Salzgitter. Jahrzehntelang schlummerten sie in einem Museumsdepot. Dann entdeckte sie der neue Direktor - und setzte sich für die Rückgabe ein.

Es ist eine Geschichte mit Vorbildcharakter in einer Zeit, in der die Aufarbeitung der völkerkundlichen Sammlungen in deutschen Museen viel diskutiert wird – aber oft schleppend verläuft. Gestern hat die Bundesrepublik 75 historische Objekte, darunter Siegel, Gefäße und Schmuck, an Mexiko zurückgegeben. 73 davon schlummerten jahrzehntelang im Depot des Städtischen Museums Schloss Salder in Salzgitter.

Der neue Museumsleiter Arne Homann hatte sie entdeckt, als er sich zu Beginn seiner Amtszeit vor drei Jahren einen Einblick in das Depot verschaffen wollte. Dort lagern zahlreiche sorgsam registrierte und selten gezeigte Exponate. In einer Pappschachtel stieß Homann auf 73 säuberlich verpackte, aus Ton gebrannte Fragmente von Kultgegenständen, die um 1900 in der Stadt Tampico an der Ostküste Mexikos gefunden worden waren.

Museumsleiter Arne Homann zeigt einige der 73 Kultgegenstände der Huaxteken, die im Magazin des Museums entdeckt wurden und aus der mexikanischen Stadt Tampico stammen.
Museumsleiter Arne Homann zeigt einige der 73 Kultgegenstände der Huaxteken, die im Magazin des Museums entdeckt wurden und aus der mexikanischen Stadt Tampico stammen. © Michael Kothe | Michael Kothe

Ein Salzgitteraner Bohrmeister fand die Objekte um 1900 in einem Brunnen in Tampico

Entdeckt hatte die gerade mal fingerlangen Figuren, rudimentären Tiergesichter und Trinkgefäße den Aufzeichnungen nach ein nicht weiter bekannter Salzgitteraner „Bohrmeister Peters“. Er fand sie offenbar in einem Brunnen unter der Ruine einer Kirche. Nach Expertenmeinung stammen sie aus der Zeit zwischen 250 und 1500 nach Christi Geburt und sind dem Volk der Huaxteken zuzuordnen. Seine Angehörigen siedeln in der nördlichen Golfzone. Vor Ankunft der Spanier sollen es eine halbe Million gewesen sein, heute noch rund 60.000.

Der Fund gelangte als Geschenk an Salzgitters ersten Museumsleiter Franz Zobel. Seitdem wurde der Inhalt von Inventar-Nummer Z 12341 wohl nur einmal ausgestellt. In den 60er-Jahren konnten Museumsbesucher die „Idolos“ („Götzenbilder“), wie die Kultgegenstände auf der Inventarliste bezeichnet werden, als „Kunst aus dem alten Mexiko“ bestaunen. Danach fielen sie im Magazin dem Vergessen anheim. Bis Homann sie wiederentdeckte.

Salzgitteraner Rat stimmte der Rückgabe zu

Für den neuen Museumsleiter war schnell klar, dass die Artefakte nach Mexiko zurückkehren sollten. Vermutlich handele es sich um Raubgut – wenn auch nicht ausgeschlossen werden könne, dass es eine Ausfuhrgenehmigung gegeben hat und das Erbe der Huaxteken einst legal nach Niedersachsen gelangte.

Der Salzgitteraner Rat stimmte der Rückgabe zu. Im Sommer 2022 wurden die Kultgegenstände dann noch einmal in einer Sonderausstellung im Museum präsentiert. Gestern stand nach langer Vorbereitung die offizielle Übergabe in der mexikanischen Botschaft in Berlin an, im Beisein des Botschafters Francisco Quiroga, eines Vertreters des Auswärtigen Amtes sowie der Salzgitteraner SPD-Bundestagsabgeordneten Dunja Kreiser.