Los Angeles. Er meidet den roten Teppich, gibt keine Interviews und keine Pressekonferenzen. Legenden ranken sich um das fernab von Hollywood im US-Staat Texas lebende Phantom und Genie. Der öffentlichkeitsscheue US-Regisseur Terrence Malick („The Tree of Life“, „Der schmale Grat“), der am Donnerstag (30. November) 80 Jahre alt wird, lässt lieber seine Filme sprechen.

Er meidet den roten Teppich, gibt keine Interviews und keine Pressekonferenzen. Legenden ranken sich um das fernab von Hollywood im US-Staat Texas lebende Phantom und Genie. Der öffentlichkeitsscheue US-Regisseur Terrence Malick („The Tree of Life“, „Der schmale Grat“), der am Donnerstag (30. November) 80 Jahre alt wird, lässt lieber seine Filme sprechen.

Nicht verwunderlich, dass Malick auch 2019 nicht dabei war, als sein bisher letzter Spielfilm nach der Premiere beim Filmfest in Cannes minutenlang mit Standing Ovations gefeiert wurde. Mit „Ein verborgenes Leben“ verfilmte Malick ein Drama über den Widerstand im Zweiten Weltkrieg, basierend auf wahren Begebenheiten. In grandiosen Bildern und auf sehr poetische Weise erzählt er von dem österreichischen Bauern Franz Jägerstätter, der nicht für die Nationalsozialisten kämpfen wollte und dafür schließlich 1943 hingerichtet wird.

„Ein sehr neugieriger und sehr lustiger Mensch“

Der deutsche Hauptdarsteller August Diehl schwärmte in Cannes von der Zusammenarbeit mit Malick. Dieser sei ein „sehr offener, sehr bescheidener, sehr neugieriger und sehr lustiger Mensch“, sagte Diehl im dpa-Interview. „Er fragt sehr viel über das persönliche Leben und was man über Dinge denkt. Man redet viel über philosophische Fragen oder wie man die Welt sieht“.

Auf ein Drehbuch hätten sie schnell verzichtet. „Die Takes dauern sehr, sehr lange, in ihnen sucht er nach DEM Moment. Die Suche nach dem Augenblick ist sehr wichtig für ihn. Dialoge gab es sehr wenige in dem Film, es ging um die Arbeit an Stimmungen“, erzählt Diehl.

Malick, der mit seiner dritten Ehefrau in Texas lebt, hat einen filmreifen Werdegang. Zeitweise arbeitete er als Handlanger auf einer Farm, bevor er an den Eliteuniversitäten Harvard und Oxford Philosophie studierte. Später jobbte er als Journalist in New York, dann schrieb er sich 1969 als Filmstudent in Los Angeles ein.

1973 gab er mit „Badlands“ sein Regiedebüt. Der Neuling, der mit einem knappen Budget mit der eigenen Firma produzierte, konnte Martin Sheen und Sissy Spacek für die Rollen eines mörderischen Paares im ländlichen Amerika gewinnen.

Seinen Ruf als Genie verfestigte er fünf Jahre später mit dem Eifersuchtsdrama „Days of Heaven“ (In der Glut des Südens), das er weitgehend ohne künstliches Licht drehte. Der Film um die Dreiecksbeziehung von Bill, Abby und einem Farmer im Texas des Jahres 1916 war mit Richard Gere, Brooke Adams und Sam Shepard prominent besetzt und wurde 1979 in Cannes mit dem Regie-Preis ausgezeichnet.

Langer Rückzug

Trotz seines Erfolgs zog sich Malick aus dem Filmgeschäft zurück und lebte zeitweise in Frankreich. Erst 20 Jahre später meldete er sich mit dem Anti-Kriegsfilm „Der schmale Grat“ (The Thin Red Line) zurück. Stars wie Sean Penn, Nick Nolte, Woody Harrelson und George Clooney wollten mit Malick drehen. Sie spielen US-Soldaten, die in den vierziger Jahren auf einer Pazifikinsel gegen die Japaner kämpfend in ein unberührtes Naturparadies eindringen. Das Drama gewann 1999 bei der Berlinale den Goldenen Bären.

2006 holte Malick für das Historiendrama „The New World“ Colin Farrell als britischen Forschungsreisenden vor die Kamera, der sich in der US-Wildnis in die Häuptlingstochter Pocahontas verliebt.

Goldene Palme für „The Tree of Life“

Es wäre ein Wunder gewesen, hätte Malick 2011 für „The Tree of Life“ bei dem Festival in Cannes die Goldene Palme selbst in Empfang genommen hätte. Stattdessen trat Produzent Bill Pohlad auf die Bühne. „Heute Abend muss ich den Platz eines Giganten einnehmen“, sagte er. Malick sei „sehr schüchtern und verschwiegen“. „Er will keine Berühmtheit werden.“

Das philosophische und spirituelle Werk „The Tree of Life“ ist eher schwer zugängliches, aber bildgewaltiges Kino. Malick verbindet ein Familiendrama mit den Hollywoodstars Brad Pitt und Sean Penn mit imposanten Aufnahmen zur Schöpfung der Erde und der menschlichen Existenz. „Er wirft große Fragen auf“, beschrieb Pitt den Film im „San Francisco Chronicle“.

Für Malick war es auch ein Sprung zurück in die eigene Jugend. Er wuchs in Texas auf, ein strenger Vater, der frühe Tod eines Bruders. Das sind einige der wenigen bekannten Bruchstücke aus dem Leben des Regisseurs.

Nach „Tree of Life“ (2011) mussten Malick-Fans nicht lange warten. „To the Wonder“ (2013), mit Ben Affleck, Olga Kurylenko, Rachel McAdams und Javier Bardem, ist ein Liebesdrama mit Traumsequenzen. In „Knight of Cups“ (2015) schickte er Christian Bale in der Rolle eines Erfolgsautors mit Natalie Portman und Cate Blanchett auf Sinnsuche durch Hollywood. Ähnlich geheimnisvoll wie der Film, muss auch der Dreh gewesen sein. „Terry hat mir nicht gesagt, um was es in dem Film geht“, erzählte Bale bei der Berlinale. Er habe auch nie gewusst, was er an dem jeweiligen Tag machen müsse.

Für „Song to Song“ (2017) holte Malick Stars wie Ryan Gosling, Michael Fassbender, Rooney Mara, Natalie Portman und Cate Blanchett vor die Kamera. Ihre Figuren treiben durch die texanische Musik-Stadt Austin.

Gleich nach „Ein verborgenes Leben“ (2019) hatte Malick seinen zehnten Spielfilm, das Bibeldrama „The Way of the Wind“, in mehreren Ländern abgedreht, mit Mark Rylance als Teufel und Géza Röhrig als Jesus. Der Film sei noch im Schnitt, sagte Produzent Alex Boden im August dem Branchenblatt „Variety“. Malick sei „sehr glücklich“ mit dem Material, aber es gebe noch keine Ankündigung.