Ein Mann, ein Wald, eine Leidenschaft

Bad Grund.  Revierförster Dietmar Mann geht nach fast 30 Jahren Tätigkeit in der Gemeinde Bad Grund in Rente. Zeit für einen Rückblick.

Seit 2001 ist Dietmar Mann der Revierförster in Bad Grund, Ende November geht er nach insgesamt 44 Dienstjahren in Rente.

Seit 2001 ist Dietmar Mann der Revierförster in Bad Grund, Ende November geht er nach insgesamt 44 Dienstjahren in Rente.

Foto: Herma Niemann / HK

Im Fußraum liegt Erde, den Rücksitz teilen sich Arbeitsmaterialien und getrocknete Blätter. So sieht es eben in einem echtem Forstauto aus. Es regnet stark und die Waldwege sind matschig und rutschig. Und dennoch steuert der Revierförster von Bad Grund, Dietmar Mann, seinen Wagen zielsicher durch den Wald, obwohl es – je höher man gelangt – schon ziemlich tief bergab gehen könnte. Seit 2001 ist Dietmar Mann in „seinem“ Wald in Bad Grund unterwegs, kennt alle Wege und wie er selber humorvoll sagt auch „jeden Baum beim Vornamen“.

Insgesamt blickt er auf 44 Jahre Dienstzeit in den unterschiedlichen Revierförstereien zurück. Ende dieses Monats geht er in den Ruhestand. „Das wird mir alles fehlen“, sagt der 65-Jährige. Rund 1.000 Hektar Landesforst betreut Mann und dazu noch die Genossenschaften. 1990 hat Dietmar Mann in der damaligen Samtgemeinde Bad Grund zunächst in Badenhausen als Revierförster begonnen und wechselte 2001 nach Bad Grund. Nach zwei Jahren Bundeswehrzeit absolvierte er sein Studium zum Forstingenieur ab 1978 an der Forstwirtschaftlichen Fachhochschule in Göttingen, machte anschließend ein Praktikum im Stadtforst Göttingen, arbeitete ein Dreivierteljahr als selbstständiger Forstunternehmer und begann seine Laufbahn im Jahr 1981, zunächst in der Revierförsterei Oderhaus (Nationalpark Harz) und in Braunlage.

„Unser Spielplatz war der Wald“

Der Wald habe schon von klein auf eine besondere Rolle in seinem Leben gespielt. „Ich bin auf dem Dorf groß geworden und unser Spielplatz war der Wald“, schwärmt Mann. Sein Arbeitsalltag als Revierförster habe viel mit Organisation zu tun. Im Weltwald zum Beispiel müssen die Pflege- und Mäharbeiten koordiniert werden. Ebenso müssen für das Revier Wirtschafts- und Jahrespläne erstellt sowie die Holzernte organisiert werden. Vieles richte sich natürlich nach der Jahreszeit oder nach der jeweiligen Witterung. Auch die Organisation der Jagden und Gesellschaftsjagden gehört mit zu seinen Aufgaben. Zudem ist Dietmar Mann Ansprechpartner für vielerlei andere Dinge, wie etwa bei Wildunfällen, und ist oftmals auch Ansprechpartner für Bürger, die verschiedene Fragen rund um das Thema Wald haben.

Wer glaubt, im Wald stünde alles unverrückbar fest, der irrt sich. Denn in den vergangenen Jahrzehnten habe sich einiges geändert. Besonders der Klimawandel habe den heimischen Bäumen in den vergangenen drei Jahren – nach Stürmen, Trockenheit und Borkenkäfern – zu schaffen gemacht, so Mann. Einige Baumarten wie die Esche, der Bergahorn, die Fichte und auch die Eiche kämen mit den veränderten Bedingungen nur schlecht zurecht und bekämen Stressprobleme.

Umbau des Waldes

Während seiner gesamten Dienstzeit bereits ist Mann am Umbau des Waldes von reinen Fichtenbeständen hin zu Mischwäldern beteiligt. In großen Bereichen habe man schon gar keine reinen Fichtenbestände mehr, viele Teile seien inzwischen gemischt aus Laubbäumen, Fichten und Douglasien. Das gelte natürlich besonders für die jungen Teile der Wälder. „Der Wald entwickelt sich neu, aber die Frage ist, wie wir das begleiten wollen. Um dem Klimawandel ernsthaft zu begegnen, muss der Wald bewirtschaftet werden“, betont Mann und gibt zu Bedenken, dass Nachhaltigkeit auch damit zu tun habe, das heimische Holz in Form von Möbeln und im Hausbau zu verwenden, anstatt es aus Übersee aus Sibirien oder Kanada liefern zu lassen. „So lange, wie das heimische Holz verbaut wird, bindet es auch CO 2 . Ökologischer Wohnbau heißt, die regionalen Produkte zu verwenden.“

Seit gut 25 Jahren sei keine Fichte mehr angepflanzt worden, so der Revierförster weiter. „Die richtig alten Wälder mit 100, 120 und 140 Jahren haben natürlich ganz anders ausgesehen. Dazu müsse man aber auch sagen, dass die Menschen in diesen Zeiten ganz andere Sorgen hatten, als sich Gedanken um Nachhaltigkeit oder ökologische Waldbewirtschaftung zu machen.“ Den Menschen könne man keine Vorwürfe machen, sie mussten heizen und Essen kochen und auch der Bergbau brauchte für die Verhüttung viel und schnell Holz.

Weltwald mitgestaltet

Ganz besonders liegt Dietmar Mann der Weltwald, das Arboretum, oberhalb von Bad Grund am Herzen. Im Jahr 2018 wurde dort begonnen, einen neuen Erlebnispfad zu installieren, auf dem die Douglasie als Baumart vorgestellt werden soll. Auch eine Idee von Dietmar Mann. Der neue Pfad entsteht unterhalb der Bundesstraße in Richtung Winterberg. „Dort, wo es für die Fichte zu trocken ist, bietet sich die Douglasie als Ersatzbaumart an“, betont der 65-Jährige. Auf dem neuen Pfad soll eine Baumstammbrücke aus Douglasie entstehen, die über eine Schlucht führt. Die Brücke bekommt zudem eine überdachte Holzkonstruktion. „Damit wollen wir zeigen, welche baulichen Möglichkeiten die Douglasie bietet“. Mit den veränderten Klimabedingungen komme die Douglasie gut klar und „vertrage“ sich zudem auch mit anderen Baumarten wie Eichen, Fichten und Lerchen.

„Seine gesamte Dienstzeit über hat Dietmar Mann mit unglaublich viel Engagement, Weitblick, Herzblut und mit viel Fingerspitzengefühl gearbeitet und den Waldumbau vorangetrieben“, lobt der Forstamtsleiter von Riefensbeek Max Schröder. Von Beginn an habe Mann daran gearbeitet, stabile Wälder zu schaffen, Ideen weiter zu entwickeln und neue Pfade im Weltwald zu schaffen. Zudem kenne sich Mann im Wald aus wie in seiner Westentasche, ergänzt der Pressesprecher der Landesforsten Region Süd, Michael Rudolph. Viele Innovationen im Weltwald gehen auf Mann zurück, wie etwa die Erlebnispfade, die Nordic-Walking-Events zum Indian Summer oder zur Blütezeit im Frühjahr mit den ansässigen Sportvereinen oder die Esel-Trekking-Touren. Mann habe den Weltwald thematisch aufgewertet und Angebote für den sanften Tourismus geschaffen. „Seine Kenntnisse sind herausragend. Dietmar Mann wird uns als Persönlichkeit sehr fehlen“, so Schröder.

Der Nachfolger

Nachfolger von Dietmar Mann wird Jan Ole Kropla werden, der bisher flexibler Revierleiter in Riefensbeek war und gerade eingearbeitet wird. Aber auch in seinem künftigen Ruhestand wird es für Dietmar Mann weiterhin viel um Natur und Landschaft gehen. Mann ist unter anderem weiterhin als Regionaler Naturschutzbeauftragter des Landkreises Göttingen tätig, und werde auch weiterhin in diversen Arbeitskreisen mitwirken. „Langweilig wird mir bestimmt nicht werden, ich werde auch viel in unserem neuen Garten zu tun haben. Außerdem freuen sich schon zwei Enkel darauf, mehr Zeit mit mir zu verbringen“.

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