Helmstedt. Die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz feiert den Geburtstag der Paramentikvereinigung ohne Vertreter der Gründungswerkstatt.

Vor 100 Jahren wurde im Kloster St. Marienberg zu Helmstedt die Marienberger Vereinigung für Paramentik e.V. gegründet. Diesem inzwischen konfessionsoffenen Dachverein gehören aktuell etwa 15 Paramentenwerkstätten sowie einige Einzelpersonen und fördernde Mitglieder in ganz Deutschland an. Am Freitag feierte die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz (SBK) als Eigentümerin des Klosters zusammen mit Vertreterinnen der Werkstätten diesen Geburtstag dort, wo alles begann, im Kloster St. Marienberg.

Die Werkstatt des Klosters St. Marienberg hat den Betrieb 2023 eingestellt

Von der Werkstatt des Klosters St. Marienberg war niemand gekommen. Die Werkstatt hatte ihren Betrieb im vergangenen Jahr eingestellt und musste Insolvenz beantragen. Betrieben wurde sie von der „von Veltheim-Stiftung beim Kloster St. Marienberg in Helmstedt“.

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Die Feiernden waren sozusagen unter sich, die Vertreterinnen der Werkstätten, Verantwortliche der Stiftung. Der Kirchenhistoriker Dr. Stefan Michel leitete durch den Festakt. Geladen waren Redner, Grußwortspender und Experten wie etwa Karl Borromäus Murr, Direktor des Staatlichen Textil- und Industriemuseums Augsburg. In seiner Festrede referierte er über „kulturanthropologische Annäherungen an die Paramentik“. Schwere Kost, auf die man sich einlassen wollen muss. Zuvor wurde ein Streifzug durch aktuelle Arbeiten unternommen. Eindrucksvoll und geeignet, sich sozusagen Mut zuzusprechen, denn um die christliche Paramentik in Deutschland steht es nicht gut.

Festakt für die Paramentik – an dem Ort, an dem sie Geschichte ist

Das erste Grußwort war Maria-Rosa Berghahn, der Direktorin der SBK, vorbehalten „Es ist wichtig, an diesem Ort dieses Jubiläum zu feiern“, sagte sie. Die Kunst der Paramentik habe es bisher geschafft, sich den verändernden äußeren Umständen anzupassen, und sie werde dies auch kreativ weiterhin tun, ergänzte sie an jenem Ort, an dem eben das wohl Geschichte ist. Berghahn legte gar noch einen drauf: Sie würde sich wünschen, dass auch der 200. Geburtstag in Helmstedt gefeiert würde. Man könnte das als herbe Missachtung der aktuellen Situation im Kloster St. Marienberg verstehen.

Pröpstin Katja Witte-Knoblauch, immerhin Hausherrin in der Klosterkirche, jedoch nicht begrüßt, verlas zunächst eine Grußbotschaft des Landesbischofs Christoph Meyns, bevor sie selber auf das Thema einging, das über allem hing, die Vergänglichkeit der Paramentik in Helmstedt. Demnach verliert die Paramentik auf der einen Seite durch eine sich im Wesen verändernde Kultur, einer diversen Kultur, in der einstige verbindende Elemente nicht mehr so wichtig erschienen.

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Aber die Paramentik in Helmstedt sei von vielen Menschen als ein besonderer Schatz empfunden worden. Witte-Knoblauch sprach von Wertschätzung für das Handwerk und die Kunst der Paramentik. Im Rahmen der Grußworte war sie die einzige, die damit direkt auf die Paramentenwerkstatt im Kloster ansprach. Glaube, Liebe und Hoffnung, da hielt sie es mit Bischof Meyns, manifestierten sich über den Geist und die Finger in wertvollen Paramenten. Sie hoffe und bete, dass diese Kraft immer in St. Marienberg leben und von dort aus wirke.

Christian Vorbrodt vertrat mit einigen Worten Landrat Gerhard Radeck, und Helmstedts Bürgermeister Wittich Schobert betonte, wie wichtig und integrativ St. Marienberg für die Stadt Helmstedt ist. Er hieß alle Gäste des Festaktes willkommen und untermauerte die grundsätzliche Gültigkeit dieser Worte.

Die Werkstatt war übrigens geöffnet. Fotos waren nicht erwünscht. Man sei nur Gast, hieß es von Verantwortlichen der Vereinigung. Auch die Schatzkammer hatte ihre Türen für eine Weile geöffnet.

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