziert der Torbogen die Zufahrt zum Gittelder Friedhof. Und nun soll er weichen. Denn nach Überprüfung durch die Evangelische Fachstelle für Arbeits- und Gesundheitsschutz (EFAS) in Wolfenbüttel steht fest: Die Standfestigkeit der Tordurchfahrt ist nicht mehr gewährleistet. Das Tor soll marode und einsturzgefährdet sein. Die Gittelder Einwohner haben durch den Gemeindebrief der Kirchengemeinde von dem Abriss erfahren. Wie es im Gemeindebrief heißt, und was auch Günther Schalude-Schellmann vom Kirchenvorstand auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt, sei eine Sanierung des Torbogens wegen der hohen Kosten für die Evangelische Kirchengemeinde in Gittelde nicht möglich.
Schalude-Schellmann schätzt die Kosten für eine Sanierung auf zwischen 18.000 bis 25.000 Euro. Wobei Schalude-Schellmann dies auch gleich einschränkt und sagt: „Das Tor ist nicht mehr sanierungsfähig, es müsste abgerissen und neu gebaut werden“. Denn seiner Meinung nach würde der mehr als 100 Jahre alte Beton und die verbauten nur drei bis vier Millimeter breiten Bewährungseisen zur Stabilisierung einer Sanierung nicht standhalten.

Ein Abriss koste zwischen 3.000 und 4.000 Euro. Was außerdem noch gegen eine Erhaltung spreche, sei, dass Beerdigungsinstitute, Steinmetze und die Fahrer mit den Grüncontainern schon lange Probleme beim Rangieren durch die Einfahrt hätten, und es wohl auch schon einige Male zu einem Anstoß an das Tor gekommen sei. Zudem soll die Gefahr bestehen, von herabfallenden Teilen des Tores getroffen zu werden. „Mit großem Bedauern müssen wir daher den Empfehlungen der Landeskirche folgen und leider den Torbogen im Frühjahr abreißen“, heißt es im Gemeindebrief. Der Kirchenvorstand war sich einig.

Heimatchronist forscht zum Torbogen

Auf Nachfrage berichtet der Ortsbürgermeister, Olaf de Vries, dass er und auch der Ortsrat doch sehr überrascht gewesen seien, wie schnell und kommentarlos der Kirchenvorstand einem Abriss zugestimmt habe. De Vries wolle das Thema in der kommenden Ortsratssitzung im Januar anstoßen und nach Lösungen suchen, da er wie auch der Ortsrat sich für den Erhalt und die Sanierung des Torbogen einsetzen wollen. Ein weiterer Einwohner, der sich für den Erhalt des Bogens einsetzen wird, ist Hubert Peter. Peter würde sich bereit erklären, eine Unterschriftensammlung oder eine Spendensammlung zu organisieren. „Alles, was schön ist, soll immer weichen. Der Torbogen ist alt und darf nicht abgerissen werden“, so Peter.

Auf historischen Gittelder Fotos und Postkarten ist dieser auffallende Torbogen oft zu sehen und wird auch in alten Berichten über die St. Johannes-Kirche erwähnt. Nähere Einzelheiten waren bisher nicht bekannt. Der Heimatchronist Bodo Biegling hat sich nun aufgrund der Bekanntgabe des Abrisses der Sache angenommen und recherchiert. Wie Biegling auf Nachfrage erzählt, sei in der Kirchenchronik der Gittelder Kirchengemeinde von dem damaligen Ortschronisten Wilhelm Grützmacher im Jahre 1912 in feiner Deutscher Sütterlinschrift die kurze markante Eintragung zu lesen: „In hochherziger Weise hat der Direktor der Faßfabrik Hermann Heine an der Nordseite des Friedhofs eine künstlerisch schöne und würdige Einfriedigung gestiftet“. Bei dieser Einfriedigung handelt es sich nicht nur um den einst gewaltigen Zaun mit seinen hohen Pfosten und Latten an der nördlichen Seite zum Dorf, sondern dazu gehören auch die beiden noch bestehenden Torbogen am Eingang zur St. Johannes-Kirche und am hinteren Eingang zum Friedhof. Die eigentliche Zaunanlage mit den massiven Pfosten verlief einst vom Torbogen am hinteren Friedhofseingang bis zur Friedhofsgrenze östlich der 450 Jahre alten Sommerlinde. Auf alten Fotos beziehungsweise Postkarten ist dieser Verlauf nachzuvollziehen und wird so von Zeitzeugen auch bestätigt. Wegen Baufälligkeit wurde der eigentliche Zaun bereits vor einigen Jahren abgerissen und durch den jetzigen Eisenzaun ersetzt.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder